Von Todgeweihten und Verliebten

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Mi, 18. April 2018

Bad Krozingen

Beim Kammerkonzert im Bad Krozinger Kurhaus entführten Christian Wunsch, Zsolt Németh und László Fogorassy in die Romantik.

BAD KROZINGEN. Im Rahmen des 23. Mozartfestes gaben der Opernsänger Christian Wunsch sowie Zsolt Németh am Flügel und László Fogarassy an der Violine ein Kammerkonzert mit Konzertarien, Liedern und Balladen von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann und Carl Loewe. Mit feiner Technik und starkem Ausdrucksvermögen entführten die Künstler ihre Zuhörer in die Zeit der Romantik.

In Mozarts Konzertarie "Misero! O sogno, o son desto?" beschwören düstere Klavierakkorde und breiter Strich auf der Violine das düstere Szenario eines Gefängnisses herauf. Ausdrucksreich verleiht Sänger Christian Wunsch mit beweglichem, farbstarkem Tenor der Verzweiflung des Gefangenen seine eindrückliche Stimme. Die dramatische Begleitung unterstreicht mit häufigen Tempowechseln die Ausweglosigkeit der dargebotenen Szene. In dieser hoffnungslosen Situation lässt den Gefangenen allein der Gedanke an die unerreichbare Geliebte Trost schöpfen, in dem verzweifeltem Versuch, seinem Leiden einen Sinn zu geben.

Von der intensiven Leidenserfahrung eines Todgeweihten zu den emotional ebenfalls überwältigenden Erfahrungen eines jungen, unglücklich verliebten jungen Mannes wechselte der Tenor mit dem Liederzyklus "Dichterliebe" von Robert Schumann. Der gewandte Opernsänger ließ mit viel Ausdrucksvermögen den bei allem Herzeleid und schwärmerischem Übermaß auch leisen ironischen Unterton der nach Gedichten von Heinrich Heine komponierten Lieder nicht vermissen.

Instrumental verliehen der gesteigerten Emotionalität Ausdruck Zsolt Németh am Flügel und László Fogarassy an der Violine mit der Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 105 von Robert Schumann. Unter der Vortragsbezeichnung "Mit leidenschaftlichem Ausdruck" wechselte der international bekannte Geiger virtuos von lyrisch-süßem Schmelz zu aufwühlenden, gar wütenden Passagen. Die vielstimmige dramatische Klavierbegleitung unterstrich die ungestümen Gefühlsaufwallungen, denen Schumann bei der Komposition seiner Sonate ausgesetzt gewesen sein mag. Dem Komponisten gelang das Kunststück, dass die musikalische Gemengelage trotz aller Sprunghaftigkeit und Widersprüchlichkeit dennoch wie aus einem Guss erscheint.

Italienischen Esprit und einen skandinavischen Sinn für schwermütige Dramatik vereinte der norwegische Komponist Edvard Grieg in der Sonate für Violine und Klavier c-Moll op. 45. Romantisch verklärt, leidenschaftlich und von berückender Kantabilität präsentierten die Musiker die beiden Mittelsätze. Mit lyrischen Glanzlichtern, farbenfroher Ornamentik und virtuosen Kabinettstückchen in den Ecksätzen bewies Grieg auch in dieser Komposition seine einzigartige Meisterschaft in der für ihn typischen klangfarbenreichen Tonmalerei.

Mit drei literarisch anspruchsvollen Balladen des seinerzeit hoch geschätzten Sängers und Komponisten Carl Loewe vervollständigte das Ensemble den musikalischen Parforceritt in die Zeit der Romantik durch makellose Technik und einem reichen Ausdrucksvermögen.