Faszinierendes Instrument

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 10. Februar 2019

Waldkirch

Der Sonntag Das Waldkircher Projekt Königskinder will besonders jungen Menschen einen spielerischen Zugang zur Orgel vermitteln.

Eine Wasserorgel (Organon hydraulikon), erfunden vom in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts lebenden griechischen Techniker und Mathematiker Ktesebios aus Alexandria, hat man bei Ausgrabungen gefunden. Dass die Vorgängerin der heute gebräuchlichen Orgel bereits damals für Zeremonien verwendet wurde, kann man auf einer faltbaren Zeittafel erfahren. Sie liegt mit anderem Lern- und Anschauungsmaterial in einem Holzkoffer, der die Aufschrift "Königskinder" trägt. Zusammengestellt und erdacht haben ihn Orgelbaumeister Wolfgang Brommer und seine Lebensgefährtin Ina Gutsch, Heilpraktikerin aus Waldkirch.

Ungeachtet des weiblichen Artikels bezeichnete Wolfgang Amadeus Mozart die Orgel seinerzeit als "König der Instrumente". Die von Brommer und Gutsch gewählte Wortschöpfung "Königskinder" bezieht sich auf die Zielgruppe eines besonderen Projekts: "Wir haben uns für Kinder und junge Erwachsene entschieden, weil viele von ihnen keine Orgeln mehr kennen", erklärt Wolfgang Brommer, in dessen Werkstatt regelmäßig Schulklassen vorbeischauen. Selbst in der Orgelstadt Waldkirch sei das königliche Instrument beim Gros der jungen Menschen weitgehend unbekannt und das habe sich in den vergangenen Jahren noch verstärkt, meint Brommer.

Die Idee, sie mit einem speziellen Konzept wieder mit Orgeln in Kontakt zu bringen, hatten Brommer und Gutsch im Europäischen Kulturerbejahr 2018. Da Orgelbau und Orgelmusik seit 2017 auf der Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit stehen, wurde ihr bundesweit angelegtes Projekt mit Fördergeldern der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 50 000 Euro bedacht. "Im September haben wir begonnen, die Laufzeit beträgt erst einmal ein Jahr", sagt Ina Gutsch, die für das Vorhaben eine Webseite mit allen Informationen konzipiert hat. Hier erfahren interessierte Lehrer und Schüler etwa, dass man für sie nach Anmeldung eine wohnortnahe passende Kirche mit einer Orgel sucht. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Klasse 3 b der Grundschule Waldkirch-Kollnau hat den Anfang gemacht, ihre Klassenlehrerin wurde durch einen Beitrag in einem Fachmagazin auf die Aktion aufmerksam. Die Mehrzahl der Interessenten waren aber bisher Kantoren, die Kontakt zu Schulklassen suchten. "Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Klassenlehrer melden würden", wünscht sich Wolfgang Brommer und berichtet, dass man Schüler in Schriesheim, Backnang, Regensburg und Berlin bald mit "ihrer" Orgel vor Ort bekannt mache. Sie dürfen das Instrument nicht nur anfassen und zum Erklingen bringen, sondern erfahren auch alle wichtigen Details über Musik und Technik. Darüber hinaus tragen die Jugendlichen mit dem Erstellen eines Orgelporträts zur Erweiterung der bundesweiten Online-Datenbank der Deutschen Orgelstraße bei. Ein Konzert ist jeweils krönender Abschluss. Die unter anderem mit einer Orgelpfeife, einer Handvoll kleiner Metallplättchen und einer Balgleder-Probe sowie einem Film, einer Powerpoint-Präsentation und Musik-CD ausgestatteten Orgelkoffer, deren Wert Brommer "auf mindestens 500 Euro" beziffert, bleiben nach Projektende in den Kantoreien.

In Waldkirch hat der Stadtorgler Karl-Heinz Kury mit seinen auf Rundgängen in der Stadt gesammelten Spenden zwei der Koffer finanziert. "Für nächstes Jahr suchen wir noch Sponsoren", sagt Wolfgang Brommer.

Katja Russhardt
Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter http://www.koenigskinder.online