Von Gneisen, Graniten und Grauwacken

koe

Von koe

Di, 28. Juni 2016

Lenzkirch

Der Schwarzwaldverein Lenzkirch wanderte und informierte im Geopark über die Gesteine und Eiszeiten im Haslachtal .

LENZKIRCH (koe). Es ist ein eher unscheinbarer kleiner Waldweg, der unterhalb des Stadions an der Schliechtstraße abzweigt. Und doch bietet er viele Informationen über die Geologie im Haslachtal: Der seit 2006 bestehende Geopark war das Ziel einer fachkundlich geführten Sonntagswanderung rund um Lenzkirch, an der rund 40 Personen teilnahmen, darunter auch auswärtige Teilnehmer aus Freiburg und Villingen, wie Doris Vogel, die Vorsitzende der Ortsgruppe erklärte.

Auf einer Länge von etwa 100 Metern sind links und rechts neben dem Weg zahlreiche Steine aufgestellt, beschriftet und in Teilen geschliffen. Zusammen mit einer großen Schautafel erklären sie den Lenzkircher Untergrund und dessen Entstehung. Auch erfährt man, wie weit die Gletscher in der letzten Eiszeit vorstießen und was von ihnen zurückblieb. Nach vier Stunden Gehzeit und elf Kilometern Wanderstrecke bildete am Nachmittag ein gemütlicher Hock am 2010 errichteten Geopark-Pavillon den Abschluss. Steinmetz Werner Grüninger, auch stellvertretender Vorsitzender der Lenzkircher Gruppe des Schwarzwaldvereins, gab Auskunft über die Steine und Felsen und ihre Entstehung.

Weit zurück, nämlich zirka 350 Millionen Jahre muss man gehen, als sich im Erdaltertum eine Gneismasse über den östlichen Schwarzwald bis an das schwäbische Schichtstufenland schob. Aus dieser Zeit findet man rund um Lenzkirch noch alte Ozeanbruchstücke und Vulkanite, versteinerte Abdrücke von Fischen oder Schachtelhalmen, beispielsweise an den Felsen beim Silberbrünnele. Die Gesamtheit der Brüche, Schollen und Verwerfungen wird auch als Südschwarzwälder Hauptbewegungszone bezeichnet. Die Verwerfungen bei Lenzkirch erschließen Porphyre, Gneise und Grauwacken. Auch kommen insgesamt fünf Sorten Granite vor, von denen sich allerdings nur der Schluchseegranit bautechnisch etwa für Fensterbänke, Treppenstufen oder Grabsteine eignet.

Der so genannte Lenzkircher Graben entstand vor etwa 16 bis 7 Millionen Jahren und ist Teil des Bonndorfer Grabens, eines sich von Westen nach Osten erstreckenden tektonischen Grabensystems, auch genannt die Badenweiler-Lenzkircher-Zone, die sich weiter bis in den Hegau zieht. Und diese kann ihre vulkanische Herkunft nicht verleugnen, zeugen doch deren Ausgangs- beziehungsweise Endpunkte – Kaiserstuhl und Hegauberge – davon, dass es sich um eine aktive geologische Formation handelt und es daher immer noch zu Erdbeben kommen kann, wenngleich das letzte schwere Beben in der Region rund um Lenzkirch bereits über 100 Jahre zurückliegt.