Prohibition

Vor 100 Jahren verboten die USA den Alkoholkonsum

dpa

Von dpa

Di, 15. Januar 2019 um 20:00 Uhr

Panorama

Erbittert kämpfen Puritaner Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA gegen das Teufelszeug Alkohol und setzen sich 1919 schließlich durch.

Die Prohibition wird ratifiziert, Alkoholkonsum verboten. 13 trockene Jahre verändern die Vereinigten Staaten – allerdings anders als gedacht.
Dass der Alkoholkonsum sich im 19. Jahrhundert in den USA weit verbreitet hat, lag auch an deutschen Einwanderern. Sie hatten die Kunst des Bierbrauens mitgebracht, dazu kamen bessere Kühlmethoden und Transport per Eisenbahn. Aber je größer die Verbreitung, desto größer wurde auch der Widerstand: Vor allem religiöse Puritaner mit der alkoholfeindlichen Prohibition Party als politischem Arm bekämpften das Teufelszeug. Ihrem Druck wurde am heutigen Mittwoch vor genau 100 Jahren stattgegeben: Die Prohibition wurde als 18. Zusatz zur Verfassung ratifiziert. Ein Jahr später trat das Verbot der Herstellung, des Transports und des Konsums von Alkohol in Kraft.

Zuvor hatten bereits zahlreiche Bundesstaaten ihre eigenen Alkoholverbote erlassen. Ausnahmen gab es nur für religiöse und medizinische Zwecke, sie mussten dokumentiert und streng kontrolliert werden. Seit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 brauchte das Land seine Getreideproduktion auch dringend zur Nahrungsmittelversorgung – und die vielen deutschstämmigen Bierbrauer im Land konnten so an der Produktion gehindert werden.

Die Prohibition sollte das Land vor moralischem und sozialem Verfall schützen. "Im 19. Jahrhundert war Alkohol ein wirklich großes Problem in diesem Land", sagte Daniel Okrent, der ein Buch über die Prohibition geschrieben hat, jüngst dem Time-Magazin. "Er wirkte sich destruktiv auf das Familienleben aus. Männer versoffen das Geld, tranken so viel, dass sie nicht arbeiten konnten, schlugen ihre Ehefrauen, missbrauchten ihre Kinder. Das hat die Bewegung gegen den Alkohol losgetreten."

Aber eine Nation mit damals bereits mehr als 100 Millionen Menschen ließ sich nicht so einfach trockenlegen. Vielerorts waren vorsorglich Vorräte angelegt worden, die Preise für heimlich erworbenen Alkohol stiegen und stiegen. Der Alkoholkonsum sei zu Beginn der Prohibition um schätzungsweise etwa 30 Prozent gefallen und dann immer weiter angestiegen, sagt Daniel Okrent.

Die Prohibition veränderte die USA nachhaltig – aber nicht so wie von den Puritanern erhofft. In erster Linie profitierten Gangster und Schmuggler, die die illegale Alkoholversorgung des Landes sicherstellten. Die Korruption und der Schwarzmarkt mit seinen geheimen Trinkstuben, Speakeasys genannt, brummten. Gangster wie Lucky Luciano, Meyer Lansky, Frank Costello und Al Capone machten Karriere. Und das Trinkverhalten veränderte sich: Hatten Männer und Frauen früher meist getrennt voneinander getrunken, feierten sie in den Speakeasys nun gemeinsam.

Der Widerstand gegen die Prohibition wuchs in der Bevölkerung. Angesichts der steigenden Kriminalität und Korruption auch in der Politik. Am 5. Dezember 1933 – nach rund 13 Jahren Trockenheit – hob der Kongress die Prohibition in den USA wieder auf. Aufgrund der Wirtschaftskrise wurden dringend Einnahmen aus der Alkoholsteuer gebraucht.

Spuren hat die Prohibition in den USA aber bis heute hinterlassen. Immer noch gibt es beispielsweise in einigen Bundesstaaten sogenannte "Dry Counties", trockene Bezirke, in denen kein Alkohol verkauft werden darf. "Die große Ironie der Aufhebung der Prohibition ist, dass es danach schwieriger wurde zu trinken", sagt Experte Okrent. Während der Prohibition habe man einfach nur in ein Speakeasy gehen oder jemanden bestechen müssen. Danach aber seien zahlreiche Kontrollen und Beschränkungen wie ein Mindestalter eingeführt worden. Speakeasys sind inzwischen zurück. Sie gelten in den Großstädten der USA wieder als schicke Ausgehorte, versteckt in Kellern, mit Alkohol aus Tassen und geheimen Passwörtern am Einlass. Das sei allerdings während der Prohibition anders gewesen, sagt Okrent. "Der Mythos der Speakeasy-Kultur ist ein Produkt aus Hollywood und nicht aus der Prohibition."
Puritaner

Ursprünglich wollten Puritaner die Kirche in England reformieren, Prunk und Priestergewänder abschaffen. Ab dem 17. Jahrhundert wurden sie verfolgt. Viele von ihnen wanderten als sogenannte "Pilgerväter" nach Nordamerika aus. Dort gaben sie religiös den Ton an und beeinflussten die USA politisch. Ihre Tugenden: Fleiß, Ehrgeiz, Streben nach Erfolg. Der Soziologe Max Weber stellte die These auf, dass Puritaner maßgeblich an der Entstehung des modernen Kapitalismus beteiligt waren.