Beachvolleyball

Freiburger Sven Winter spielt mit Profi Alexander Walkenhorst

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mi, 15. Februar 2017

Volleyball

Unter den weltbesten Beachvolleyballern haben die Sandspezialisten aus Deutschland derzeit einen schweren Stand. Deshalb wird verstärkt nach jungen Spielern Ausschau gehalten. So hat sich auch eine Tür für den Freiburger Sven Winter geöffnet.

Für die Olympischen Spiele 2016 hatte sich nur ein deutsches Männerduo qualifizieren können. Und dann strichen die Hamburger Markus Böckermann und Lars Flüggen in Rio nach drei Niederlagen in drei Gruppenspielen frühzeitig die Segel. Auch beim Major-Turnier der Weltserie am vergangenen Wochenende in Fort Lauderdale kamen nur Böckermann/Flüggen als einziges deutsches Team in die Runde der besten 16 – und wurden mit 13:21 und 10:21 von den US-Amerikanern Lucena/ Dalhausser regelrecht vorgeführt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der neue Beach-Bundestrainer Martin Olejnak derzeit verstärkt Ausschau hält nach jungen Spielern, die mittel- bis langfristig die Lücke zur Weltspitze schließen. Einer davon kommt aus Freiburg: Sven Winter.

Seit seinem überraschenden Erfolg beim europäischen Hallenturnier im französischen Dijon Anfang Dezember hat sich die Tür zur Profiwelt des Sandbetriebs für Sven Winter geöffnet. Nachdem der 18-Jährige beim Lehrgang der vier Nationalteams auf Fuerteventura als Youngster hineinschnuppern durfte, schlägt der Abwehrspezialist von 1844 Freiburg an diesem Mittwoch nun erstmals bei einem Turnier der Welttour auf. Mit den 2,03-Meter-Blocker Tim Holler will Winter versuchen, im iranischen Urlaubsressort Kish Islands beim Drei-Sterne-Wettbewerb die Qualifikation zu überstehen.

Für die anschließende Saison hat Winter jedoch einer anderen nationalen Beach-Größe sein Ja-Wort gegeben: Alexander Walkenhorst, 2012 und 2013 deutscher Vizemeister, streckte seine Fühler zu Winter aus, weil sein bisheriger Partner Thomas Kaczmarek mit einem Achillessehnenriss ausfällt. Der 28-jährige Blockhüne aus Essen, Bruder von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst, gilt in der Szene als Spieler mit großem Potenzial, das er freilich zu selten abruft. Winter wägte nach der Offerte von Walkenhorst ab und sagte dem Berliner Niklas Rudolf, mit dem er in Dijon gewann und ursprünglich das Jahr bestreiten wollte, schweren Herzens ab. "Diese große Chance, mit einem so erfahrenen Spieler und Trainer zusammenzuarbeiten, kann ich mir nicht entgehen lassen", sagt die umworbene Abwehrkraft.

Tatsächlich gilt der neue Coach von Winter als gewiefter Fuchs: Hans Voigt, langjähriger Dozent für Volleyball an der Ruhr-Universität Bochum, gehörte zum Trainerstab, der Julius Brink und Jonas Reckermann in London 2012 zum Olympiasieg führte. "Er hat viel Erfahrung im Bereich Bewegungslehre und kann mir helfen, das Spiel noch besser zu verstehen", lobt Winter seinen neuen Lehrmeister.

Walkenhorst sieht Winter als Spielertyp der Zukunft

Das Internet-Fachportal http://www.beach-volleyball.de hält die neue Kombination Walkenhorst/Winter jedenfalls für ein spannendes Projekt: "Dem einen könnte die Zukunft gehören, für den anderen ist es die vielleicht letzte Chance, international noch einmal Anschluss zu finden." Alexander Walkenhorst ist von seinem jungen Kompagnon aus Freiburg jedenfalls ziemlich begeistert: "Sven hat für sein Alter unglaublich gute Voraussetzungen, ist trotz seiner 1,97 Meter bewegungsfähig und springt auch noch gut." Dahin ginge international die Tendenz, ist Walkenhorst überzeugt.

Einstweilen findet das gemeinsame Training des neuen Duos in Blöcken wechselweise in den Beach-Hallen von Witten und Hamburg statt. In der Hansestadt studiert Winter seit diesem Wintersemester Wirtschaftsingenieurwesen. Sein Vorteil: Bundestrainer Olejnak konzentriert die Nationalteams, zu denen Winter/Walkenhorst nicht gehört, ebenfalls in Hamburg. Winter, der vor drei Jahren U-18-Europameister im Beachvolleyball wurde, reduziert die Erwartungen aber auf ein realistisches Maß. Erstens bringt er mit Walkenhorst derzeit nur wenig Weltranglistenpunkte ein, um bei hochwertigen Turnieren der Weltserie (vier oder fünf Sterne) fest die Qualifikation zu spielen. Zweitens ist der Faktor Routine im Männerbereich enorm wichtig: "Die anderen haben da mehr Erfahrung und machen in bestimmten Situationen weniger Fehler als ich", erkannte er beim Lehrgang auf Fuerteventura.

Nichtsdestotrotz: Winter steht auf dem Sprung, sich auch im Aktivenbereich zumindest national einen Namen zu machen. Der Student startet weiter für seinen Heimatverein 1844 Freiburg, bei dem er unter Jugendtrainer Daniel Raabe zum Volleyball kam und als 15-Jähriger seinen ersten Zweitligaeinsatz in der Halle erhielt. Anschließend wurde er zwei Jahre lang am Volleyball-Internat Friedrichshafen ausgebildet. Doch schon hier war ihm klar: der Sand ist mein Ding.