"Das ist bitter "

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 01. Juli 2018

Waldkirch

Der Sonntag Bruder-Klaus-Krankenhaus muss wegen Kündigungen Ambulanz nachts schließen.

Die Ungewissheit, wie es in Zukunft mit dem Bruder-Klaus-Krankenhaus (BKK) in Waldkirch weitergeht, zeigt Folgen: Ab 2. Juli werden dort nachts vorerst keine ambulanten Notfälle mehr behandelt. Die "Initiative Krankenhaus" will derweil den Landesseniorentag am Mittwoch für Proteste und Gespräche nutzen.

"Ärzte, Rettungsdienst und Polizei wurden informiert, dass unsere Notfallambulanz nun nachts nicht mehr geöffnet ist und die Patienten in andere Kliniken gebracht werden sollen", erklärt Benedicte Franki, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) und Anästhesiefachkrankenschwester am BKK, auf Nachfrage. Sollte dennoch ein Patient in einer Notlage vor der Tür stehen, werde er jedoch nicht abgewiesen. Die Geschäftsführung des Regionalverbunds kirchlicher Krankenhäuser (RKK), zu dem die Klinik gehört, lehnte mit Verweis auf laufende Verhandlungen jede Auskunft gegenüber dem Sonntag ab.

Der RKK will das defizitäre Bruder-Klaus-Krankenhaus verkaufen, um den Klinikverbund, zu dem außerdem das St. Josefs-, das Loretto-Krankenhaus und das Hospiz Karl Josef in Freiburg gehören, insgesamt zu entlasten. Die jahrelange chronische Unterfinanzierung, so sagte es RKK-Geschäftsführer Bernd Fey im März, habe den Verbund ausbluten lassen. Dessen Defizit in Höhe von 1,75 Millionen Euro im Jahr 2016 resultiere zu zwei Dritteln aus der Waldkircher Klinik.

"Die Belegschaft des Bruder-Klaus-Krankenhauses ist stark verunsichert, ein halbes Jahr nachdem man uns mitgeteilt hat, dass wir verkauft werden sollen, wissen wir immer noch nicht, wie es weitergeht – das ist bitter", sagt Benedicte Franki: "Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die uns stark zusetzt." Ein hoher Krankenstand, Kündigungen und Abwanderungen von Pflegekräften und Ärzten seien die Folge. Bereits um Ostern habe die Bettenzahl quer durch alle Stationen wegen Personalmangels von 101 auf 71 reduziert werden müssen, vor zwei Wochen sei dann eine von drei Stationen für Innere Medizin bis auf weiteres geschlossen worden.

Die verbliebene Belegschaft beschreibt die MAV-Vorsitzende als motiviert und noch immer zuversichtlich: "Wir haben eine gute Belegung und die Mitarbeiter bringen Höchstleistungen", sagt sie. Die Kollegen, von denen viele seit mehr als 20 Jahren am BKK beschäftigt sind, seien bereit, nach einem möglichen Verkauf auch große Veränderungen mitzutragen: "Die Klinik hat sich in den vergangenen 15 Jahren immer verändert, wir sind überzeugt, dass wir gute Arbeit leisten und uns sogar selbst tragen könnten", sagt Benedicte Franki.

Für das Schweigen der Klinik-Leitung habe sie nur teilweise Verständnis. Es sei höchste Zeit, dass die Mitarbeiter darüber informiert würden, was sie künftig erwartet. Auch von den Politikern in Stadt, Land und Bund sei sie enttäuscht: "Jeder schiebt die Verantwortung auf den anderen und sagt, dass er selbst nichts machen könne", so Franki.

Derweil hat sich die Anfang Juni gegründete "Initiative Krankenhaus" diese Woche zu ihrem zweiten Arbeitstreffen zusammengefunden. Zwei Ziele haben die rund 130 Mitglieder, wie Ursula Querfurth und Jutta Beckmann berichten: den Erhalt des BKK und einen Politikwechsel in der Gesundheitsversorgung. "Helfen und Heilen vor Profit!", lautet daher die zentrale Forderung auf dem von der Arbeitsgruppe "Politik" erarbeiteten Flugblatt, das am Mittwoch beim Landesseniorentag in Waldkirch verteilt werden soll. Zu der Veranstaltung, die unter dem Motto "Wir mischen mit!" steht, werden rund 1 000 Teilnehmer erwartet.

"Wir müssen weg kommen von den Fallpauschalen, hin zu einer humanen Medizin", sagt Querfurth, SPD-Politikerin und Vorsitzendes des Stadtseniorenrats in Waldkirch. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung fordere die Initiative eine mindestens 15 Jahre umfassende Bedarfsplanung: "Die Jahre 2020 bis 2030 sind das kritische Jahrzehnt, das wir jetzt in den Blick nehmen müssen." Einen starken Impuls habe die BI durch den Vortrag des Freiburger Medizinethikers Giovanni Maio erhalten, der am Dienstag auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in der Stadthalle über die Herausforderungen in Medizin und Pflege sprach. "Professor Maio hat uns die theoretische Grundlage geliefert für das, was uns der gesunde Menschenverstand sagt", meint Jutta Beckmann. Diskutiert wird in der BI derzeit auch die Gründung eines Fördervereins, mit dem die Klinik nach einem möglichen Verkauf unterstützt werden könnte.

Die Mitarbeiter des Bruder-Klaus-Krankenhauses begrüßen die Arbeit der Initiative: "Wir freuen uns, dass die Bürger um die Klinik kämpfen – schließlich geht es um die Gesundheitsversorgung im Elztal und Simonswäldertal", sagt Benedicte Franki. Dass sie im Falle einer Klinikschließung neue Arbeitsplätze finden, sei hingegen recht sicher, schließlich suchten viele Kliniken händeringend Personal.