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01. April 2010

Heiß und immer heißer

"Guitar Crusher" & Band rockten in der "Klappe 11" / Bester, handgemachter Blues und Rock’n’Roll.

  1. Sidney Selby, genannt „Guitar Crusher“, verwandelte mit seiner Band die „Klappe 11“ in einen tanzenden, brodelnden Kessel. Eine der wichtigsten Stützen des Abends: Tino Gonzales an der Gitarre. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Dieser Abend hätte ruhig noch ein wenig länger dauern können: "Guitar Crusher", geboren unter dem Namen Sidney Selby, ist ein unglaublicher Entertainer: Im Handumdrehen entfacht er mit seiner Band in der "Klappe 11" einen nicht aufhörenden, vorwärts eilenden "Drive".

Das Haus ist so gut wie ausverkauft am vergangenen Samstagabend, überwiegend gesetzte Herrschaften sind da – Leute unter 30 scheinen sich für Chicago Blues (ein kräftiger Schuss Rock’n’Roll war auch dabei) nicht zu interessieren. Dass richtig die Post abgeht, dass immer mehr aus dem Publikum selbstvergessen tanzen, ist durchaus erstaunlich, schließlich ist Crushers Singen nicht das, was man schön nennen könnte: Seine Stimme ist gebrochen, der Text häufig unverständlich.

Aber das macht gar nichts. Die Erklärung ist furchtbar einfach: Crusher ist authentisch. Was er mit seiner Band anbietet, ist echte, handgemachte Musik. Manches erkennt man auch wieder: Otis’ Reddings "Sittin’ in the morning sun. . ." ist so ein Beispiel. Gitarrist Tino Gonzales, selbst Musiker von Rang, steuert ein großes Maß des Konzerterfolges bei: Immer wieder fallen ihm wunderbare, zuweilen absolut virtuose Solis ein. Auch Bassist Sebastian Lorenz (Waldkirch), Keyboarder Chris Kloeber (Berlin) und Drummer Arno Schorrer-Maier (Freiburg) wissen zu überzeugen. Das Quartett verzichtet darauf, den Raum mit allzu viel Verstärkung "zuzuknallen", die Anlage ist genau richtig dimensioniert.

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Dass Selby nicht erst seit gestern auf der Bühne steht, ist offenkundig. Er weiß ganz genau, wann er die stürmischen Wellen seines Publikums wieder durch einen langsamen Titel beruhigen muss. Und er mischt Bekanntes mit weniger Populärem: Ein recht flottes "Unchain my heart" beendet das erste Set.

Klar ist eins: In diesem Konzert kann man dem Schmerz der Welt und eigenen Nöten wunderbar entfliehen. Hier rocken Anwälte, Gewerkschafter, Künstler und Musiker, niemand kann sich dem Rhythmus entziehen, und wenn nur der Kopf im Takt wippt. Auch ohne "Guitar Crusher" zeigt sich die Band von ihrer besten Seite: Dem phantastischen Gitarrenspiel von Tino Gonzales möchte man ewig zuhören – er scheint, im Gegensatz zu "Crusher" (der seine Gitarre nur ganz selten in die Hand nimmt), eher "easy-listening"-Töne zu bevorzugen, ohne dabei banal oder langweilig zu werden; das ist durchaus große Kunst. James "Little Milton" Campbells "Hey, hey, the blues is allright!" ist dann wieder ein ziemlicher Kracher – und natürlich dafür gemacht, dass das Publikum kräftig mitsingt. Längst wird es immer wärmer im Kollnauer Jugendhaus, ein paar Stühle werden verschoben, damit das Publikum besser tanzen kann.

Klar, dass dieses Konzert nicht regulär zu Ende geht. James Browns "I feel good" (das wie für Crusher geschrieben wirkt), Ben E. Kings "Stand by me" und, natürlich "Every day I have the blues" (das B.B. King zugeschrieben wird), schließlich das nicht enden wollende "It’s allright" komplettieren diesen Abend. Was für ein Konzert, unglaublich.

Autor: Frank Berno Timm