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20. Dezember 2012

Graffiti gegen Fachkräftemangel

Ein auffällig lackierter Betonmischer soll insbesondere Jugendliche ansprechen, um die Zahl der Lehrstellenbewerber zu erhöhen.

  1. Der von zwei Waldkircher Künstlern mit Graffiti gestaltete Betonmischer wirbt für das Handwerk. Foto: Photographer: Gabriele Zahn

  2. Erst abkleben, dann sprühen. Foto: Fotos: Gabi Zahn

WALDKIRCH. Im Auftrag von Christof Burger gestalteten zwei Waldkircher Künstler einen Betonmischer mit Graffiti. Sie benötigten dazu mehr als 30 Stunden. Die Aktion wurde gefilmt. Der Film soll in ganz Deutschland zur Nachwuchsförderung im Fahrzeuglackierer-Handwerk eingesetzt werden.

Wie gewinnt man junge Menschen für das Bauhandwerk? Christof Burger, Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg, wurde vor etwa zwei Jahren von einem Waldkircher Künstler gefragt, ob er die Wand entlang des Weges beim Kunstrasenplatz besprayen darf. Burger sagte unter zwei Bedingungen zu: Auf der linken Seite der Wand soll das Bauhandwerk und auf der rechten Seite das Zimmereihandwerk dargestellt werden. Dazwischen wäre Freiraum für eigene Ideen. Mit dem Bild, das das Bauhandwerk darstellt, wirbt Burger heute erfolgreich um Nachwuchskräfte.

Die Idee, einen Betonmischer vom selben Künstler gestalten zu lassen und den Prozess der Gestaltung zu einem Imagefilm für das Handwerk zu verarbeiten, kam ihm im Sommer. Aufgabe war, die für die Wand entworfenen Figuren auf die Trommel eines Betonmischers zu bannen. Den Entwurf entwickelten Burger und der Künstler gemeinsam: Die Trommel hat aufgerissene "Löcher" wie nach einer Explosion. Zwei Handwerker steigen durch zwei große Löcher hindurch. Aus weiteren Löchern quillt Beton und läuft streifenähnlich zum Heck des Lastwagens. Für die Aktion der Gestaltung der Trommel stellte Thomas Viesel seine Werkhalle zur Verfügung. Der Künstler, der nicht genannt werden will, zog für diese Aufgabe einen Airbrush-Künstler hinzu. Bereits in die Vorbereitung der Schablonen investierten beide Künstler viel Zeit. In Viesels Werkhalle stand dann der Betonmischer für die Künstler bereit. Von den Lehrlingen war er bereits vorgeschliffen worden. Die Künstler säuberten den Betonmischer und klebten ihn sorgfältig ab. Erst einen Tag später konnten die Künstler mit dem Sprühen beginnen. Nochmal einen Tag drauf waren sie mit ihren Arbeiten fertig, so dass mit dem Aufbringen des Klarlacks durch die Werkstatt Viesel begonnen werden konnte.

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Die besondere Herausforderung der Aufgabe war, dass die Trommel rund und konisch ist, berichteten die Künstler. Ein Baustellenfahrzeug bemalen zu lassen, sei selten. In Deutschland haben die Künstler noch keines gesehen, im Internet gebe es aber Abbildungen. "Ich freu mich richtig. Das ist einfach gut", sagte Burger, als er die fertig besprayte Trommel sah. Während die Künstler am Betonmischer arbeiteten, wurden sie von Mitarbeitern der Handwerkskammer gefilmt. Aus diesem Video wird ein Imagefilm erstellt, der in ganz Deutschland für die Fahrzeuglackierer-Nachwuchsförderung eingesetzt werden soll. "Wir haben in der Branche Nachwuchsmangel", betonte Viesel. "Das Projekt ist gelungen", freute sich Burger, der Film wird zeigen, dass im Handwerk neben den handwerklichen auch die künstlerischen Fähigkeiten gebraucht werden.

Autor: Gabriele Zahn