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20. September 2017

Vom Alltag inspiriert

Die A-cappella-Gruppe Unduzo stellt im Freiburger E-Werk ihr neues Album "Schweigen Silber, Reden Gold" vor.

  1. A cappella ohne Nostalgie: Unduzo Foto: Pascal Jesser

Unduzo – der Name erinnert spontan an ein griechisches Kultgetränk. Doch dahinter verbirgt sich kein Anisschnaps, sondern vielmehr die fünfköpfige Freiburger A-cappella-Gruppe, die es allerdings ebenfalls in sich hat, nämlich musikalisch. Wofür sie bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2016. Jetzt bringen Patrick Heil, Linda Jesse, Julian Knörzer, Richard Leisegang und Cornelius Mack ihre dritte CD heraus. Der Titel: "Schweigen Silber, Reden Gold."

Nicht in die Irre führen lassen sollte man sich ebenfalls beim Blick auf das nostalgisch gestaltete Cover, das von einem Röhrenradio mit goldenen Knöpfen dominiert wird. Mit dem A-cappella-Stil jener Zeit haben die ehemaligen Studenten der Freiburger Musikhochschule und ihre 2013 hinzugestoßene Sängerin in etwa so viel zu tun wie ein Gangsta-Rapper mit den Fischer-Chören. Frisch, frech, modern und selbstbewusst, getreu dem Motto "Eine neue Zeit" kommen sie auf ihrer neuen CD mit ausgefeilten und vielseitigen Poparrangements daher, vom Mezzosopran bis zum Bass sind alle Stimmen professionell aufeinander abgestimmt. Und es ist nichts gecovert oder von anderen Musikern übernommen.

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Die Ideen für die Songtexte sind laut Unduzo vom Alltag inspiriert. Da blüht der Hausverwalter zum großen Macker auf, wenn er bei der Kehrwoche Wache hält, rockigere Töne schwingen beim – nicht ganz jugendfreien – "Gigolo" mit, der sich auf dem Motorrad zu seinen Eroberungstouren aufmacht. Und wenn sich "Superman" in seinen ungebügelten "Super-Umhang" schwingt, um die Welt zu retten, dürfen schon mal die Fanfaren schmettern, im Falle der Vokalisten im wahrsten Sinne aus voller Kehle. Die elf Tracks des Albums sind überwiegend witzig bis ironisch und verbreiten eine heitere Grundstimmung, in die sich jedoch auch melancholische Töne mischen. So macht sich Unduzo in der Ballade "Der Astronaut" in die unendlichen hallenden Weiten des Alls auf, um die Welt von oben zu betrachten.

Doch jeder kommt mal wieder runter ins "Jammerland", ein Song, der die Befindlichkeiten der Deutschen auf die Schippe nimmt und in dem kein Blatt vor den Mund genommen wird. Ob Klima, zu wenig Lohn oder Flüchtlinge – in schönster Stammtischmanier wird gemeckert und genörgelt, was das Zeug hält. Fast schon beruhigend, dass wenigstens das verspielte "Liebe Lied" (nein, kein Liebeslied) keinem etwas tut.

Seit 2009 stehen Unduzo mit ihrer Mischung aus Gesang und Comedy auf der Bühne. Wobei stehen nicht ganz der richtige Ausdruck dafür ist, was die fünf bei Konzerten zeigen. Die Choreographie des Ensembles geht über reines Fingerschnippen und mit den Hüften wackeln weit hinaus – was wiederum der ausgebildeten Musicaldarstellerin Linda Jesse zu verdanken ist, die das Sagen in Sachen Körpereinsatz hat.

Geräusche täuschend echt nachzuahmen, kann das Ensemble ebenfalls hervorragend – ob Windböen, Düsenjets oder Feuerwehrautos. Wie sich eine Elchgeburt oder liebestolle Hasen anhören, wird allerdings weiter ein Geheimnis bleiben. Stimmungsfördernde Beiträge dieser und anderer Art sucht man auf der silbernen Scheibe allerdings vergebens, die machen nur live so richtig Laune, wenn das Publikum als Soundeffekt mit einbezogen werden kann. So oder so: Wenn Unduzo loslegt, wird man zeitweise den Eindruck nicht los, als hätte das Ensemble ein ganzes Arsenal an Percussion und Schlagzeugen im Einsatz. Ein akustischer Irrtum – die Drums kommen von Beatboxer Julian Knörzer. Die Dosis und die Mischung machen es eben. Nicht nur bei Anisspirituosen.

Unduzo: "Schweigen Silber, Reden Gold" (Unduzo A-cappella), erhältlich ab 30. Sept.. Konzerte: Freiburg, E-Werk, Fr, 29., und Sa, 30. September, jeweils 20 Uhr.

Autor: Ute Wehrle