Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
03. Juni 2009 21:11 Uhr
Millionenprojekt
Die Gleise der Elztalbahn werden komplett erneuert
Insgesamt sechs Wochen dauert die komplette Erneuerung der gut zwölf Kilometer Gleis der oberen Elztalbahn von Waldkirch bis Elzach. Der gewünschte Ausbau ab Waldkirch ist nicht Teil des Millionen- Projekts.
WALDKIRCH/ELZACH. Derzeit ist der Umbauzug zwischen Waldkirch und Elzach unterwegs – weitere Maschinen werden folgen. Ist alles fertig, soll die Strecke rund 70 Jahre halten.
"Fährt heute keine Bahn?" Passanten am Elzacher Bahnhof halten den Reporter in seiner rot-orangen Schutzweste für einen DB-Mitarbeiter. Nein, es sei Schienenersatzverkehr, der Bus warte vor dem Bahnhof, lautet die Antwort. Dabei rollen die großen Gelenkbusse zwischen Waldkirch und Elzach schon ein paar Tage; ganz herumgesprochen hat es sich aber anscheinend noch immer nicht. Grund für den "SEV" ist heute der Umbauzug.Das gute 200 Meter lange Ungetüm arbeitet sich gerade talaufwärts durch den Gutacher Bahnhof. "Vorsicht, Finger weg!" warnt Bauüberwacher Steffen Sachs, der die BZ gemeinsam mit dem Freiburger DB-Regionalnetz-Leiter Frank Schüler an die Baustelle begleitet. Zwei Portalkräne fahren auf dem Umbauzug hin und her, ihnen zu nahe zu kommen, ist gefährlich. Aufpassen schadet auf Schienen sowieso nicht.
Leise geht es beim Gleisbau nicht zu. Ein Diesel läuft mit hoher Drehzahl und schiebt die rollende Maschine immer ein paar Meter weiter. Ihr Prinzip ist einfach erklärt: Der Anfang des Zuges steht auf den alten, das Ende schon auf den neuen Gleisen. Das Gerät drückt die vorher losgeschraubten Altschienen nach außen und sammelt die Schwellen auf. Dann werden die neuen Schwellen ausgelegt und die vorher abgeladenen, neuen Schienen an die richtige Stelle geschoben. Im hinteren Drittel des Zuges – an der entscheidenden Stelle – schlingen sich die Gleise wie eine in der Luft hängende Brezel ineinander. Die große Maschine schafft immerhin 200 Meter Gleisauswechseln in der Stunde, gearbeitet wird mit 25 Mann rund um die Uhr.
Werbung
Nicht nur beim ersten Anschauen sieht so ein Gleisumbauzug interessant aus: Mit vergleichsweise einfachen Mitteln wird ziemlich effektiv und handarbeitssparend gebaut. Zu tun gibt’s für die Arbeiter aber immer noch genug. Hinter dem Zug beispielsweise läuft einer und sammelt die alten Unterlagen, die zwischen Schwellen und Schienen eingebaut waren, mit einem Greifer auf.
Der Zug, erläutert Sachs, ist eine von zwei Maschinen in Deutschland, die stählerne V-Schwellen einbauen können. Diese Schienenunterlage besitzt, ergänzt Frank Schüler, eine besonders hohe Steifigkeit und ist kostengünstig in der Unterhaltung. Statt bisher 11 000 müssen nun nur 9000 Schwellen montiert werden. Die Elztalbahn bleibt für Eisenbahnfahrzeuge mit bis zu 22,4 Tonnen Einzelachslast geeignet, auch an der Streckenhöchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern ändert sich nichts. Das von vielen gewünschte, zusätzliche Gleis von Waldkirch nach Elzach ist "nicht Teil dieses Projekts". Frank Schüler erinnert an die kürzlich unterschriebene Kooperationsvereinbarung zur Weiterentwicklung der Breisgau-S-Bahn (die BZ berichtete) – diese sehe die Elektrifizierung und eine zusätzliche Kreuzungsmöglichkeit zwischen Waldkirch und Elzach vor – im Jahr 2016 oder 2017.
Das augenblickliche Projekt ist schon aufwändig genug. In rund sechs Wochen werden etwa zwölf Kilometer Gleis komplett erneuert. Steffen Sachs zählt auf: 20 000 Tonnen Aushub mussten abgefahren werden, 5000 Tonnen neuen Schotter brachten Lkw, noch einmal 12 000 Tonnen kamen auf der Schiene. Das Gesamtprojekt kostet sieben Millionen Euro – das meiste stammt aus Bundesmitteln. Gebaut wird in drei Phasen: Schotterreinigung und -ersatz sind abgeschlossen, jetzt fährt der Umbauzug, Stopf- und Schweißarbeiten folgen noch. Bislang, sagt Steffen Sachs, hätten die Anwohner sehr viel Verständnis: Beschwerden habe es nur gegeben, als in Waldkirch nachts Schotter verladen wurde – 20 000 Handzettel wurden zur Information verteilt.
Ist der Umbau fertig, soll er lange halten: "Wir beide werden nicht mehr erleben, dass hier Schienen ausgewechselt werden", sagt Frank Schüler zu Bauüberwacher Sachs, der zustimmt – 70 bis 80 Jahre werden die neuen Gleise liegen. Das sind für Strecken wie die Elztalbahn offensichtlich keine ungewöhnlichen Zahlen. Steffen Sachs erzählt, eine der ausgebauten Altschienen sei über 100 Jahre alt gewesen. Sinnvoll, fügt Frank Schüler hinzu, seien die Bauarbeiten auch, weil "der Verkehr langfristig gesichert ist".
Gründliche Vorbereitungen schützen offensichtlich vor Überraschungen bei den eigentlichen Arbeiten – weitgehend. So werde vorher untersucht, wo der Schotter ausgetauscht werden müsse. Am Haltepunkt Kollnau kam das Fundament des früheren Bahnsteigs zum Vorschein, es wurde herausgerissen. Günstig sieht es in Sachen Brücken aus: Schüler sagt, sie seien alle in gutem Zustand. Zwei Verbindungen und ein Durchlass, ergänzt er, wurden aber abgebrochen und verfüllt, sie würden nicht mehr benötigt.
Nächste Woche rollen die ersten Regioshuttle der BSB wieder bis nach Elzach. Die letzten Arbeiten, das Stopfen der Gleise und das Schweißen der Schienen, können nachts erledigt werden. Die BSB übrigens musste den Schienenersatzverkehr selbst organisieren und bezahlen – ein Jahr Vorlauf gab es für die Arbeiten.
Autor: Frank Berno Timm
