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01. August 2011

Beachvolleyballer mit Biss

Landesmeisterschaft in Schopfheim wird bei Männern und Frauen erst im dritten Satz entschieden.

  1. Der Block des Konstanzers Hannes Lampert (Mitte) zermürbt den Freiburger Julian Sadleder (rechts) im Männerfinale, links Christopher Schieck. Foto: Matthias Kaufhold

BEACHVOLLEYBALL. Eine leichter Ostwind wehte beständig über den platanengesäumten Schopfheimer Marktplatz. Doch nicht nur deshalb wirbelten die Beachvolleyballer bei der baden-württembergischen Meisterschaft in der Markgrafenstadt jede Menge Sandstaub auf. Annähernd 300 Zuschauer säumten den Centre Court bei den Finalspielen um die Landesmeisterschaft, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen erst in der Verlängerung des dritten Satzes entschieden wurden.

Die steife Ostseebrise hatte sich Okka Rau-Schmeckenbecher ("ich fühle mich immer noch als Kielerin") bis zum Freitag im Kreise ihrer Familie um die Nase wehen lassen, dann war die zweifache Olympia-Teilnehmerin via Basel zur Landesmeisterschaft nach Schopfheim geflogen – und verleibte sich kurzerhand mit Partnerin Leonie Müller (1844 Freiburg) ihren ersten Titel im Ländle ein. Das Duo benötigte jedoch all seine Routine, um die Herausforderinnen Marie Dinkelacker (VC Offenburg) und Britta Steffens (USC Konstanz) im dritten Satz in die Schranken zu weisen. Einen Matchball mussten Rau-Schmeckenbecher und die aufschlagstarke Linkshänderin Müller abwehren, bei 16:15 landete ein Handwurzelschlag (Poke) von Dinkelacker neben der Linie.

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"Die Qualität des Finales war leider nicht so toll", räumte Rau-Schmeckenbecher hinterher ein, ansonsten aber hatte die fünffache Beachvolleyballerin des Jahres in Deutschland bei der diesjährigen Ba-Wü-Tour nicht nur "im süßen Städtchen Schopfheim" jede Menge Spaß.

Selbstverständlich ist das nicht, bewegte sich Rau-Schmeckenbecher doch bis 2009 beständig auf Topniveau in der Weltserie, ehe sie ihre internationale Karriere beendete, ein Jahr lang keinen Ball anfasste und das Lehramtsstudium (Englisch/Sport) vorantrieb. Doch in Rottenburg, wo sie mit ihrem Mann Stefan Schmeckenbecher – er verlor in Schopfheim im Vorjahr das A-Top-Finale – lebt, kehrte die Lust am Spiel zurück. Auch wenn das Referendariat inzwischen Priorität genießt und sie mit Müller die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft nicht erreichen wird, schmettert die 33-Jährige weiter nach Herzenslust drauflos: "Ich finde den Sport einfach genial." Julian Sadleder wird kurz nach dem Männerfinale vielleicht anders darüber gedacht haben. Musste sich der Spieler des Zweitbundesligisten 1844 Freiburg im Finale mit Kompagnon Christopher Schieck (TV Eberbach) doch in drei Sätzen den Überraschungsfinalisten Benny Loritz (TuS Durmersheim) und Hannes Lampert (USC Konstanz) beugen. Die Taktik der an Position vier gesetzten Loritz/Lampert, dauerhaft auf Sadleder aufzuschlagen, ging auf. "Wir haben die meiste Zeit versucht, Jules Bällen hinterherzulaufen, irgendwann hat’s funktioniert", sagte Loritz. Irgendwann war Sadleder durch Lamperts Block zermürbt.

In Schopfheim schloss sich ein Kreis für die neuen Landesmeister. Vor drei Jahren absolvierten hier Loritz/Lampert ihr erstes gemeinsames Turnier. In diesem Jahr wurde ihr großer Kampfgeist belohnt: Nach einer Niederlage im zweiten Spiel mussten sie sich frühzeitig durch die Verliererrunde boxen, vier ihrer sieben Spiele gingen in den dritten Satz. Beachvolleyball hat eben viel mit Willenskraft zu tun.

Das würde Axel Ziethe auch so sehen. Der Schwabe aus dem topgesetzten Duo hatte sich im Vorfeld das Ohr (!) gebrochen und hielt mit einem den Wasserballern entlehnten Schutz bis ins Looserrunden-Viertelfinale durch. Sandmänner kennen keinen Schmerz.

Männer, Halbfinale: Loritz/Lampert (TuS Durmersheim/ USC Konstanz) – Kallfaß/Dvorak (1844 Freiburg/ USC Freiburg) 21:19, 21:16; Sadleder/Schieck (1844 Freiburg/ TV Eberbach) – Müller/Steinkemper (TV Denzlingen/ SG Breisach/Gündlingen) 21:14, 21:14. Spiel um Platz 3: Kallfaß/Dvorak – Müller/Steinkemper 21:16, 24:22. Finale: Loritz/Lampert – Sadleder/Schieck 17:21, 22:20, 15:14. Frauen, Halbfinale: Rau-Schmeckenbecher/Müller (TV Rottenburg/1844 Freiburg) – Blesch/Späth (TSV Stuttgart) 21:11, 21:15; Steffens/Dinkelacker (USC Konstanz/ VC Offenburg) – Weissgerber/Lemberger (SVK Beiertheim) 21:11, 21:14. Spiel um Platz 3: Blesch/Späth – Weissgerber/Lemberger 21:17, 21:15. Finale: Rau-Schmeckenbecher/Müller – Steffens/Dinkelacker 15:21, 21:9, 17:15.

Autor: Matthias Kaufhold