Eine farbenfrohe Feier des Weines

Paul Klock

Von Paul Klock

Do, 15. September 2016

Vogtsburg

Dem edlen Rebensaft in der Kunst widmet sich eine Ausstellung, die noch bis zum 18. September im Burkheimer Rathaus zu sehen ist .

VOGTSBURG-BURKHEIM. Dem Thema Wein in der Kunst widmet sich eine Ausstellung, die derzeit im Jörg Wickram Saal im Burkheimer Rathaus zu sehen ist.

Rothschild konnte es sich leisten
Picasso hat es getan, Chagall und sogar Dali und Warhol. Die Rede ist von der Gestaltung künstlerischer Weinetiketten. Nicht für ein Kaiserstühler Weingut oder eine Winzergenossenschaft, sondern für Baron von Rothschild, der schon früh auf werbewirksame Aktionen setzte und sich oben genannte Künstler auch leisten konnte. Und sei es auch nur mit einer exquisiten Weinkollektion aus seinen Kellern.

Die Kunst der Weinetiketten gab es bei der Ausstellung Kunst und Wein im Burkheimer Rathaus nicht zu sehen. (Sieht man von einem wie zufällig hineingeratenen Exemplar von Norman Nothum ab.) Und auch keine von Rotwein tropfende Pinsel wie beispielsweise bei Deutschrocker Udo Lindenberg und einigen anderen. Dafür Stillleben, Landschaften und Skulpturen Riegeler Künstler, die sich entweder extra für die Ausstellung mit dem Thema beschäftigten oder entsprechende Arbeiten heraussuchten.

Malerische Landschaften
So präsentiert der Fotograf Hans-Peter Ziesmer malerische Landschaften herbstlicher Weinberge, erkundet Cordula Böhle die graphische Struktur knöcherner Rebstöcke, schwelgt Doris Wollandt in prallen Trauben oder einer rätselhaft blickenden Weinprinzessin, haucht Senta Ernst zarte Impressionen mit leuchtenden Acrylfarben auf die Leinwand. Die Herangehensweise ist je nach Technik oder künstlerischem Selbstverständnis verschieden. Einig scheint man sich dennoch hinsichtlich der farbenfrohen, beschwingten Feier des edlen Getränks zu sein.

Kein genuines Sujet der Kunst
Wein ist kein genuines Sujet de Malerei, wiewohl Weinreben, Trauben oder deren Ernte natürlich auf Bildern verschiedener Stilrichtungen auftauchen. Aber nicht als eigenständiges Motiv, zumindest nicht in der akademischen Malerei. Da muten die Arbeiten des Buchillustrators und Kalligraphen Norman Hothum wie ein nachgetragenes Projekt der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema an. Verhaftet in der mittelalterlichen bis gothaischen Malerei stellt er in entsprechendem Stil und Ausführung Text und Bild nebeneinander – erzählt Geschichten in deutscher und lateinischer Sprache, kunstvoll gesetzt und exakt ausgeführt. Bei ihm findet sich die kompakteste Auseinandersetzung mit dem Thema, natürlich gedeckt durch den impliziten kunsthistorischen Verweis. Sichtbar ist das Thema gerade im Kaiserstuhl dennoch. So zieren Plastiken seit Jahren die Weinberge um Bahlingen, die um die "beWEGten" Rebzeilen des Architekten Pierre Gendron im Wihltal erweitert wurden. Und in Gengenbach hat die deutsch-elsässische Gruppe ARTist 23 dauerhafte Werke zum Thema "Wein und Genuss" entlang des Rebbergs aufgestellt.

Zu Unrecht unbeachtet
"Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens", schrieb der antike Dichter Euripides schon vor 2500 Jahren. Wo die Kunst fehlt, stirbt die Kultur und damit die Gesellschaft möchte man ergänzen. Insofern ist Wein und Kunst vielleicht einfach auch ein bisher zu Unrecht unbeachtetes Sujet.

Die Ausstellung im Jörg Wickram Saal in Burkheim (gleich nach dem "Siebten Himmel"!!!) ist noch bis zum 18. September täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.