Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
06. Oktober 2009
Elztäler gegen Atomkraft
Viele fuhren nach Colmar, um gegen Frankreichs ältestes Atomkraftwerk zu protestieren
COLMAR/ELZTAL. Auf lebhafte Resonanz stieß im Elztal der Aufruf der BUND-Ortsgruppe Waldkirch und der Bürgerinitiative Energiewende zur Teilnahme an der Anti-Atom-Demo in Colmar.
Fast 100 Menschen aus Waldkirch und Elzach, aber auch aus Denzlingen und Emmendingen, so berichtet Wolfgang Schäfer von der BI Energiewende, beteiligten sich an der Protestkundgebung. Diese fand anlässlich der gegenwärtigen Zehn-Jahres-Revision des Atomkraftwerks Fessenheim statt. Ziel dieser Überprüfung ist es, die Laufzeit des 30 Jahre alten Kraftwerks um weitere zehn Jahre zu verlängern. Auswirkungen eines schweren Unfalls in Frankreichs ältestem Atomkraftwerk würden auch das Elztal treffen, das in der Hauptwindrichtung nur 35 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Viele Mitfahrer hatten sich erst kurzfristig zur Teilnahme entschlossen, um auch gegen die von CDU und FDP angekündigte Laufzeitverlängerung von deutschen Atommeilern zu protestieren.Nach einer durch Polizeikontrollen verzögerten Anreise erwartete die Elztäler auf dem Colmarer Bahnhofsvorplatz schon ein lebendiges internationales Treiben von tausenden Demonstranten. Sie wurden durch heiße Rhythmen der Band "HK et les saltimbanques" auf einen friedlichen Protest eingestimmt. In den Redebeiträgen wurde das stetige Anwachsen eines grenzüberschreitenden Widerstands gegen den Weiterbetrieb von Fessenheim zum Ausdruck gebracht. Denn wegen des unzureichenden Schutzes gegen Flugzeugabstürze, Erdbeben und Terrorattacken stelle das veraltete Atomkraftwerk ein erhebliches Risiko für die gesamte Region dar. Vehement wurde ein Umstieg auf erneuerbare Energien und die umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung gefordert.
Werbung
Rainer Höll als einer der ältesten Teilnehmer kritisierte das restriktive Verhalten der französischen Polizei. Diese hatte die Colmarer Innenstadt hermetisch abgeriegelt und zwang Passanten zum Ablegen von Anti-Atomkraft-Ansteckern. Dies erinnerte Höll angesichts des friedlichen Kundgebungsverlaufs an vergangene DDR-Verhältnisse. Der Studentin Nicole Weber hat das Engagement Mut gemacht: Wenn in vielen Städten so viele Menschen wie in Waldkirch aktiv würden, dann ließe sich wohl auch nächstes Jahr ein großer Protest gegen die geplanten Atomtransporte mobilisieren. Sophia Buob und Johannes Kapp, Schüler aus Waldkirch, hatten im September schon an der bundesweiten Demonstration in Berlin teilgenommen. Sie fanden es ermutigend, dass sich auch bei vielen französischen Bürgern ein starker Protest gegen Atomkraftwerke regt.
Durch das gemeinsame Erlebnis fühlen sich viele Teilnehmer darin bestärkt, ihr Engagement fortzuführen. Die Möglichkeiten dazu reichen vom Wechsel zu einem Ökostromanbieter bis zur aktiven Mitarbeit. Und auch beim Protest gegen den nächsten Castor-Transport, so ließen sie verlauten, wollen viele dabei sein und dafür sorgen, dass die Laufzeitverlängerung von deutschen Atomkraftwerken keine "Harmonieveranstaltung" wird.
Autor: bz
