Freiburger Innenstadt

Vor lauter Müll ist auf dem Platz der Alten Synagoge jeden Montag Großputz

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mo, 16. Juli 2018 um 19:05 Uhr

Freiburg

Jedes Wochenende werden die Sitzpodeste auf dem Platz der Alten Synagoge so verdreckt, dass die Freiburger Stadtreinigung Extraschichten machen muss. Das wird teuer – wird es am Rotteckring ähnlich?

Die Podeste auf dem Platz der Alten Synagoge werden ab sofort jede Woche gründlich gereinigt. Die Verschmutzung ist zu groß. Am Montag ging der Auftrag an die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg. Damit steigt der Reinigungsaufwand laut ASF auf etwa 145 000 Euro im Jahr. Sie prophezeit, dass auch der Rotteckring ein teureres Pflaster wird.

Zwei Tage dauerte die Reinigung – montags ist der Müll zurück

Michael Broglin schaut sich ein Holzpodest an und fragt, ob alles vom Wochenende ist. Sein Einsatzleiter nickt. "Aber da steckt ja Müll drin ohne Ende", entfährt es dem ASF-Chef. Broglin ist einiges gewohnt, aber am Montagmorgen kurz fassungslos. Letzte Woche war alles blitzblank, zwei Mann hatten zwei Tage lang die vier Podeste und die Fläche davor mit Hochdruckreiniger und Bürstchen gewienert. Sie hatten Edding-Gekritzel, Graffiti und das Wachs entfernt, das Skater zum Gleiten auf die Kanten reiben, Müll und Kronkorken zwischen den Dielen rausgezogen – mit einem extra angefertigten Krummeisen. "Das kriegt man sonst gar nicht raus", sagt Dirk Gabel. Der Platz macht dem Einsatzleiter graue Haare. "Er beschäftigt mich täglich."

Jeden Montag aufs Neue: Bierflecken, Pommes, Kaugummis

Am Montag ist Freiburgs neue Mitte wieder schmutzig, es finden sich Flecken von Bier und Wein, Kaugummis, Reste von Pommes und Ketchup, Kronkorken, Wachs und in der schmalen Lücke zwischen Baum und Dielen Müll. Eine Frau sucht sich eine weniger verschmutzte Stelle und setzt sich in die Sonne.

So sieht es nach einem normalen Wochenende aus, sagt Gabel. Manches ist der allgemeinen Nutzung geschuldet, das Vermüllen jedoch mutwillig, meint Broglin. Das Garten- und Tiefbauamt hat die ASF jetzt mit einem Grundputz der Podeste jeden Montag beauftragt. Das ist zumindest in der Hochsaison nötig, sagt Broglin. 800 bis 1000 Euro koste das pro Woche, alles Handarbeit.

"Der Platz wird deutlich mehr genutzt, als wir zu hoffen gewagt hatten, das geht mit negativen Begleiterscheinungen einher." Stadtsprecher Toni Klein

Die Zusatzkosten verhandeln ASF und Rathaus noch, erklärt Stadtsprecher Toni Klein. Bisher steht der Umfang der Reinigung im Vertrag, aber kein extra Betrag für den Platz. "Es ist mehr als gedacht", sagt Klein jedoch. Und zur Frage, ob die Stadt das Thema unterschätzt hat: "Der Platz wird deutlich mehr genutzt, als wir zu hoffen gewagt hatten, das geht mit negativen Begleiterscheinungen einher."

"Steambeast" versucht, dem Dreck beizukommen

Hinter Broglin zieht das Steambeast seine Runden, er ist mit dem 320 000 Euro teuren Dampfreiniger, den er für den hellen Boden anschaffte, zufrieden. Broglin schaut zum Rotteckring, wo gerade gepflastert wird, und sagt: "Der Reinigungsaufwand wird auch deutlich höher." Auch das Garten- und Tiefbauamt hat mehr zu tun. Eigentlich wollte es die Podestdielen alle zwei Jahre aufschrauben, um darunter sauber zu machen, doch es musste schon öfter ran: zwei Smartphones, ein Ausweis und ein Schlüssel waren zwischen die Dielen gerutscht.
Info

Wem Wertgegenstände ins Podest fallen, kann unter der Nummer 0761/201-4601 oder -4711 anrufen.