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08. März 2011
"Bene" kommt nach Waldkirch
Die Elfimess dankt Pfarrer Heinz Vogel mit Begeisterungsstürmen / Aussetzer an der Schnitzelbank / Bayern-Fans gesucht.
WALDKIRCH. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Der Papst kommt im September nach Waldkirch! Mit der Vorbereitung ist Stadtpfarrer Heinz Vogel betraut. Die Elfimess nutzte der hochwürdige Papstbeauftragte zu einer Lagebesprechung. Der närrisch-musikalische Leiter der Stadtmusik, Oliver Schätzle, darf sich künftig "Päpstlicher Kapellmeister" nennen – das Honorar für die Elfimess und den Zunftabend wird aber gleichwohl nicht erhöht.
Bis auf den letzten Stuhl war die Narrhalla nur mit echten Mannsbildern besetzt. Weiber waren nur als (fleißige) Bedienungsbienen zugelassen. Unter den besonders "respektablen Persönlichkeiten" konnte Krakeelia-Kanzler Wolfgang Geng den CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß begrüßen. Dann hatte Geng eine große Bitte an alle: Mache einfach mit!Manches kennt man schon vom Zunftabend, aber dieses Jahr war die Mehrheit neu. Unter diese Rubrik fallen "Horst und Armin" mit ihrer Gesangsnummer. Über das bewegende Thema der "Sackrasur" sangen Armin Spengler und Horst Wolf. Mit diesem Thema trafen sie den Nagel auf den Kopf oder besser gesagt, ein brennendes Thema der Männerwelt.
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Neu auch die "Schellen-Schüttler": Die beiden Narrenräte Herrmann Wehrle und Siegfried Haas vertonten den "Schneewalzer" auf den Schellen, wie die Glocken auf alemannisch auch heißen. Neu – zumindest als Duo – Helmut Moser und Willi Kury. Beide sind zwar alte Bekannte der Elfimess, heuer aber als "Trauerschnallen". In Versform und teils als Litanei setzen sich die zwei mit der Trauer allgemein und für ihre Lieben im Besonderen auseinander. Nach diesem Vortrag weiß man nun auch, wieso ein Zuhälter Zuhälter heißt, schließlich ließ sich ein Sarg im Rotlichtmilieu nicht mehr öffnen. Oder: "Junge komm bald wieder", sollte der Gesangverein einem Kameraden zum letzten Geleit singen. Protest der Witwe, sie bestand auf "Jetzt kommen die lustigen Tage". Derb, meinen die Einen, aber die Mehrheit kommt da richtig in Stimmung und grölt, die Halle kocht.
Nicht alles raffen die beiden Fenstergaffer Wolfgang Ruth und Armin Spengler aus dem Dettenbach. Wie die Affen gaffen sie aus dem Fenster und unterhalten sich über das, was ihnen so in den Sinn kommt. Kleine Kostprobe: Im Religionsunterricht hatten sie es vom "Trichter"? Falsch, es war der "Schöpfer".
Eine schöne Tradition sind die Moritaten, heuer von den "Städtle Moritäter" vorgetragen, auf dem Zunftörgele begleitet und von Heinz Opitz bebildert. Schwimmbad und Schlaglöcher, das sind dankbare Themen, "Slow City" ebenfalls. Die Moritäter in ihren lustigen Kostümen berichten "von dem us dem Städtle, was weder Radio noch Fernseh’n bringe".
Vom Zunftabend her dem Grunde nach bekannt sind "Lehrer Lämpel" (Klaus Michna) und Peter Öschgers "Schnitzelbank". Klaus Michna setzt kurzzeitig einen Doktorhut auf, hat sonst aber seinen Vortrag mächtig gekürzt. Peter Öscher bringt ein völlig neues Liedli, kommt aber ins Stocken. Wie sagte Berthold Baumer bei der Vereidigung der neuen Naudiaken: "Was der Alkohol alles machen kann." Aber in der Elfimess wird so was gern verziehen, vielmehr heizt es die Stimmung nur noch mehr an. Stimmung, die bringen auch die Fasnetspäperer in die Halle, ganz am Anfang und nach der Pause nochmals. Auf die Päperer folgt der Hexentanz.
Beim "Grundnahrungsmittelmarkt Gommel" gab es gestern Morgen eine Asbach-Uralt-Verköstigung, direkt von dort kam Ansager Wolfgang Ruth in die Narrhalla. Höhepunkt für Höhepunkt war ihm einen Asbach wert – Prost. Nach der Pause kam er als "D’Schlotzedobleri". Bekannt, ja pikant, seine Sprüche – wahrlich nur was für "gstandini" Mannsbilder, wie so einiges in der Elfimess.
Fein die Wortwahl und klar der Vortrag von Stadtpfarrer Heinz Vogel. "Papa Papa", in Anlehnung an Genesis, ließ Hochwürden die Halle singen und hatte sie jederzeit voll im Griff. Morgens hatte ihn der Heilige Vater angerufen. "Sie!" – in scharfem Ton hätte dieser ihn begrüßt, so dass er zunächst dachte, es sei der Geng Wolfgang. Nein, dann habe der Anrufer gesagt, hier sei der Benedikt. Ach der Messmer, dachte er, der habe doch heute frei … Gibt es noch Bayern-Fans? Mit denen will der Heilige Vater aus Bayern eine Bittprozession auf den Hörnleberg machen. Schnell werden Stadtkämmerer Seng und Windens Bürgermeister Bieniger zu Protokollanten ernannt. Letzterer war trotz Geburtstags in die Halle gekommen. Klaus Moser muss sich um das päpstliche Nachtlager kümmern. Derweil spielt die Stadtmusik – auch sie traditionell ohne Wiiber – immer wieder die Papsthymne. Deren Getränkerechnung will Heinz Vogel an den Papst weiterleiten. Überhaupt zeigt die Stadtmusik einmal mehr, was alles in ihr steckt.
Dann geht es Schlag auf Schlag dem Ende entgegen: Wolfgang Geng sagt fulminant "Adieu" – die Halle tobt, alle erheben sich. Dann marschieren die Schotten der Feuerwehr ein: Männerballett. Finale – Ausmarsch und Prozession – noch ohne Benedikt XVI. – ins Städtle. Schluss!
Autor: Christian Ringwald


