Markus Steuerwald: "Ich weiß jetzt, wo mein Platz in der Mannschaft ist"

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Do, 14. Juni 2012

Volleyball

BZ-Interview: Volleyballer Markus Steuerwald über wohltuende Psychologie und einen fehlenden Freifahrtschein nach London.

HAUSACH. Geschichte wiederholt sich doch. Wie vor vier Jahren schafften die deutschen Volleyballer am Sonntag mit einem Sieg beim heimischen Qualifikationsturnier den Sprung zu den Olympischen Spielen. Wie vor vier Jahren war dabei Kuba der größte Brocken, der mit einem denkwürdigen 3:2-Erfolg aus dem Weg geräumt wurde. Und wie vor vier Jahren organisierte Markus Steuerwald als Libero die deutsche Abwehr. Warum sich Geschichte an dieser Stelle aber nicht wiederholen soll, erläutert der 23-jährige Kinzigtäler im Gespräch mit Matthias Kaufhold.

BZ: Herr Steuerwald, die Parallelen zur vergangenen Olympia-Qualifikation sind augenfällig. Erklären Sie doch mal, wo die Unterschiede liegen?

Markus Steuerwald: Wir hatten viel mehr Druck als vor vier Jahren. Damals hatten wir nichts zu verlieren, diesmal hieß es nach der guten ersten Qualifikationsrunde in Bulgarien (Platz zwei, Anmerkung der Redaktion) von außen schnell, das schafft ihr doch mit links.

BZ: Wie haben Sie diesem Druck standgehalten?

Steuerwald: Die Mannschaft hat einen großen inneren Zusammenhalt und der neue Trainer (vor drei Monaten löste der Belgier Vital Heynen den Argentinier Raul Lozano ab, d. Red.) achtet im Training viel auf Spaß und Abwechslung. Das Wichtigste aber war, dass wir auch nach dem Trainerwechsel weiter mit unserem Psychologen Wolfgang Klöckner zusammenarbeiten können. Er tut uns einfach gut. Mit ihm werden gemeinsam viele Dinge besprochen, die auf dem Feld helfen können. Das war am vergangenen Wochenende noch intensiver als zuvor.

BZ: Sie spielten 2008 mit jugendlicher Unbekümmertheit die Olympia-Quali – und für die Spiele in Peking wurde Ihnen ein Routinier vorgezogen. Passiert Ihnen das diesmal nicht?

Steuerwald: Das weiß ich nicht, nominiert wird erst in vier Wochen. Bei den kommenden Weltligaspielen in Argentinien rotiert der Trainer auf vielen Positionen noch mal durch, keiner kann sich sicher sein. Niemand hat einen Freifahrtschein nach London.

BZ: Jetzt aber nicht so bescheiden. Ihr Vereinswechsel nach Paris hat Ihnen ein Comeback in die Nationalmannschaft ermöglicht. Das muss Ihnen doch Selbstvertrauen geben.

Steuerwald: Klar, in den zwei Jahren bin ich sicher reifer geworden. Ich weiß jetzt, wo mein Platz in der Mannschaft ist und wie ich den Mitspielern am besten weiterhelfen kann. 2008 habe ich einfach drauflos gespielt, heute muss ich noch andere Aufgaben regeln. Ich muss viel reden, Dinge auf dem Feld organisieren, andere emotional unterstützen. Jeder Spieler braucht eine eigene Ansprache. In Paris habe ich mich vielleicht als Persönlichkeit am meisten entwickelt neben dem technischen und taktischen Fortschritt.

BZ: Ihr Bruder Patrick kehrt als Zuspieler für die kommenden Weltligaspiele wieder ins Nationalteam zurück. Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dass zwei Steuerwalds bei Olympia spielen?

Steuerwald: Keine Ahnung, vielleicht sind wir beide dabei, vielleicht gar keiner, das entscheidet allein der Bundestrainer. Deshalb mache ich mir darüber auch keine Gedanken. Ich kann nur trainieren und auf dem Feld mein Bestes geben, so wie Patrick auch. Für ihn ist es vielleicht ein Stück schwerer, weil die anderen beiden Zuspieler zuletzt mehr gespielt haben und sich ihr Wechselspiel bewährt hat.