Junge Winzer am Kaiserstuhl (34)

Felix Bühler (Weingut Hauser-Bühler in Bickensohl)

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Di, 25. August 2015

Vogtsburg

Felix Bühler will das 'Weinmachen' nicht neu erfinden. Er greift für manche Weine auf Techniken zurück, die schon sein Urgroßvater angewandt hat.

KAISERSTUHL. Der Strukturwandel im Weinbau schreitet am Kaiserstuhl rasant voran. In immer mehr Betrieben übernimmt die junge Generation das Kommando. In einer Serie stellt die BZ die "jungen Wilden" vor. Heute ist Felix Bühler vom Weingut Hauser-Bühler in Bickensohl an der Reihe. Die Fragen stellte Gerold Zink.

BZ: Was machen Sie anders als Ihr Vater oder Ihre Mutter?
Bühler: Ich bringe neue Erkenntnisse, Trends und neue Techniken mit in den Betrieb. Man braucht nicht zu meinen, das ’Weinmachen’ neu erfinden zu müssen. Eigentlich ganz im Gegenteil: Bei manchen Weinen wende ich Techniken an, die mein Urgroßvater schon praktiziert hat. Neues Wissen und Erlerntes mit traditionellem Handwerk zu verbinden, macht unheimlich Laune. Seit ich im elterlichen Weingut eingestiegen bin, bewirtschaften wir den Betrieb biologisch und ich bin ein großer Fan von Holzfässern in allen Größen.
BZ: Was fasziniert Sie am Beruf des Winzers?

Bühler: Ich liebe es, in der Natur zu arbeiten, selbständig zu entscheiden und mir über Produktion und Ausbau ständig den Kopf zu zerbrechen. Eine Rebe zu pflanzen, sie jahrelang sorgfältig zu pflegen, bis sie so herangewachsen ist, dass wir Top-Qualitäten erzeugen können, ist toll. Es ist auch schön, Menschen von meinen Erzeugnissen zu überzeugen und dadurch Anerkennung und Lob zu ernten.
BZ: Beschreiben Sie Ihre Betriebsphilosophie mit drei Schlagworten.
Bühler: Natürlich, konsequent, anders.
BZ: Was schätzen Sie am Kaiserstuhl so sehr, dass Sie hier Ihre Zukunft planen?
Bühler: Die klimatischen Bedingungen, die unterschiedlichen Bodenarten und die vom Mikroklima geprägten Kleinterrassen machen den Kaiserstuhl zu einem einmaligen Gebiet für Weinbau. Hier lassen sich Weine mit höchster Qualität produzieren.
BZ: Was muss in der Weinwirtschaft am Kaiserstuhl besser werden?
Bühler: Was den Weintourismus angeht, hat meiner Meinung nach der Kaiserstuhl noch Nachholbedarf. Wenn man sieht, was in anderen Weinbauregionen und Weinbauländern abgeht, wird man sich dessen bewusst. Nichtsdestotrotz ist der Kaiserstuhl in Deutschland sehr bekannt und wir sollten alle daran arbeiten, dass es sich lohnt, den Kaiserstuhl zu besuchen.
BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Kaiserstuhl profilieren?
Bühler: Die Burgunderfamilie ist das Steckenpferd des Kaiserstuhls. Weit über die Grenzen hinaus werden dichte und einzigartige Weiß-, Grau- und Spätburgunder vom Kaiserstuhl getrunken. Die Welt weiß, was es hier Gutes gibt!
BZ: Was können junge Winzer am Kaiserstuhl gemeinsam bewegen?
Bühler: Der Austausch unter den Jungwinzern ist wichtig. Konkurrenzdenken ist absolut nicht angebracht! Wir können dafür Sorge tragen, dass wir als Weinspezialisten gehört und respektiert werden.
BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?
Bühler: Ein natürlich gewachsener und ausgebauter Wein, der nicht zurechtgebogen wurde, um dem Kunden zu schmecken. Er muss mich geradeaus über all meine Sinne überzeugen.
BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Bühler: Ich bin realistisch und habe mich mit solchen Gedanken nicht auseinandergesetzt. Würde es dennoch so kommen, gibt es in einem Weinbau- und Kellerwirtschaftsbetrieb immer zu investieren. Ich würde das Geld ins Weinmarketing, in einen Verkaufsraum und in die Kellerausstattung stecken.

Felix Bühler (27): 2005 bis 2007 Ausbildung im Staatsweingut Blankenhornsberg in Ihringen und im Weingut Freiherr von Gleichenstein in Oberrotweil; 2 Jahre im elterlichen Betrieb; 2010 bis 2012 Fachschule zum Techniker für Weinbau und Önologie in der Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg; seit 2012 im elterlichen Betrieb in Bickensohl im Weingut Hauser-Bühler (10 Hektar Rebfläche, 50 000 Liter Jahresproduktion)

Alle bereits erschienenen Beiträge der Serie "Junge Winzer am Kaiserstuhl" sind bei BZ-Online zu finden unter http://mehr.bz/jungewinzer