Cello-Sonaten mit Vater und Sohn

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mi, 21. September 2016

Waldkirch

Glänzender Auftakt der Reihe Kammerkonzerte Am Bruckwald mit Leopoldo und Manuel Lipstein.

WALDKIRCH. Gleich mit dem ersten Konzert der neuen Reihe "Kammerkonzerte Am Bruckwald" zeigte sich, dass die Reihe ein weiteres Mal für ausgesuchte Programme, namhafte Interpreten und ungewöhnliche Instrumentenkombinationen steht. "Cellosonaten mit Vater und Sohn", so der Titel des ersten Konzertes, bot die Begegnung mit dem jungen Cellisten Manuel Lipstein und seinem Vater Leopoldo Lipstein am Klavier.

Die Beethoven-Sonate für Cello und Klavier, wenn man es genau nimmt, die einzige Sonate im Original für beide Instrumente, fesselte durch die unterschiedlichen Stimmungen der Sätze. Auf einen leisen, dunklen Beginn folgte füllige Leidenschaftlichkeit, von Manuel Lipstein mit kräftiger Tongebung und zupackendem Strich gespielt. Das spritzige, virtuose Rondo, von beiden Interpreten in sich gegenseitig steigernder Leichtigkeit musiziert, schien in dieser Wiedergabe fast mozärtlich, bevor ein scheinbar leises Ausklingen des Satzes abrupt durch einen furiosen Schluss abgelöst wurde, wieder ganz Beethoven.

Die Gegensätzlichkeit in der Komposition war in der Interpretation durch Vater und Sohn deutlich herausgestellt, vorrangig durch die differenzierende Tongebung des jungen Cellisten. Eine Leistung, die deutlich machte, über welch bewundernswertes Entwicklungspotential dieser junge, im Jahr 2001 geborene Künstler verfügt und auf welch gutem Weg er ist.

Die Wiedergabe der Komposition von Max Bruch, original für Cello und Orchester, lebte von der Tonschönheit des Cellos. Max Bruch hat seinem Werk ein israelisches Gebet zu Grunde gelegt. Nach einem dunklen, schwermütigen Teil folgt ein glücklicherer, hellerer Teil und es klingt "wie im Himmel", so Manuel Lipstein in seiner kurzen Einführung in das Stück. Moll- und Dur-Passagen wechseln sich ab, einem Sprechgesang ähnliche Cellopassagen mit liedhaft melodischen. Wie gut es dem Cellisten gelang, die besondere Stimmung und Andacht dieses Stückes in Klänge zu setzen, war an der Stille im Saal nach dem Verklingen der letzten Töne abzulesen. Manuel Lipstein setzte nicht nur sein erstaunlich reifes, technisches Können ein, sondern musikalisches Gespür und fand zu einem Spiel, in dem sich Hingabe und Technik ergänzten. Gleiches galt für die Wiedergabe des Cellokonzertes von Camille Saint-Saëns. Die so vielfältigen Spielweisen des immer wiederkehrenden Hauptthemas zu gestalten, sich den virtuosen und künstlerischen Anforderungen dieses Werkes zu stellen, das bedarf eines Interpreten, der genau und sicher weiß, welche Technik und musikalische Ausdruckskraft er einzusetzen hat. Begeisterter, berechtigter Beifall!

Leopoldo Lipstein am Klavier bot durch seine Erfahrung im Ensemblespiel soliden Grund für die solistische Leistung seines Sohnes. Wie so oft musste der Klavierauszug hinter den originalen Orchesterklängen zurückstehen. Vor allem das Gegeneinander von Bläsergruppen und Celloklang bei Camille Saint-Saëns konnte auch der technisch versierte und differenzierend agierende Pianist nicht ersetzten. Bewundernswert in den atemberaubend schnellen Passagen, wie punktgenau Vater und Sohn im Zusammenspiel agierten, das klangliche Miteinander variierte zuweilen, es war umso schöner, je leiser Cello und Flügel gespielt wurden. Dass das Spiel von Leopoldo Lipstein zeitweise sehr mechanisch klang, auch in der Komposition von Maurice Ravel, mag auch dem Instrument im Bruckwald zuzuschreiben sein.

Mit einer elegisch ausdrucksvollen Zugabe (6. Variation aus den Rokoko-Variationen von Tschaikowski) setzten Manuel und Leopoldo Lipstein einen Schlusspunkt unter ein Konzert, welches einen hohen Maßstab an musikalischer Virtuosität für die folgenden Konzerte bedeutet.