Von Gier, Eitelkeit und Zorn

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Sa, 07. Oktober 2017

Freiamt

Janine Machiedo und Fabian Stuhler stellen Fotografien und Objekte im Kurhaus Freiamt aus.

FREIAMT. Die Kunstausstellungen im Freiämter Kurhaus sind immer für eine Überraschung gut. "Wir freuen uns über eine möglichst große Vielfalt an Stilen und Medien, und sind selbst immer wieder über die Kreativität und den Reichtum der ausgestellten Werke überrascht", sagte Bürgermeisterin Reinbold-Mench. Zum Beispiel von den Fotografien von Janine Machiedo und die Holzarbeiten ihres Partners, Fabian Stuhler.

Zugegeben, Fabian Stuhlers Reliefs, Spiegel- und Bilderrahmen aus Holz, organisch verspielt und immer haptisch ansprechend, haben es bei dieser Ausstellung schwer. Zu dominierend ist der Bilderreichtum von Janine Machiedo. Die gebürtige Freiburgerin, vor ein paar Jahren mit ihrem Partner in Rheinhausen gelandet, wo sie gemeinsam ein Haus restaurieren, versteht sich nicht "als Fotografin, die mit Licht zeichnet oder den Moment einfängt". Machiedo konzipiert Bilder, inszeniert Realitäten, erzählt Geschichten. Der Bearbeitung der Aufnahmen am Computer kommt dabei eine mindestens gleichwertige Rolle zu. "Ich mag diese glatten perfekten Bilder nicht, ich möchte Strukturen sehen, Spuren auf den Oberflächen", erzählte die 33-Jährige Perfektionistin, die eine Aufnahme auch mal 50 Mal wiederholt, bis sie damit zufrieden ist.

In ihren mitunter komplexen und anspielungsreichen Tableaus inszeniert sie sich meist als ihr eigenes Model. Der kommerziellen Verwertung nicht unbedingt abgeneigt, immer aber eigen, lebendig und überraschend. Das alte, noch zu renovierende Haus, in deren Anbau sie mit ihrer Familie lebt, bietet dazu spannende Perspektiven und Hintergründe, von hohen Räumen mit bröckelndem Putz bis zu grünen Badezimmerkacheln der siebziger Jahren. "Hier haben wir auch viele Requisiten für meine Bilder gefunden", so Machiedo. Mit Photoshop werden verschiedene Ebenen übereinander collagiert, und damit die Gesetze der Schwerkraft und alle Einschränkungen der Realität aufgelöst. So entsteht ein Bildprogramm, das irgendwo zwischen Magritte und Cindy Sherman, zwischen Amanda Palmer und Tom Waits, den Nerv der Zeit trifft. Da schweben Goldfische um eine Träumerin im Bad, oder besagtes Haus türmt sich zehnfach vermehrt in einem Stein gewordenen Alptraum über dem Rumpf einer Frau. "Bei diesen Bildern muss man mehrfach hinsehen, immer entdeckt man neue Details", meinte auch Reinbold-Mench.

Besonders vielversprechend ist eine kleine Serie, die die sieben Todsünden zum Gegenstand hat. "Bei diesem Projekt hat sich eine Kunstfigur aufgedrängt, ich nenne sie Melinda Dolores. Sie hat inzwischen schon fast ein Eigenleben entwickelt", erzählte Machiedo. In Freiamt sind die rätselhafte "Gier", "die Eitelkeit" und der prächtige "Zorn" zu bewundern, Bilder, die geradezu danach schreien, auf Plattencovern abgebildet zu sein. Machiedos Bild "Die Erbsenzählerin" wird übrigens auf dem nächsten Fudder-Titelblatt zu sehen sein.

Bildideen von Janine Machiedos und Fabian Stuhlers Holzobjekte sind bis zum 27. Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr, bei freiem Eintritt im Kurhaus zu entdecken.