Fragen und Antworten

Wie stark steigen die Renten im Jahr 2019?

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Do, 08. November 2018 um 17:00 Uhr

Wirtschaft

Dank wachsender Beschäftigung und steigenden Löhnen werden auch die Renten zum Juli 2019 kräftig steigen. Das ist aber fürs Erste die letzte kräftige Erhöhung.

Wie stark steigen die Renten 2019?
Genau weiß noch niemand, wie stark die Löhne 2018 gestiegen sind, die endgültigen Zahlen liegen erst im Frühjahr vor. Es zeichnet sich aber ab, dass eine 3 vor dem Komma stehen wird. Zwischen 3 und 3,5 Prozent werde die Rentenanpassung in Westdeutschland betragen, sagte Annelie Buntenbach, die Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, am Dienstag in Würzburg. In Ostdeutschland fällt die Erhöhung um 0,7 Prozentpunkte höher aus. Dort sollen die Renten Schritt für Schritt an Westniveau angeglichen werden. Wer 1000 Euro Monatsrente brutto hat, kann also in Westdeutschland mit 30 bis 35 Euro mehr rechnen.

Wie geht es mit der Rente weiter?
Auf ganz lange Sicht erwartet die Bundesregierung eine jährliche Steigerung der Löhne um drei Prozent und der Renten um 2,5 Prozent. Das geht aus dem Rentenversicherungsbericht hervor, den die Regierung bald veröffentlichen wird. Die Zahlen zeigen, wie die Rentenerhöhungen seit den Reformen der frühen 2000er-Jahre systematisch hinter den Lohnsteigerungen zurückbleiben. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Bundesbürger immer länger leben und es wenig Nachwuchs gibt. Ob diese Zahlen realistisch sind, steht auf einem anderen Blatt. Seit 2003 wird in langfristigen Prognosen zur Rentenentwicklung stets unterstellt, dass die Löhne um drei Prozent im Jahr steigen und die Renten dem folgen – wenn auch langsamer.

Wie sieht es in näherer Zukunft aus?
Da müssen die Rentner voraussichtlich mit geringeren Zuwächsen vorliebnehmen. Das hat paradoxerweise damit zu tun, dass die Große Koalition den Rentnern Gutes tun will. Am heutigen Donnerstag beschließt der Bundestag ein ganzes Paket von Änderungen. Zentraler Punkt ist, dass das Rentenniveau bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken und der Beitragssatz nicht über 20 Prozent vom Bruttolohn steigen soll.

Was ist das Rentenniveau?
Eine Rechengröße, es hat nichts mit lebenden Rentnern zu tun. Das Rentenniveau stellt dar, wie viel Rente eine Person zu erwarten hat, die 45 Jahre lang genau so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer. Das Niveau gibt die Höhe der Rente (nach Abzug von Kranken- und Pflegekassenbeitrag) in Prozent des früheren Arbeitseinkommens an. Für den Einzelnen sind allerdings seine eigenen Beiträge zur Rentenversicherung maßgeblich für die Höhe seiner Rente.

Das Rentenniveau soll nach den Plänen der Bundesregierung bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Ihren Berechnungen nach würde es ohne das Rentenpaket 2024 auf 47,6 Prozent sinken, und 2025 auf 47,2 Prozent. Den Preis dafür zahlen Rentner, Steuerzahler und Beitragszahler. Die Beitragszahler – die heutigen Arbeitnehmer und Betriebe, die den Rentenbeitrag je zur Hälfte entrichten – kommen nicht in den Genuss einer Beitragssenkung. Eigentlich sind die Kassen der Rentenversicherung so voll, dass zum Januar 2019 der Beitrag von 18,6 auf 18,2 Prozent sinken könnte. Mit dem Rentenpaket bleibt es bei 18,6 Prozent. 2024 soll der Beitrag auf 19,9 Prozent, 2025 auf 20 Prozent vom Bruttolohn steigen. Der Bund zahlt einen höheren Zuschuss zur Rentenversicherung als vorgesehen. Die komplizierte Rentenformel bringt es mit sich, dass die Rentenanpassung 2020 um 0,9 Prozentpunkte geringer ausfällt als ohne die Reform. Wie es nach 2025 weitergeht, dazu soll eine Kommission im März 2020 Vorschläge machen.

Was bringt das Rentenpaket noch?
Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente. Künftig wird so getan, als habe jemand, der nicht mehr arbeiten kann, bis zum Alter von 65 Jahren und acht Monaten Rentenbeiträge gezahlt. Bisher waren es 62 Jahre und drei Monate. Grund für die Besserstellung ist, dass derzeit von 100 Altersrentnern drei auf Grundsicherung angewiesen sind, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Bei Erwerbsminderungsrentnern sind es 14 von 100. Allerdings gehen die Verbesserungen so weit, dass es sich für etliche ältere Arbeitnehmer lohnen kann, statt einer Altersrente mit Abschlägen eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Alexander Gunkel, der Arbeitgebervertreter im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund, sieht ein Gerechtigkeitsproblem. Wer nach 1. Januar 2019 eine Erwerbsminderungsrente bezieht, steht wesentlich besser da als jemand, dessen Rente im Dezember 2018 beginnt – ganz zu schweigen von jenen, die vor fünf Jahren erwerbsunfähig wurden. Rückwirkende Verbesserungen sind nicht geplant.

Was ist mit der Mütterrente?
Im Rentenpaket enthalten ist die von der CSU durchgesetzte Ausweitung der Mütterrente. Wer Kinder erzogen hat, die vor 1992 geboren wurden, bekommt im neuen Jahr 16,02 Euro im Monat mehr Rente. Das kostet nach Kalkulationen der Regierung 3,8 Milliarden Euro, die die Beitragszahler aufbringen müssen. So war es schon 2014 bei der damals beschlossenen Mütterrente. Wer im Januar neu in Rente geht, bekommt das Geld sofort. Für alle anderen Rentnerinnen wird der Betrag ab März in Schritten aus- und nachgezahlt. Auch bei der Mütterrente gibt es Aspekte, die zumindest Fragen aufwerfen. So haben auch Selbstständige wie Anwälte oder Architekten Anspruch darauf, dass ihre Erziehungsleistung gewürdigt wird. Nur: Selbstständige zahlen nicht in die Rentenkasse ein, deren Beitragszahler nun die Mütterrente finanzieren.