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18. Dezember 2008

Vom Fliegen für das Leben lernen

Dokumentarfilm: In "Reise zum Horizont" geht es ums Gleitschirmfliegen, um Leidenschaft und um Freundschaft

  1. Reise zum Horizont, Kinofilm Foto: privat

So was nennt man einen Paukenschlag: Ausverkauft! Und das am Sonntagmorgen. Bis auf den letzten Platz besetzt war der größte Saal im Friedrichsbau, als Michael Wiedemann seine neue Reihe "Für Sie entdeckt" mit vielversprechenden Filmen junger Filmemacher startete. Den Auftakt machte "Reise zum Horizont", ein Dokumentarfilm über das Gleitschirmfliegen, über euphorisches Abheben und unsanftes Landen, über Leidenschaft und Freundschaft. Und ein Film über die Weltklassepilotin Ewa Wisnierska, 35 Jahre alt, und ihre Flugschülerin Dörte Schwarz, 69 Jahre alt.

Zwei sehr unterschiedliche Frauen, sollte man meinen. Regisseur Thomas Latzel, seit rund fünf Jahren selbst passionierter Gleitschirmflieger, begleitet die beiden 106 Minuten lang zu Wettkämpfen verschiedenster Art: zu den Weltcup-Stationen der Profifliegerin, zu den Übungshängen der Flugschülerin. Aber auch bei den Kämpfen, die die beiden Frauen mit ihrem eigenen Ehrgeiz auszutragen haben, ist die Kamera mit dabei, diskret, genau beobachtend, sich viel Zeit lassend. Und siehe da: Durchs Kameraauge betrachtet, sind sich die beiden Frauen doch sehr ähnlich – Ewa mit ihrem attraktiven jungen Gesicht und Dörte mit ihrem schönen alten.

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Ewa, in Polen aufgewachsen, entdeckte in Deutschland das Gleitschirmfliegen, ihr Weg an die Spitze der internationalen Top-Piloten war kurz und steil, ihr Ehrgeiz nicht immer gesund. Das zeigt der Film, als Ewa 2007 in Australien bei einem leichtsinnigen Trainingsflug zur Weltmeisterschaft von einem Gewitter nach oben gesogen wird, in der Todeszone die Besinnung verliert und nach anderthalb Stunden wie durch ein Wunder fast unverletzt landen kann. Die Geschichte geht um die Welt, Ewa aber kommt erstmals an ihre Grenzen.

Dörte Schwarz dagegen, die sich ihr Leben lang um die Kinder und ihren schwer behinderten Lebensgefährten gekümmert hatte, will nun, als Dame von 69 Jahren, Grenzen verschieben: Sie lernt Gleitschirmfliegen. Unbedingt und unter allen Umständen. Aber auch sie muss lernen, dass sie trotz allen Ehrgeizes manchmal unsanft landet, statt hoch zu fliegen. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch so ehrgeizig bin", sagt sie einmal und schüttelt den Kopf über sich selbst.

So wird der Film mit seinen schönen Bildern zur Parabel, wie man vom Fliegen für das Leben lernen kann. "Ich weiß jetzt, dass eine Niederlage ein Gewinn sein kann", sagte Ewa Wisnierska, die mit dem Regisseur nach Freiburg gekommen war. Begeisterter Applaus des Publikums für diese Erkenntnis.
– "Reise zum Horizont" (Regie: Thomas Latzel) läuft in Freiburg in der Sonntagsmatinee im Friedrichsbau.

Autor: Simone Lutz