Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. August 2011
"Du stehst vor dem Laden und kommst nicht rein"
Christa Fraider hat ein offenes Ohr für die Sorgen Behinderter.
WALDKIRCH. Wer ohne größere körperliche Beeinträchtigungen durchs Leben geht, kann sich meist nur in groben Zügen vorstellen, vor welchen Schwierigkeiten Menschen stehen, denen es anders geht. Da mag der Wille, diese zu erkennen, durchaus vorhanden sein, aber die Erfahrung fehlt. Christa Fraider aus Waldkirch hat sie und will dieses Wissen jetzt für Verbesserungen in der Stadt Waldkirch einsetzen, indem sie sich als Ansprechpartnerin für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stellt.
Christa Fraider, 61 Jahre alt, leidet seit ihren Kindertagen an einer Knochenkrankheit und sitzt seit vielen Jahren im Rollstuhl. Ohne den würde sie aus ihrer Wohnung in der DRK-Seniorenwohnanlage im Papiergässle gar nicht herauskommen. Aber auch mit ihm gibt es Probleme: "Sehen Sie sich die Geschäfte in Waldkirch an", fordert sie die Teilnehmer an einem Gespräch im Rathaus auf: "Da stehst du davor und kommst nicht rein". Vor den meisten Eingängen sind Stufen.
Auch das Rathaus ist nur teilweise barrierefrei erreichbar, die meisten Sport- und Festhallen sind es gar nicht, ebenso Nachholbedarf gebe es bei vielen Arztpraxen. Und selbst wenn für Rollstuhlfahrer die Wege gebahnt sind, dann fehle es trotzdem an vielen Details, um ein wirklich selbstständiges Agieren zu ermöglichen. Ein klassisches Beispiel dafür seien Schwellen zum Balkon oder fehlende Ausstattung in den Bädern.
Werbung
Und dabei sind die Beeinträchtigungen für Körperbehinderte für den gesunden Laien fast noch leichter zu erkennen als die Schwierigkeiten, vor denen beispielsweise Blinde oder Schwerhörige stehen. Überhaupt: Es gibt noch nicht einmal Angaben darüber, wie viele Menschen in Waldkirch Unterstützung nötig haben, weil sie eine Behinderung haben, räumt Martin Müller, Leiter des Amtes für Bildung und Soziales in Waldkirch auf Nachfrage von Sabine Wölfle ein, die als SPD-Landtagsabgeordnete seit kurzem auch behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion ist.
Gleichwohl sei es ein Anliegen der Stadtverwaltung, Menschen mit Behinderung mehr Gehör zu verschaffen, um ihre Belange bei Entscheidungen zu berücksichtigen, sagt Müller. Der Stadtseniorenrat hat in diesem Gebiet in den vergangenen Jahren bereits versucht, Verbesserungen zu erreichen – nicht immer erfolgreich, denn oft sind größere Investitionen notwendig, an denen es dann scheitert, wie Werner Gehrke, Vorsitzender des Stadtseniorenrates, weiß.
Sabine Wölfle berichtet davon, dass in Heidelberg ein Behindertenbeirat aus Menschen mit Handicap und Angehörigen gegründet wurde, der eine beratende Funktion hat. Martin Müller und auch Regine Gudat, Sachgebietsleiterin für Soziale Arbeit im Rathaus, würden sich freuen, wenn in dieser Richtung auch in Waldkirch etwas in Gang käme. Ein erster Schritt ist, dass Christa Fraider auf Menschen mit Behinderung zugeht und für diese als Ansprechpartnerin bereitsteht. Regine Gudat würde sich auch über Interessierte freuen, die in einem Behindertenbeirat mitwirken wollen. Ein erstes Treffen soll im Herbst stattfinden.
Autor: Sylvia Timm
