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21. Juni 2012

Von Lahr aus nach Westafrika

Der neue Flugplatz-Betreiber Integeral plant neben anderen Aktivitäten die Gründung einer eigenen Frachtfluggesellschaft.

  1. Bei der Pressekonferenz, in der der neue Betreiber des Lahrer Flugplatzes vorgestellt wurde (von links): Axel Grossmann (Geschäftsführer der Black Forest Airport Gmbh), Tony Freudmann (neuer Geschäftsführer der Flugplatz Lahr GmbH), Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller und Markus Ibert von der IGZ Lahr. Foto: Stadt Lahr

LAHR. Die private Investmentgruppe Integeral mit Sitz in London übernimmt von Babcock & Brown die Mehrheitsanteile an der Flughafen Lahr GmbH, der Muttergesellschaft der Black Forest Airport Lahr GmbH. Das Geschäftsmodell, das der künftige Geschäftsführer der GmbH, Tony Freudmann, gestern in einer Pressekonferenz vorstellte, basiert auf drei Standbeinen: einer Luftfracht-Linie nach Westafrika, der Vermietung von Standplätzen für Flugzeuge und der Wartung von Flugzeugen.

Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller hatte sich für die Pressekonferenz extra seine "Kampf-Krawatte" angezogen, wie er sagte: ein rotes Exemplar mit – passend zum Anlass – vielen kleinen Flugzeugen darauf. "Ich ziehe diese Krawatte immer an, wenn ich glaube, dass es ein guter Tag wird", sagte er bei der Pressekonferenz. Und Müller ging davon aus, dass es guter Tag für Lahr ist: "Es ist ein sehr erfreuliches Ergebnis. Heute wird die Uhr wieder auf Null gestellt. Es geht voran."

Wie es vorangehen soll, das stellte Tony Freudmann vor. Generell befinde sich die Luftfahrtindustrie in einer außerordentlich schwierigen Phase: "Ich bin der Ansicht, dass die neuen Eigentümer einen Plan haben, der zu den Zeiten, wie sie gerade sind, gut passt." Der Engländer, der schon für den früheren Flugplatzbetreiber Wiggins Group arbeitete, nannte drei Standbeine, die zum wirtschaftlichen Erfolg führen sollen.

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Frachtflug: Die Integeral-Gruppe will eine eigene Fluggesellschaft mit Sitz in Lahr für den Güterverkehr von Europa nach Westafrika gründen. Nach dem Genehmigungs-Procedere soll das bis in zwei Jahren der Fall sein. Dass Westafrika als Ziel ausgewählt wurde, begründete Freudmann mit dem dortigen Wachstum von sechs bis acht Prozent im Jahr. Was transportiert werden soll, ließ er offen – "whatever the market wants". Das könnten Industriegüter, Pharmazeutika, aber auch alles andere sein, was die 250 Millionen Menschen in Westafrika nachfragten. Ein Passagierflugbetrieb wurde von den neuen Betreibern vorerst ausgeklammert – nicht nur, weil die dafür notwendige Lizenz fehlt, sondern weil sich laut Freudmann der Passagierflugmarkt in Europa in einer schwierigen Situation befinde: "It’s a really bad time". Ganz ausschließen wollte er auf Nachfrage einen Passagierflugbetrieb von Lahr aus nicht: "Es ist nichts ausgeschlossen."

Flugzeug-Parkplätze: Wie Tony Freudmann betonte, gibt es auf dem Markt eine deutliche Nachfrage nach Abstellmöglichkeiten für Flugzeuge. Das habe damit zu tun, dass einige Fluggesellschaften in jüngster Zeit Pleite gegangen sind und die Leasing-Firmen die Flugzeuge nun zwischenparken müssen, und daran, dass zum Beispiel Ryan Air im Winterhalbjahr einen Teil seiner Flotte stilllegt.

Flugzeug-Wartung: Aus dem Angebot von Flugzeug-Parkplätzen ergibt sich eine weitere Nutzungsmöglichkeit: die Wartung von Flugzeugen. Integeral hat laut Freudmann bereits Gespräche mit Leasing-Firmen geführt, in denen es um die Frage ging, ob in Lahr ein Verkaufszentrum für Gebraucht-Flugzeuge eingerichtet werden kann.

Die 26 Vollzeitbeschäftigten sowie sieben bis neun freie Mitarbeiter werden ihre Jobs behalten, ebenso wie Axel Grossmann, der weiterhin als Geschäftsführer der Black Forest Airport GmbH fungiert. Wie viele Menschen einmal auf dem Flugplatz eine neue Arbeit finden könnten, darüber wollten Freudmann und Grossmann nicht spekulieren. Beide machten deutlich, dass die weitere Entwicklung und die Investitionen von der Nachfrage abhängen. Damit, so Freudmann, kehrten die neuen Betreiber die bisherige Herangehensweise der Vorgänger um. Die Politik von Babcock & Brown sei nicht erfolgversprechend gewesen: "Sie hatten die Vision vom Passagierflugbetrieb – but they didn’t have a plan B."

Was Informationen über die Investmentgruppe Integeral anbelangt, hielt sich Tony Freudmann bei der Pressekonferenz deutlich zurück. Es gab von ihm keine Zahlen und keine Namen, sondern er verwies auf die Homepage http://integeral.eu Dort finden sich allerdings auch nicht all zu viele Informationen. Dieselbe Erfahrung hatte nach eigenen Worten OB Müller gemacht, der auf seine Nachfragen hin aus London die Antwort erhielt: "Wir machen keine Hochglanzbroschüren, dafür haben wir Finanzkraft und ein Konzept. Das habe ich akzeptiert." Eine abschließende Bewertung des Investments will das Stadtoberhaupt deshalb erst in zwei, drei Jahren vornehmen. Zunächst einmal zeigte er sich sehr zufrieden und erleichtert: "Seit 2009 arbeiten wir an dem Thema und seither sind wir nicht unwesentlich grauer geworden."

DAS ZITAT

"Man kann nicht erwarten, dass ein grüner Verkehrsminister die Glocke läuten lässt, wenn es um die Fliegerei geht."

OB Müller über die unerwartet positive Unterstützung durch Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann  

Autor: ch

Autor: Christian Kramberg