Erst großes Können erlaubt auch Klamauk

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Di, 12. April 2016

Waldkirch

Die Musikakrobaten Gogol und Mäx begeisterten in der Festhalle Kollnau / Das Jugendblasorchester ist den Überraschungen der beiden bestens gewachsen.

WALDKIRCH. Am Samstag traf das "Concerto grande" des Jugendblasorchesters auf die vielen "Piano solo" von Gogol und Mäx. Das Publikum war nicht nur von den musikalischen Darbietungen des 125 Jahre alten Jugendblasorchesters begeistert, sondern auch von der humorvollen und witzigen Show der Musikkabarettisten.

Das Jugendblasorchester (JBO) ist das letzte verbliebene städtische Orchester und für viele Waldkircher Bürger ganz wichtig, begrüßte Musikschulleiter Stefan Goeritz die Zuhörer in der voll besetzten Festhalle Kollnau, denn im JBO haben viele stadtbekannte Musiker, wie Albert Bayer, ihre ersten Orchestererfahrungen gemacht. Bayer war in den 1950ern Mitglied des JBO. Dirigent Otfried Weis leitet das Orchester bereits seit 27 Jahren.

Die jungen Musiker starteten fulminant mit dem Tongemälde "Oregon" von Jacob de Haan, das die Zuhörer in den Staat Oregon im Nordwesten der USA entführt. Das Werk beschreibt eine Bahnfahrt durch die Landschaft und durch die Geschichte Oregons. Deutlich sind jagende Indianer wahrzunehmen, Cowboys auf Pferden, Goldgräber und Pferde mit Planwagen. Die Freude, mit der die jungen Musiker souverän und emotional die fröhliche und beschwingte Musik spielen, überträgt sich auf das Publikum, das bereits nach diesem ersten vorgestellten Werk in Begeisterungsstürme ausbricht. Das Jugendblasorchester bleibt auch beim zweiten Musikstück dem Komponisten Jacob de Haan und seinen plastischen Tongemälden treu. Grau, trostlos und bedrohlich beginnt "The saint and the city". "The City" ist die niederländische Stadt Zwolle, die von einem in den Gewässern lebenden Drachen bedroht wird. Der Drache hat schon mehrfach mit seinem Feueratem die Stadt zerstört. Die Trostlosigkeit, in der die Stadt durch die Bedrohung versinkt, ist durch die Musik greifbar. Doch dann mischen sich immer mehr sphärische helle Klänge in das graue Moll. Erzengel Michael ("The saint") erscheint in Form eines Ritters und köpft den Drachen. Das feierliche Dur, der Sieg über das Böse, gewinnt, so dass das Werk musikalisch mit der Freude über den Sieg und der Sonne, wie wieder alles in bunten Farben erstrahlen lässt, schließt. Nach diesen beiden Tongemälden wandte sich das JBO den Filmmusiken zu. Es folgten Highlights aus "James Bond 007", arrangiert von Johan de Meij, "Pink Panther", "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" und "Charles Chaplin".

Bei "Pink Panther" hielten es die beiden Musikakrobaten Gogol und Mäx hinter der Bühne nicht mehr aus. Mäx kam auf die Bühne und spielte auf seiner Trompete als Solist mit. Mit Mühe schaffte es Gogol, Mäx wieder von der Bühne zu locken. Doch als bei "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" Valentin Heib auf seiner Soloflöte spielte, gab es für Gogol und Mäx kein Halten mehr. Beide kamen mit ähnlichen Flöten auf die Bühne und schimpften und schnatterten musikalisch, dass es eine Freude war, zuzuhören. Bei "Charles Chaplin" setzten Gogol und Mäx noch eins drauf: Mit einem ewig lang anhaltenden Ton veranlasste Mäx dann Otfried Weis, seinen Platz am Dirigentenpult zu verlassen. Mäx nahm den Taktstock und dirigierte. Souverän spielten die jungen Musiker weiter, als ob nichts geschehen wäre. Dann übernahm Gogol den Taktstock. Doch das Orchester reagierte nicht auf sein Dirigat. Ununterbrochen spielten sie dieselben zwei Takte Musik. Gogol haderte mit den Notenblättern, das Publikum lachte. Erst als Weis wieder den Taktstock übernahm, brachte das JBO das Werk zum Abschluss.

Bei diesen mehrfachen schalkhaften Unterbrechungen zeigten die jungen Musiker, dass sie sich durch Unerwartetes nicht aus der Ruhe bringen lassen und souverän musizieren. Lang anhaltender Applaus brandete den jungen Musikern entgegen. Die beiden Moderatoren Jana Weinreich und Yasin Sönmez dankten Weis für seine Geduld. "Wir können uns keinen besseren Lehrer vorstellen."

Nach einer Umbaupause hatten Gogol und Mäx die Bühne für sich allein. Mit musikalischer Kunstfertigkeit und akrobatischen Höchstleistungen stellten sie eine unvorstellbare Instrumentenvielfalt vor. Immer wieder begann "Maestro Gogol" am Klavier, als "Piano solo" angekündigte bekannte klassische Werke zu spielen, die Mäx mit humorvollen Aktionen konterkarierte und dabei auch mal Melodien von Kinder- und Volksliedern erklingen ließ. Dabei kamen neben Xylophon, Saxophon, Posaune und Glockenspiel auch ein Alphorn, eine "Stradivari metallica", ein Mini-Sousaphon und eine große Tuba zum Einsatz.

Fasziniert verfolgten die Zuschauer, wie Mäx auf einem Schlauch mit Trichter musizierte oder über zwei mit Schläuchen verbundenen Tuben einen Luftballon aufblies. Beeindruckt waren die Zuschauer aber auch von Gogols akrobatischen Leistungen. Mit einem rosa Tütü-Röckchen bekleidet, balancierte er auf einer zwei Meter über dem Boden angebrachten Stange oder auf einer großen liegenden Dose, während er Saxophon spielte. Währenddessen demontierte Mäx das Fußpedal des bereits hochkant stehenden Klaviers... Den Lachmuskeln der Zuschauer wurde keine Ruhe gegönnt. Frenetischer Applaus brandete den Musikakrobaten entgegen.

Am Sonntag folgte ein weiteres Konzert, ein Familienkonzert für Klein und Groß mit Gogol und Mäx, in der Festhalle Kollnau. Auch hier wurde viel gelacht und applaudiert.