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05. Februar 2010 08:38 Uhr
Glosse
Vorerst gilt die Vollidiotenregelung
Niklas Arnegger legt den Autofahrern nahe, bei passender Gelegenheit den Blinker einzusetzen.
Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung lautet: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Jeder Verkehrsteilnehmer hat jederzeit damit zu rechnen, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer Vollidioten sind." Sich daran immer mal wieder zu zu erinnern, erspart dem Autofahrer viel Verdruss.
Konkret: Der ADAC hat das Blinkverhalten untersucht. Ergebnis: 18 Prozent der Autofahrer biegen ohne zu blinken von einer Kreuzung ab, 40 Prozent verlassen blinkfrei den Kreisverkehr, 45 Prozent blinken beim Wechsel des Fahrstreifens nicht und 35 Prozent lassen Blinker Blinker sein, wenn sie auf der Autobahn die Spur wechseln. Dieser Befund entspricht voll und ganz dem Eindruck, den man täglich im Straßenverkehr gewinnt.
Deshalb jetzt mal ein paar Basisinformationen. In einfachen Sätzen. Damit es auch die in Paragraf 1 Genannten kapieren: In den meisten Autos befindet sich links neben dem Lenkrad ein Hebelchen. Links ist die Seite, auf der sich die Fahrertür befindet. Zieht man es nach oben, blinkt es auf der rechten Seite des Kraftfahrzeugs. Drückt man es nach unten, passiert Entsprechendes auf der linken Seite. Das Blinken zeigt den anderen Verkehrsteilnehmern, wohin man will. Es ist dies – außer der Hupe, welche dem gemeinen Autofahrer aber kein Warn-, sondern Erziehungsinstrument ist – eine der wenigen Möglichkeiten, anderen ein Signal zu geben. Im Verhältnis zur Masse und Geschwindigkeit des Automobils ist das primitiv. Aber viel mehr steht halt nicht zur Verfügung. Deshalb ist es durchaus nicht cool, sondern saudoof, auf das Blinken zu verzichten. Es dient nicht nur der Sicherheit und Gesundheit anderer, sondern bewahrt vielleicht sogar das eigene Leben. Und das ist den meisten Menschen immer noch relativ wichtig.
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Nun gibt es eine Reihe von Argumenten, die gegen das Blinken sprechen: Man kann nicht gut blinken und gleichzeitig das Handy ans Ohr halten und am Navi herumfummeln. Das lenkt ab, und eine Hand mindestens sollte schließlich das Lenkrad umfassen. Zweitens braucht der Blinker Strom, damit Sprit, und steigert so den Ausstoß von CO2. Drittens kann man den Standpunkt vertreten, man wisse selbst, wohin man wolle, und alle anderen gehe das nichts an. Viertens fehlte im Straßenverkehr das belebende Überraschungsmoment, wenn alle Teilnehmer Verstand und Blinker einschalteten.
Alles bedenkenswert, doch spricht auch manches für die alte Fahrlehrerregel: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker setzen, Spur wechseln. Bis dies alle kapiert haben, kann es aber noch dauern. Darum gilt vorerst noch die Vollidiotenregelung der Straßenverkehrsordnung.
Autor: Niklas Arnegger
