Schiesser, Trigema und Mey

Wäschehersteller trotzen dem widrigen Modemarkt

Annika Grah

Von Annika Grah (dpa)

So, 10. Februar 2019 um 16:44 Uhr

Wirtschaft

Die baden-württembergischen Textilproduzenten Schiesser, Trigema und Mey florieren, obwohl die Rahmenbedingungen schlecht sind.

Am Ende ging es auch ohne Wolfgang Joop. Eigentlich hatte der Potsdamer Modemacher dem Wäschehersteller Schiesser nach überstandener Insolvenz 2011 als Berater und Kreativdirektor zur Seite stehen wollen. Doch die Zusammenarbeit platzte. Schiesser kam zurück in die Erfolgsspur – auch mit dem Dauerbrenner Feinripp.

Vor zehn Jahren – am 9. Februar 2009 – hatte die Traditionsfirma aus Radolfzell am Bodensee Insolvenz angemeldet. Nach anderthalb Jahren galt das Unternehmen als saniert, 2012 wurde ein Börsengang abgesagt und der israelische Konzern Delta Galil übernahm die Firma. Seitdem geht es mit Schiesser bergauf - und das ist kein Einzelfall: Auch andere Wäschehersteller aus Baden-Württemberg sind im Aufwind. Mey und Trigema – beide noch in Familienhand – verzeichnen seit Jahren wachsende Umsätze.

Dabei ist das Umfeld nicht einfach. "Der Markt für Wäsche war in den vergangenen Jahren relativ stabil, 2018 eher leicht rückläufig", sagt Richard Federowski von der Unternehmensberatung Roland Berger. "Mode als Differenzierungsmerkmal funktioniert nicht mehr wie früher." Unterwäsche hat es da noch einmal schwerer. Denn was drunter getragen wird, sieht man nicht.Hinzu kommt neue Konkurrenz: "Große vertikale Modeketten wie H&M oder Primark haben viele klassische Wäschelieferanten teilweise ersetzt", sagt Federowski. Die verlangen niedrigere Preise und sind oft moderner als die klassischen Hersteller. "Das Lizenzgeschäft wird somit für Hersteller immer schwieriger."

Geschäft mit Lizenzen war nicht erfolgreich

Das Geschäft mit Lizenzen, bei dem Hersteller ihre Produkte für andere Marken hergeben, hatte Schiesser damals seine Probleme eingebrockt: Die finanzielle Schieflage war vor allem durch unrentable Lizenzfertigung für Marken wie Puma oder Tommy Hilfiger entstanden. Hinzu kam die Kreditklemme in der Finanzkrise. Seinerzeit habe die notwendige Anschlussfinanzierung nicht sichergestellt werden können, heißt es von Schiesser-Chef Andreas Lindemann.

Heute setzt Schiesser auf eigene Läden. So wie Konkurrent Trigema. Dessen Chef Wolfgang Grupp erklärt, warum er den Handel inzwischen lieber selbst in die Hand nimmt: "In den vergangenen Jahrzehnten haben wir drei Mal große Kunden ausgetauscht, zuerst die Kaufhaus- und Versandhauskönige, dann SB-Warenhäuser und dann zum Schluss die Discounter." Dann habe er erkennen müssen, dass er auch als Produzent einen Teil des Handels übernehmen müsse, um nicht in totale Abhängigkeit von Großkunden zu kommen.

Trigema beliefert auch Bosch

Gut zwei Drittel der Trigema-Wäsche vertreibt er nun selbst – in eigenen Läden und online. Der Rest geht an Handel und Industrie. "Kunden wie Bosch bestellen bei Trigema Shirts für die Mitarbeiter für besondere Anlässe." Gefertigt wird mit 1200 Mitarbeitern nach wie vor in Baden-Württemberg. Das bringe vor allem eines, so Grupp: Flexibilität. "Denn wer die Produktion kontrolliert, kann schnell auf neue Trends reagieren." Diesen Vorteil hat man auch beim Wäschehersteller Mey in Albstadt gemacht. Zwar lässt Mey im Gegensatz zu Trigema auch im europäischen Ausland nähen. Doch 150 Näherinnen beschäftigt Mey nach wie vor in Baden-Württemberg. "Wir können damit schneller reagieren", sagt Geschäftsführer Matthias Mey.

Mey hat entschieden, den Kostenwettbewerb nicht mitzumachen, sondern auf Qualität zu setzen. 85 Prozent der Stoffe werden selbst hergestellt, eingesetzt wird beispielsweise handgepflückte Baumwolle aus Peru. Nach Einschätzung des Modeexperten Federowski der richtige Weg: "Nur Hersteller und Retailer, die auf Innovation und besondere Produkte setzen, können sich von den Wettbewerbern abheben", sagt der Berater. Dabei macht man sich bei Mey keine Illusionen: 2018 wurden zum Firmenjubiläum T-Shirts verkauft mit den Porträts von Mey-Mitarbeitern – der Preis konnte frei gewählt werden, der Erlös wurde gespendet. "Es war erschreckend zu sehen, wie wenig die Leute bezahlt haben", sagt Mey. Trotzdem schaffte man es, in den vergangenen acht Jahren den Umsatz um fast die Hälfte auf 97,4 Millionen Euro zu steigern.