Volkssoda und gebrechliche Witze

ghj

Von ghj

Do, 16. März 2017

Kino

KOMÖDIE: "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht...".

Der Hunderteinjährige hat einen Bart. Also nicht der Schauspieler im Film, der hat nur eine schlechte Altermann-Maske, sondern der Humor in "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand". Die Verfilmung von Jonas Jonassons Roman "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" war 2013 ein leidlicher Erfolg, den man nun ohne Mitwirkung des Autors noch etwas ausquetschen will.

Allan Karlsson (Robert Gustafsson) feiert, nach seinem bewegten und explosiven Leben, auf Bali sein Hunderteinjähriges. Dort wird aus einer Kiste eine Flasche "Volkssoda" rausgekramt, die der Rote Faden der Geschichte sein soll. Denn Allan hat als Doppelspion während des Kalten Krieges einst auch die Rivalität zwischen Nixon und Breschnew angestachelt. Von der Idee, dem Westen mit Balalaika-Rock, Jeans-Imitaten und Cola-Kopien Konkurrenz zu machen, blieb nur die systemübergreifend wohlschmeckende Volkssoda übrig. Um die es eigentlich im Pershing-Vertrag ging: Die Sache mit den Raketen war damals nur eine Tarnung, um einen Weltkrieg der Süßgetränke zu verhindern. So sollten die "Salt-Verträge" eigentlich Sweet, also "Süß-Verträge" heißen, wie Allan sich in den für den Film typischen Rückblenden erinnert. An was er sich nicht mehr erinnert, ist der Verbleib des Rezeptes für diesen Zaubertrank.

So führt eine Schnipsel-Jagd der Erinnerungsstücke über Moskau, Polen, Berlin schließlich nach Schweden zurück. Nervige Fluchtgenossen sorgen für Vervielfältigung des vor allem platten Humors; der schwedische Komiker Robert Gustafsson muss mit sich mit gebrechlichen (und obendrein schlecht synchronisierten) Scherzen abgeben, und Leichen pflastern den Weg des naiven Karlsson.

Neben der kindischen Streiterei zwischen Nixon und Breschnew darf Kissinger in einem klugen Satz den Sieg des Konsums vorhersehen, in einem Berliner LSD-Trip treten David Bowie, Herbert (!) Einstein und Andy Warhol auf. Dabei läuft Karlsson nur mit, was selbstverständlich ein Grundprinzip solcher Figuren ist. Doch so ganz ohne persönliche Entwicklung wird die letzte Chance auf einen Sympathie-Träger im Reigen der Witzfiguren verschenkt. So geriet diese falsche Fortsetzung nicht nur zum schlechten Film, dieser "Hunderteinjährige" ist auch gründlich unsympathisch. (Läuft flächendeckend, ohne Alterslimit)