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08. Juli 2010

Bemerkenswertes Niveau und zugleich erfrischend

Der Mandolinenverein Kollnau-Gutach spielte zugunsten der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde Kollnau, die eine neue Orgel anschaffen möchte.

  1. Konzentration am Instrument, hier an der Gitarre. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Manches in der Ökumene an der Basis scheint mit bemerkenswerter Geräuschlosigkeit zu funktionieren. Das große Orchester des Mandolinenvereins Kollnau-Gutach hätte in der Paul-Gerhardt-Kirche nur knapp Platz – also zieht die Truppe zum Benefizkonzert für die neue Orgel in die große katholische St. Josef-Kirche um – die ist am Sonntagabend wirklich gut besetzt; trotz eines parallel stattfindenden Konzerts in Buchholz und eines auch sonst nicht ereignisarmen Wochenendes.

Hans Zimmermanns Orchester kann an diesem schönen Sommerabend einmal mehr sein bemerkenswertes musikalisches Niveau unter Beweis stellen. Hier wird offenkundig seit Jahren musikalische Basisarbeit gemacht. Zusammenspiel, Dynamik, Aufmerksamkeit "nach vorn" – all das klappt ausgezeichnet. Sogar mit der äußerst kniffligen Akustik in St. Josef haben die Musiker keine Mühe; im Gegenteil, sie wissen sie geschickt zu nutzen. Ein Einwand am Rande sei aber gestattet: Dass Sologitarristin Marianne Schneider ihr Instrument verstärkt, passt nicht wirklich – ein anderer Platz oder ein Podest würde sie ausreichend klanglich herausheben.

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Dirigent Hans Zimmermann scheint Tempi zu bevorzugen, die man unter "machbar" einordnen kann. Das im Fall der Concerto all unisono von Evaristo Felice dall’ Abaco (1675-1742): Der Mittelsatz (Largo) kommt nicht zu langsam, der Schlusssatz (Presto) nicht zu schnell daher. Die sehr gut besetzten, bis auf ganz wenige Augenblicke an diesem Abend stets exakt zusammenspielenden Instrumentengruppen entwickeln im großen Kirchenraum einen Klang, den man sogar wunderbar nennen kann. Die Stimmen sind schön durchhörbar, deutlich, wie sie miteinander verwoben sind, lebhaft und sorgfältig gearbeitet die wiederkehrenden Forte-Piano-Gegensätze.

Antonio Vivaldi (1678-1741) hat Instrumentalkonzerte zu Hunderten komponiert, einige davon sind ausgesprochen populär geworden. An diesem Abend gibt es zwei davon. Zunächst mit Solistin Marianne Schneider (Gitarre), die noch ein weiteres Mal Soloaufgaben zu bewältigen hat und sich erst etwas von Aufregung freispielen muss. Kopf- und Schlusssatz ihres D-Dur-Konzerts kommen schön, der Mittelsatz klingt bekannt, in der populären Musik würde man ihn als Hit bezeichnen.

Giovanni Battista Sammartinis (1701-75) Sinfonia in G-Dur stellt dann wieder das Ensemble als Ganzes in den Mittelpunkt. Dann noch einmal Vivaldi: Simon Eble und Jonas Zimmermann ("Adams Banana") spielten "unpluggend" die Solomandolinen. Sie sind dialogisch, fast wie Echos gestaltet, die Stimmen zuweilen anspruchsvoll. Eble und Zimmermann musizieren gelassen, befreit und mit sichtbarer Spielfreude (auch der dritte Mann ihrer Band, Niklas Goby, sitzt mit im Orchester). Zuletzt dann Haydn. Katja Schill-Mahni (Viloine) steht auf und musiziert zusammen mit Marianne Schneider das Konzert für Violine, Gitarre und Zupforchester. Hans Zimmermanns Bearbeitung bringt die beiden Soloinstrumente auf sehr schöne Weise zusammen – die eigentlich tiefere Gitarre "über" der höheren Geige ist eine hübsche Idee und reizvolle Klangfarbe. Die Kadenzen des Kopf- und Mittelsatzes sind die schönsten Augenblicke. Mit Recht folgte begeisterter, sehr lang anhaltender Beifall; der dritte Satz wurde als Zugabe wiederholt.

Wer die verschiedenen Initiativen und Impulse für das Orgelprojekt der Paul-Gerhardt-Gemeinde Kollnau beobachtet, muss immer wieder staunen: Konfirmanden entwickeln Ideen, Gemeindeglieder gehen mit Drehorgel auf den Markt und singen, es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Konzerten zugunsten des neuen Instruments, auch das Gemeindefest (die BZ berichtete) kam ihm zugute. Der Erfolg wird nicht ausbleiben.







Autor: Frank Berno Timm