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06. Dezember 2010
Erwin Teufel lobt die soziale Marktwirtschaft
Beim Festabend der Elzacher CDU war der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsidenten zu Gast / Drei neue Ehrenmitglieder wurden gekürt.
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Elzachs CDU-Vorsitzender Matthias Hirschbolz, MdL Marcel Schwehr, Ehrenmitglied Karl Kury, Ehrenvorstandsmitglied Franz Bischoff, Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel und MdB Peter Weiß. Ehrenvorstandsmitglied wurde auch Wendelin Becherer (nicht anwesend). Foto: Bernd Fackler
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Das Interview der CDU: Erwin Teufel mit Ulrich Ruh. Foto: Bernd Fackler
ELZACH. Mit einem Festabend ehrte die Elzacher CDU verdiente Mitglieder. Ehrengast war der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel, der an diesem Abend viele Hände schütteln und manche Frage beantworten durfte.
Es war der sechste Besuch von Erwin Teufel in Elzach, wohin er durch seine Nichte Julia inzwischen auch verwandtschaftliche Bindungen hat, wie Stadtverbandsvorsitzender Matthias Hirschbolz in seiner Begrüßung erwähnte und an Erwin Teufel gewandt sagte: "Es ist wohltuend, einen Mann zu Gast zu haben, für den Werte noch wichtig sind. Ihre Politik war nicht beliebig, hatte immer eine Richtung." Hirschbolz stellte kurz alle Ortsteile vor; beim Thema "Fasnet" sagte er: "Jeder Umzug wird von einem Teufel angeführt und, ja, Herr Teufel, auch dieser ist schwarz. Was uns hier noch fehlt, ist ein Schwarzes Tor!" – wie in Rottweil, wo Teufel herkommt (aus Zimmern).Danach Erwin Teufel auf dem Podium im Zwiegespräch mit Dr. Ulrich Ruh, Chefredakteur der Freiburger Herder-Korrespondenz und stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender. Schon lange kennen sich die beiden Christdemokraten und betonen beide das "C", das Christliche, in der CDU. "Die Herder-Korrespondenz habe ich seit über 50 Jahren abonniert", so Erwin Teufel, der sich auch freute, dass die hiesigen CDU-Abgeordneten Peter Weiß (Bundestag) und Marcel Schwehr (Landtag) trotz soeben beendeter Parlamentswoche und widrigen Wetterumständen ebenfalls nach Elzach gekommen waren.
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"Wie sehen Sie nach Heiner Geißlers Schiedsspruch die Zukunft von ’Stuttgart 21’?", lautete die erste Frage von Ulrich Ruh. "Ich hätte nicht geglaubt, dass soviel herauskommt, glaube aber auch nicht, dass die ganzen Demonstranten klein beigeben", so Teufel. Seine Prognose: "Es wird weiter gebaut und weiter demonstriert", wobei seiner Erfahrung nach Proteste bei solchen Projekten keine Überraschung seien, wie viele Beispiele (Umfahrung Ebnet, Neue Messe Fildern etc.) zeigten: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass man in zehn Jahren auch sagen wird: ’Stuttgart 21’ war vernünftig."
"Was macht die CDU falsch, dass sie so instabil geworden ist, bei so mageren Umfrage-Ergebnissen verharrt?", so die zweite Frage. Erwin Teufel: "Wir müssen die soziale Marktwirtschaft, die uns nach dem Krieg so viel Erfolg brachte, wieder stärker profilieren. Sie ist nicht die Ursache, sondern die Lösung der Wirtschaftsprobleme der letzten Jahre. Das Potenzial der CDU ist außerdem größer, als sie es ausschöpft. Und: Das ’C’ in der CDU steht nicht für ’konservativ’, sondern für ’christlich’. Vielleicht haben sich da viele nicht mehr beheimatet gefühlt, da müssen wir auch ansetzen..."- "Das ’C’ wird oft beschworen, gleichzeitig steigt die Zahl der Kirchenaustritte", wandte Ruh ein. Teufel: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Die CDU kann das ’C’ aufgeben. Sie kann aber nicht das ’C’ stehen lassen und sich nicht dran orientieren. Es gibt keinen dritten Weg." Was den Minsterpräsidenten a.D. freut: "Heute ist die Jugend nicht mehr ideologisch fixiert, sondern offen. Wir müsse die Chancen nutzen, die sich da bieten. Nur das vorgelebte Beispiel überzeugt – auch bei der Vermittlung von Politik und Geschichte."
Ulrich Ruh: "Seit Konrad Adenauers Zeiten waren Festigkeit in Grundpositionen und gleichzeitig große Flexibiliät Markenzeichen der CDU...". Erwin Teufel: "Die wichtigsten Werte sind die allgemeinen Werte der Bürger – und: Die anderen so behandeln, wie Du selbst behandelt werden willst." Zum derzeit umstrittenen Thema Präimplantationsdiagnostik meinte er: "Der Mensch darf nicht alles machen, was er kann."
" Ist Stefan Mappus der richtige Mann für die Landtagswahl? Und könnten Sie sich auch mal vorstellen, wie Heiner Geißler ein Schlichter zu werden? ", hießen die Fragen von Franz Holzer von der Senioren-Union. Teufels Antworten: "Ich habe denkbar gute Erfahrungen mit Stefan Mappus gemacht und bin von ihm, auch persönlich, überzeugt." Und zur Frage zwei: "Ich hab’ genug zu tun, ich halte viele Vorträge, bin oft keinen Abend daheim." Eine weitere Wortmeldung aus dem Publikum zitierte aus Teufels Autobiografie: "Dort heißt es zu Hartz IV: ’Keine Reform, sondern Beseitigung’ und: ’Die größte Ungerechtigkeit ist die Umverteilung von unten nach oben’." Diese Aussagen bekräftigte Teufel: "Ich halte die gegenwärtige Familienpolitik der CDU nicht für gut. Wenn man nicht genug Geld hat für alle, soll man denjenigen helfen, die wenig Geld haben. Nicht denen, die viel haben", wofür der ehemalige Landesvater natürlich Applaus erhielt.
Damit war die etwas (zu) kurz geratene allgemeine Fragerunde auch schon zu Ende (so manch einer versuchte und fand sein Glück dann später im persönlichen Gespräch), aber die CDU hatte noch einiges vor an diesem Abend: Seit Jahren hatte es keine Ehrungen mehr gegeben; das holte man nun nach. Die höchste Auszeichnung bekamen drei verdiente Christdemokraten: Ehrenmitglied wurde Karl Kury (45 Jahre Mitglied, 40 Jahre Schatzmeister im Ortsverband und 32 Jahre im Stadtverband Elzach). Ehrenvorstandsmitglied wurde Franz Bischoff (37 Jahre Mitglied, 25 Jahre Vorsitzender vom Ortsverband Prechtal, dort auch neun Jahre Schatzmeister, viele Jahre stellvertretender Stadtverbands-Chef, 20 Jahre Gemeinde- und 22 Jahre Ortschaftsrat und stellvertretender Ortsvorsteher in Prechtal. Ebenfalls Ehrenvorstandsmitglied wurde (er hatte sich entschuldigt) Wendelin Becherer für 35 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit, unter anderem im Gemeinderat, als stellvertretender Bürgermeister, 20 Jahre Vorsitzender der CDU Elzach und viel Jahre auch vom Stadtverband.
Autor: Bernd Fackler


