Stauwehr soll Brücke für Radfahrer und Fußgänger werden

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mi, 11. Oktober 2017

Vogtsburg

Vertreter aus Südbaden und dem Elsass setzen sich für Rheinübergang bei Burkheim und Markolsheim ein / Absichtserklärung unterzeichnet.

VOGTSBURG-BURKHEIM / MARKOLSHEIM. Rund 16 Jahre sind vergangen, seit erstmals die Idee laut wurde, das Stauwehr des französischen Energieunternehmens EDF bei Burkheim für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen. Jetzt trafen sich Verbands- und Behördenvertreter sowie Bürgermeister aus Deutschland und Frankreich, um in einer Absichtserklärung die Rahmenbedingungen für das Länder und Bürger verbindende Brückenbauprojekt festzuzurren. Bis Wanderer und Radler das Stauwehr nutzen können, werden aber wohl noch Jahre vergehen.

Abgesandte von 22 Kommunen, Organisationen und Verbänden hatten sich zur Feierstunde anlässlich der Unterzeichnung im Rathaus von Marckolsheim eingefunden. "Viele Gäste, viel guter Wille", begrüßte Gastgeber Frédéric Pfliegersdoerffer, Bürgermeister von Marckolsheim, Conseiller Régional du Grand Est und Président de la Communauté de Communes du Ried de Marckolsheim, die etwa 50 Anwesenden. Die beabsichtigte Öffnung des Stauwehrs diene den Regionen beidseits des Rheins zur Förderung des Tourismus, vor allem aber dem Zusammenkommen der Bürger.

"Europa macht’s möglich", freute sich der künftige Vorsitzende des mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung ins Leben gerufenen "Lenkungsausschusses", der die weiteren Schritte bis zur Umsetzung des Projektes federführend begleiten wird. Es sei schwierig, die Sicherheitsbestimmungen für eine solche öffentliche Nutzung zu gewährleisten, erläuterte Raphael Mehr, EDF-Gebietsleiter, dessen Konzern mit seiner Zustimmung zur öffentlichen Nutzung des Bauwerkes die Realisierung des Projektes letztlich ermöglicht hatte. Jedoch gebe es schon derartige Übergänge, die "das Entdecken der beiden Rheinufer fördern", freute sich der Konzern-Vertreter.

"Alle Verbindungen am Rhein – ob groß oder klein – sind ein Zeichen, dass beide Länder zusammenkommen wollen", betonte Brigitte Klinkert, Präsidentin des Conseil Départemental du Haut-Rhin, Bezirk 68. Sie würden die Lebensqualität der Bürger in der Region steigern, schloss sich ihr Amtskollege vom Bezirk 69, Frédéric Bierry, an. "Brücken sollen verbinden, nicht abgrenzen", gab auch Sasbachs Bürgermeister Jürgen Scheiding als Parole aus. Während die 1984 eröffnete Rheinbrücke bei Marckolsheim hauptsächlich eine Wirtschaftsachse sei, stünde die kleine Brücke insbesondere für den Ausbau des Tourismus wie des Zusammenwachsens der Bürger auf beiden Rheinseiten. "Es ist ein besonderer Tag zur Freude", pflichtete ihm sein Vogtsburger Amtskollege Benjamin Bohn bei. "Ich hoffe, dass das Projekt zügig vorankommt und in wenigen Jahren ein Band durchschnitten werden kann", sagte Bohn, der als Stellvertreter von Frédéric Pfliegersdoerffer an der Spitze des Lenkungsausschusses sitzen wird.

"Symbol, Freude, Verbinden", fasste Antoine Herth, der Vertreter des Bezirks Bas-Rhin, das Gesagte augenzwinkernd zusammen. Auch er betonte vor allem die touristische Bedeutung der künftigen Radwegeverbindung.

"Es gibt kaum etwas Schöneres, als Brücken zu bauen", schwärmte Andreas Übler, Dezernent am Landratsamt Emmendingen. "Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit kann in der Realität nur in kleinen Schritten erfolgen", wandte sich der Vorsitzende des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein, Dieter Karlin, dem Thema Tempo beim Brückenbauen zu. "Aber wir dürfen die Geduld nicht verlieren", lautete sein Appell.

"Gut Ding will Weile haben", fand auch Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Die heutige Unterzeichnung der Absichtserklärung sei "der vierte Ansatz in zehn Jahren", blickte sie zurück. Die Zustimmung der EDF im Juni dieses Jahres sei "der entscheidende Schritt, um weiterzukommen" gewesen. Bis zur Öffnung des Stauwehrs gelte es nun zu klären, ob eine Machbarkeitsstudie notwendig und ob die Finanzierung teilweise über das Interreg-V-Programm möglich sei. Störr-Ritter gab sich aber zuversichtlich, dass man nicht weitere 16 Jahre brauche, bis die Brücke geöffnet würde.

"Die Finanzierung ist noch nicht geklärt, das muss dann im nächsten Schritt erarbeitet werden", bekannte Klaus Schüle, der in Vertretung von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer ans Rednerpult trat, zum Thema Baukosten, bevor die Absichtserklärung unterzeichnet wurde.

"Kurzfristig", so steht dort zu lesen, solle das Stauwehr geöffnet werden. Mittelfristig ist geplant, einen Radweg auf der Rheininsel bis zur Brücke Marckolsheim einzurichten. Langfristig soll dann ein Radweg über die große Kraftfahrzeugbrücke führen und Sasbach und Marckolsheim verbinden.