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25. März 2009

Aufs eigene Herz hören

Alexander Finkel sprach Paulo Coelhos "Alchimist" in der Buchhandlung Augustiniok .

WALDKIRCH. Was fange ich mit meinem Leben an? Welche Menschen sind mir wichtig, inwieweit höre ich auf sie? Welches sind überhaupt die – im weitesten Sinne – Instanzen, die meinem Leben Sinn und Richtung geben? Diese, gewiss nicht neuen Fragen stehen im Zentrum von Paulo Coelhos "Der Alchimist" (1988). Der in Weimar lebende Schauspieler Alexander Finkel gastierte am vergangenen Donnerstag mit seiner, leicht bearbeiteten, Version in der Buchhandlung "Augustiniok" – dass ein paar Stühle leer blieben, mag an der zeitgleich abgelaufenen Podiumsdiskussion zur Waldkircher Schwimmbadzukunft gelegen haben.

Die Geschichte von Santiago, einem Schafhirten, der sein Leben aufgibt und dem wiederkehrenden Traum von einem Schatz folgt, mag manchem hier und dort etwas schwärmerisch, gar esoterisch vorkommen. Der von Oliver Dormanns zum Auftakt zitierte Einwand Coelhos aus einem Interview, der auf die Halbwirklichkeiten der Bankenwelt verwies, relativiert das nur teilweise – weil natürlich die Denk- und Lebenswelt des jeweiligen Lesers und Zuhörers nicht immer mit der an 1001 Nacht erinnernden Geschichtenwelt dieses Buches in Einklang zu bringen ist. Aber dennoch: Die Art und Weise, wie Alexander Finkel, orientalisch gewandet und vor einem auf dem Waldkircher Jahrmarkt erworbenen Tuch mit großem Sonnenmotiv Coelho erzählt, hat etwas Einnehmendes. Die verschiedenen Figuren werden überaus lebendig – hier und da wäre weniger Tempo vielleicht passend gewesen.

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Der Weg führt Santiago auf eine längere Reise mit vielen Gefahren und Schwierigkeiten bis an die ägyptischen Pyramiden. Der ursprünglich erwartete, wohl materielle Schatz ist dort nicht zu finden. Letztlich geht es Santiago um zwei andere, wichtige Schätze: Er trifft Fatima in einer Oase und verliebt sich in sie. Noch bedeutender, wichtiger ist sein Mut, Fatima zurückzulassen und seiner ursprünglichen Absicht, den Schatz zu finden, weiter zu folgen.

"Es gibt eine große Wahrheit in diesem Leben: Wenn Du etwas ganz fest willst, wird das ganze Universum darauf hinwirken, dass Du es bekommst." Der Satz des Königs von Salem, Melchisedek, ist Teil des Weltbilds, mit dem Coelho die Geschichte von Santiago umkleidet – dass die Stimme des Herzens letztlich Gottes Stimme sei, wird nicht jeder ohne weiteres unterschreiben können. Das ist aber kein Drama, auch dass Finkel sich ein Stück weit vom Original löste, ist unproblematisch.

Bücher auf eine solche Weise möglichen Lesern nahe zu bringen, ist eine schöne Idee. Gelegentlich bitte mehr derartige Abende.

Autor: Frank Berno Timm