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27. Januar 2012
Die Familiengeschichte der Bischoffinger
Der Geschichtsverein der Gemeinde und der Ahnenforscher Kurt Heinzmann haben ein interessantes Werk veröffentlicht.
VOGTSBURG-BISCHOFFINGEN (bbon). Spätestens seit der 1000-Jahr-Feier 2010 und den archäologischen Funden mit sensationeller Bedeutung 2011 ist klar, dass es sich bei Bischoffingen um ein bedeutendes Dorf handelt, wenn man die Geschichte des Kaiserstuhls verstehen möchte. Der neueste Coup des örtlichen Geschichtsvereins ist das Bischoffinger Ortsfamilienbuch von Autor Kurt Heinzmann, das kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Auf rund 270 Seiten erläutert das Werk die Familiengeschichte der Bischoffinger und informiert beispielsweise über die Entwicklung der Bevölkerung, über Ahnenforschung und Kirchenbücher.
"Bischoffingen hat ein weiteres Buch", freute sich Andreas Zentner. Der Vorsitzende des Bischoffinger Geschichtsvereins konnte zahlreiche Interessierte zur Präsentation des neuen Werks begrüßen. Angestoßen habe der Ahnenforscher Kurt Heinzmann das Projekt, der sich mit der Bevölkerungsentwicklung des Kaiserstuhls befasst. Zentner bedankte sich bei Heinzmann mit einem Präsent für sein ehrenamtliches Engagement.
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Außerdem dankte Zentner allen Sponsoren für die Unterstützung. "Der Verein hätte dies nicht alleine stemmen können", betonte er. Zudem galt sein Dank Wolfgang Stetter, stellvertretender Leiter des erzbischöflichen Archivs Freiburg. Stetter untersuchte, transkribierte und übersetzte einen handgeschriebenen Text auf einem Pergament, mit dem das älteste erhaltene Bischoffinger Kirchenbuch von 1642 eingebunden war.
Der Einband habe mit dem eigentlichen Inhalt des Kirchenbuchs jedoch nichts zu tun, sondern wurde vom damaligen Buchbinder vielmehr aus der Not heraus, weil er nichts anderes zur Hand hatte, verwendet. Weil das Team des Geschichtsvereins jedoch einen hohen Anspruch hat, verfolgten sie in ihrem perfektionistischen Einsatz auch die Bedeutung des Einbandes. Der von Stetter aus dem Lateinischen übersetzte Text wird ebenfalls im Ortsfamilienbuch erklärt.
Das Kirchenbuch von 1642 liefert auch die Daten für den Ausgangspunkt im Ortsfamilienbuch. Noch während des Dreißigjährigen Krieges – einige Bischoffinger sind bereits nach ihrer Flucht in das Dorf zurückgekehrt – legte Pfarrer Friedrich Bürklin 1642 das neue Kirchenbuch an. Als Pfarrer der Markgrafschaft Hochberg war er für alle evangelischen Gemeinden westlich der Elz zuständig. So gehörten unter anderem auch Bahlingen, Bickensohl, Eichstetten, Ihringen oder Bötzingen zu seinem Arbeitsgebiet, informierte Heinzmann, der vermutet, dass der Pfarrer Kirchenbücher in den Orten anlegte, sobald die Einwohner wieder von der Flucht zurückkehrten. Die Eintragungen im ältesten Kirchenbuch Bischoffingens markieren den Beginn der untersuchten Daten und aus Gründen des Datenschutzes werden nur weitere Kirchenbücher bis zum Jahr 1910 ausgewertet.
Anlass für Heinzmanns Untersuchungen war es, die eigenen Ahnen zu erforschen. Schon vor 30 Jahren begann der Eichstetter damit, sich mit seinen Vorfahren in der Kaiserstuhlgemeinde zu beschäftigen. Dabei sei er auf einen Artikel von Karl Adolf Wolfhard – er war von 1897 bis 1905 Pfarrer in Bischoffingen – gestoßen, der sich mit der Wiederbesiedlung der Winzergemeinde nach dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigt. Dessen These, dass das Gebiet nach dem Krieg von Schweizern besiedelt wird, stimme jedoch nicht, erläuterte Heinzmann. Er rekonstruierte, dass nur rund 20 Prozent aus der Schweiz kamen, während die ursprüngliche Bevölkerung rund 50 Prozent einnahm. Weitere 20 Prozent siedelten damals aus dem Markgräflerland ein.
In seinem Vortrag ging Heinzmann auf die Bevölkerungsentwicklung am Kaiserstuhl ein und wies dabei auf Besonderheiten Bischoffingens hin. Unter anderem zeigte er die strengen Heiratsregeln auf, die zu enge Eheschließungen vermeiden sollten. Eine Ehe dauerte im 18. Jahrhundert durchschnittlich 27,6 Jahre in Bischoffingen und sowohl Männer als auch Frauen hatten eine Lebenserwartung von rund 60 Jahren. Die Kindersterblichkeit war dabei jedoch nicht berücksichtigt. Denn rund ein Drittel der Kinder starb schon vor dem 12. Lebensjahr.
"Das Ortsfamilienbuch ist ein Buch, in das man hineinschreibt", betonte Heinzmann, der die Anwesenden dazu ermunterte, mit dem neuen Werk die eigenen Vorfahren zu erforschen und das Buch auch nach 1910 weiter zu führen.
"Das, was sie an Daten zusammengetragen haben, ist eine außergewöhnliche Leistung", lobte Vogtsburgs Bürgermeister Gabriel Schweizer die Arbeit von Heinzmann. Der Rathauschef dankte auch dem Geschichtsverein, der die Arbeit an dem Buch, in dem verlässlich die eigene Familie nachgeschlagen werden könne, begleitet hat. Diesen Worten schloss sich Ortsvorsteher Jost Göring an. Andreas Zentner kündigte bereits an, dass es in diesem Jahr noch ein weiteres Buch des Bischoffinger Geschichtsvereins geben wird.
ORTSFAMILIENBUCH BISCHOFFINGEN
Das Bischoffinger Ortsfamilienbuch kostet 25 Euro. Erhältlich ist es an folgenden Plätzen: zu den Sprechzeiten im Rathaus Bischoffingen, im Dorflädele Bischoffingen, in der Winzergenossenschaft Bischoffingen, bei Jost Göring (Amthofstraße 8), bei Andreas Zentner (Amthofstraße 6) und bei Hans Jürgen Wiedemann (Talstraße 7).
Autor: bbon
Autor: bbon
