"Wir entscheiden uns für den anderen Weg"

Hannes Selz

Von Hannes Selz

Fr, 14. September 2018

Volleyball

BZ-INTERVIEW: Vor dem Beginn der zweiten Volleyball-Bundesliga spricht Trainer Jakob Schönhagen über das Freiburger Gegenmodell zum Bezahlsport der Konkurrenz.

VOLLEYBALL. Es geht wieder los. Die Volleyballer der FT 1844 Freiburg starten am Samstag mit einem Gastspiel beim ambitionierten SV Schwaig in die neue Zweitliga-Saison. Für Jakob Schönhagen ist es das zweite Jahr als Trainer. Im Gespräch mit Hannes Selz erzählt der 29-Jährige, was in dieser Spielzeit neu ist und gibt einen Einblick in seinen Werkzeugkasten.

BZ: Was spricht für eine gute Saison?

Schönhagen: Alle im Verein brennen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das aufs Volleyballfeld übertragen.

BZ: Externe Neuzugänge blieben in diesem Sommer aus. Wieso gelingt es der FT nicht, Spieler für sich zu begeistern?

Schönhagen: Das stimmt so ja nicht. Im letzten Jahr hatten wir acht Neuzugänge und wollten daher dieses Jahr bewusst mit Kontinuität auf dem Fundament aufsetzen, das wir uns erarbeitet haben. Wir wollen nicht nur proklamieren, auf die Jugend zu setzen. Wir sind stolz darauf, aus der zweiten Mannschaft in Manuel Beck und Tobias Nolte zwei Neuzugänge bekommen zu haben, die die Werte verkörpern, für die wir stehen. Beide kommen aus der Region und sind harte Arbeiter.

BZ: Wie lief die Vorbereitung?

Schönhagen: Gut. Wir haben diesmal bewusst weniger Testspiele bestritten. Gegen Rottenburg haben wir 1:5 verloren, es aber ordentlich gemacht. Beim Turnier in Luxemburg hatten wir am vergangenen Wochenende fünf Spiele, die auch gut waren. Wir wollten hier gruppendynamische Prozesse in den Vordergrund stellen und Elemente, bei denen andere uns überlegen sind, mit unserer Teamarbeit überspielen.

BZ: Klafft im Mittelblock nach dem Weggang von Eric Dufour-Feronce ein Loch?

Schönhagen: Die Mitte ist vielleicht die am meisten unterschätzte Position im Volleyball. Die Mittelblocker sind die Wahrscheinlichkeitsberechner im Team. Sie müssen immer genau berechnen, wer in welcher Situation den Ball bekommen könnte. Da habe ich in August Sigle, Manuel Beck, Tobias Nolte, Johannes Stemmann, Simon Schmid und potentiell auch Oli Hein sechs intelligente Spieler.

BZ: Nolte und Beck werden also beide fest zum Kader gehören?

Schönhagen: Ursprünglich war geplant, dass es am Ende nur einer schafft. Beide haben aber eine derart gute Entwicklung genommen, dass wir gar nicht umhin konnten, beide hochzuziehen.

BZ: Vor der letzten Saison sagten Sie, dass Sie viel auf die Jugend setzen. In den wichtigen Spielen und heiklen Spielphasen ist es aber nicht dazu gekommen.

Schönhagen: Da muss ich erneut widersprechen. Die Statistik lügt nicht. Unsere Jugendspieler haben oft gespielt, auch in heiklen Phasen. Jetzt machen die Jungen aber noch mehr Druck und sind in der Lage, eine noch größere Rolle zu spielen.

BZ: Wie wollen Sie das den langgedienten Spielern erklären?

Schönhagen: Wir haben einen guten Teamgeist entwickelt. Das Entscheidende ist, dass die Mannschaft das Konzept, auf Eigengewächse zu setzen, komplett mitträgt. Wir haben sozialkompetente, erfahrene Spieler, die zusätzlich noch hohe spielerische Qualität haben. Nur diese Säulen ermöglichen es, dass sich die jungen Spieler entfalten können.

BZ: Was ist neu an Ihrer Spielidee?

Schönhagen: Letzte Saison stand der Spielaufbau und das Spiel mit dem Ball im Vordergrund. In der Vorbereitung haben wir dieses Fundament nun ausgebaut: Erstens haben wir am Spiel gegen den Ball gearbeitet, also an unserer Block-Feld-Verteidigung, zweitens intensiv am Spiel ohne den Ball, drittens am Aufschlag, mit dem wir den Gegner kognitiv überfordern und überraschen wollen.

BZ: Wie schätzen Sie die Liga ein?

Schönhagen: Der Trend geht deutlich zu einem offensiv gelebten Bezahlsport. Tendenziell ist das positiv, denn sportliche Leistung gehört ordentlich entlohnt. Wir entscheiden uns aber für den anderen Weg. Wir stecken das Geld bewusst in unsere Jugend und unseren hauptamtlichen Jugendtrainer.

BZ: Das Ziel lautet wieder Klassenerhalt?

Schönhagen: Wie immer. Wir wollen erst einmal so schnell wie möglich Klarheit nach unten schaffen. Danach möchten wir aber angreifen und in der Lage sein, jeden Gegner zu schlagen.

BZ: Die neue Halle wird 2019 fertig. Werden Sie wehmütig, dass die letzte Saison in der Burdahalle bevorsteht?

Schönhagen: Klar. Man muss auf jeden Fall noch einmal kommen und uns bestaunen, da der Burda-Dschungel eine ganz spezielle Atmosphäre ausstrahlt. Wir freuen uns aber gleichzeitig riesig auf die Möglichkeiten der neuen Halle.

BZ: Was ist das Motto für die Saison?

Schönhagen: Wir haben einen Team- und einen Spiel-Deal. Der Team-Deal lautet ’Tag eins’, also immer den Zauber und Enthusiasmus aufs Feld zu bringen, als ob wir zum ersten Mal spielen. Unser Spiel-Deal baut auf die letzte Saison auf. Da hieß es ’schneller’. Jetzt heißt er ’schneller’ und ’no easy balls’, dem Gegner also keinen leichten Ball zu ermöglichen. Es ist wie ein Werkzeugkasten, in den wir immer neue Werkzeuge legen.

Zur Person: Jakob Schönhagen ist Doktorand am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Uni Freiburg. Der Rottenburger stand vor seinem Engagement als Trainer sieben Jahre lang als Libero für die FT 1844 auf dem Feld.