Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Juni 2010 12:50 Uhr
Ausbildungsplätze
1,5 Lehrstellen für jeden Bewerber im Elztal
Mit Stand vom Dienstag gibt es derzeit im Elztal noch 108 offene, bei der Agentur für Arbeit gemeldete Ausbildungsstellen für junge Leute für das im September beginnende neue Ausbildungsjahr und auch schon für 2011. Dem gegenüber stehen noch etwa 80 Bewerber im Tal.
ELZTAL. Wer sich unter http://www.arbeitsagentur.de ins Internet einklickt und dort in der Jobbörse die Orte im Elztal und Simonswäldertal nach Ausbildungsangeboten absucht, der staunt wahrscheinlich über die Vielfalt der dort aufgelisteten Stellen, auch bei renommierten Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen unseres Gebietes. Durch Aktivitäten des Arbeitgeberservices, der in der Geschäftsstelle Waldkirch der Agentur für Arbeit mit drei Mitarbeitern Präsenz zeigt, sei es gelungen, seit Jahresbeginn 236 Ausbildungsstellen in die "Jobbörse" aufzunehmen. Das ist fast ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr, stellt Alexander Schweizer, Leiter der Geschäftsstelle, fest.
Zugleich haben sich trotz konkurrierender Anbieter für die Ausbildungsplatzvermittlung 215 Jugendliche bei ihrer Suche an die Arbeitsagentur gewandt (35,2 Prozent mehr als 2009). Der Großteil der Bewerber für das im September beginnende neue Ausbildungsjahr ist bereits versorgt, aber zusammen mit den Berufsberatern der Arbeitsagentur werden weitere Anstrengungen unternommen, um auch für weitere Unternehmen den richtigen Azubi zu finden beziehungsweise den jungen Bewerbern den Weg in die berufliche Zukunft aufzuzeigen.
Werbung
Derzeit im Elztal noch unbesetzt sind vor allem Stellen in Fertigungsberufen (70, Stand Ende Mai) und Dienstleistungsberufen (52). Schlosser, Mechaniker, Feinblechner, Installateure, Maurer, Raumausstatter, Tischler und Elektriker werden ebenso gesucht wie Auszubildende für Ernährungsberufe (Köche, Bäcker). Noch nicht abschließend besetzt sind auch zwei Lehrstellen zum Orgel- oder Pfeifenbauer. Diverse Ausbildungsstellen für Warenkaufleute und Bürojobs harren noch ihrer Besetzung. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind – allein im Elztal und in Simonswald – noch 16 Stellen für Gästebetreuer frei. Sogar Bachelor-of-Arts-Studiengänge sind noch zu haben.
Erfreulich findet Alexander Schweizer dabei den Trend, dass Hauptschüler mit guten Noten im Tal mindestens ebenso gute Chancen haben wie Realschüler. Hier zahlen sich insbesondere auch die Kooperationen der Schulen mit Unternehmen aus, die nun gern auf Schüler zurückgreifen, die sie aus Praktika kennen. Positiv wirken auch gesellschaftliches, soziales Engagement oder Hobbys, die vielleicht Fertigkeiten mit sich bringen, die im Beruf gebraucht werden. "Dann treten die Noten manchmal sogar in den Hintergrund", so Schweizer.
Zu bemerken seien aber auch immer weiter steigende Anforderungen an den Intellekt der jungen Leute – und diesen seien sie, und zwar ganz gleich welchen Bildungsabschluss sie vorweisen können, oft nicht gewachsen. Aber selbst ein Automechaniker – heute Mechatroniker – muss heute nicht nur handwerkliches Geschick mitbringen, sondern auch Köpfchen. Auch wer Winzer werden will, muss das Abi in der Tasche haben.
Bei den Jugendlichen selbst sehen Schweizer und die Berufsberater oft Vorbehalte gegen "ölige Hände", also vermeintlich schmutzige Berufe, und von Jugendlichen als uncool angesehene Arbeitszeiten.
Das Stellenangebot ist – weil Firmen schon dem Fachkräftemangel der kommenden Jahre entgegen wirken wollen – in diesem Jahr recht umfangreich: Rechnerisch kommen derzeit auf einen Bewerber im Elztal 1,5 Stellen (in Emmendingen 0,7). Einige Bewerber aus dem Tal, insbesondere die mit höheren Bildungsabschlüssen, zieht es wegen speziellerer Vorstellungen zum Beruf auch gern mal aus dem "Zweitälerland" hinaus. Umgekehrt, sagt Schweizer, sei es eher schwierig, einen Freiburger für eine Ausbildungsstelle im Elztal zu begeistern. "Manche müssen dann erstmal gucken, wo Waldkirch eigentlich liegt."
Autor: Sylvia Timm
