Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
31. August 2010
"Asien ist ein starker Markt"
BZ-INTERVIEW mit Orgelbaumeister Wolfgang Brommer über die Geschäfte von Jäger & Brommer mit Ostasien.
-
Ein Modell der Kirche von 1910 in China, in welche die Jäger&Brommer-Orgel kommt, die gerade nach Fernost unterwegs ist. Foto: Frank Berno timm
-
Eine Delegation der evangelischen Christus-Kirche aus Qingdao besuchte die Werkstatt Jäger & Brommer und die Waldkircher Orgelstiftung. In Qingdao entsteht eine neue Kirche mit 6000 (!) Sitzplätzen. Dort wird eine Pfeifenorgel eingebaut, welche in Waldkirch gebaut werden soll. Foto: privat
Waldkirch. Dass Orgelbaumeister Wolfgang Brommer ein reisefreudiger Mensch ist, weiß man in der Kandelstadt. Demnächst macht er sich erneut auf den Weg nach China. BZ-Mitarbeiter Frank Berno Timm hat mit ihm über die Geschäfte der Orgelbauwerkstatt Jäger & Brommer mit China und Asien gesprochen.
BZ: Herr Brommer, sprechen Sie eigentlich Chinesisch?Wolfgang Brommer: Nur einige Worte. Nein, die Sprache kann ich nicht.
BZ: Derzeit ist ja ein Instrument, das hier in der Werkstatt entstanden ist, nach China unterwegs. Ist es die erste Orgel für China?
Brommer: Nein, es ist Opus 2. Schauen Sie mal an die Wand dort (Brommer deutet auf ein Foto) – in China entstehen im Moment viele sehr große Kirchen – der Bedarf an Instrumenten ist entsprechend.
BZ: Woher kommt denn eigentlich das chinesische Interesse an Orgeln aus Deutschland?
Brommer: Es gibt keinen einzigen Orgelbauer in China! Die ersten Instrumente hatten die Jesuiten im 17. Jahrhundert nach China gebracht, die haben nicht überlebt. Die letzten Instrumente wurden bis circa 1935 geliefert. Dann einzelne Instrumente ab 1966. Wir suchen heute ja auch einen Kooperationspartner und haben bisher noch keinen gefunden.
Werbung
Brommer: Der kommt aus Korea. Aber wir suchen wirklich einen chinesischen Auszubildenden – im Hinblick auf Service und Stimmung unserer Instrumente. Stellen Sie sich vor, wenn dort mal ein Konzert ist – wir können für die Stimmung der Orgel ja nicht extra nach China fliegen...
BZ: Welche Musik wird denn in China auf der Orgel gespielt ?
Brommer: Das, was wir auch kennen. Wir fühlen uns dort sofort heimisch im Gottesdienst – nur die Sprache verstehen wir nicht. Auch Johann Sebastian Bach ist dort ein großer Name – über seine Bedeutung muss ich Ihnen ja nichts erzählen.
Als ich zurückgekommen bin, sind fünf Chinesen mit mir gereist, sie wollten die hiesige Orgelwelt genauer kennen lernen und Deutschland bereisen.
Wolfgang Brommer
BZ: Wir wissen ja nicht, wie es um die christlichen Gemeinden in China steht. Gibt es viele ?
Brommer: Immer mehr! Neue Kirchen haben bis zu 5000 Sitzplätze und mehr. Es sind alle Konfessionen vertreten – europäische, amerikanische, koreanische Kirchen. Sie dürfen auf staatlichen Grundstücken bauen, sie zeigen – wie die Kirchen hier – soziales Engagement.
BZ: Ist es also ein wichtiger Markt für Sie?
Brommer: China gehört zu Asien. In Japan hat das Interesse an unseren Instrumenten angefangen, ist dann nach Korea und jetzt nach China weiter gegangen. Dort hat die Partei erkannt, dass Christen nicht schaden, sie werden hochoffiziell geduldet. Man hat erkannt: Wenn Menschen sich zusammentun, dann kommt auch was zustande.
BZ: Wie viele Orgeln haben Sie denn bisher nach Asien geliefert?
Brommer: Wir beschäftigen uns jetzt mit der neunten. Es ist ein starker Markt für die Zukunft – aber nicht allein. Wir sehen unsere Zukunft im eigenen Ländle, wollen auch hier bekannter werden und uns weiter einen guten Namen machen.
Autor: fbt


