Heldenhaftes mit der Stadtmusik

rlo

Von rlo

Mi, 29. November 2017

Waldkirch

Das Konzert in der Stadthalle Waldkirch drehte sich um Musikstücke über Männer aus Realität und Fantasie.

WALDKIRCH (rlo). Eigentlich ist die Stadtmusik Waldkirch bekannt für außergewöhnliche Auftrittsorte – zum diesjährigen Herbstkonzert tat es auch die Stadthalle. Da ist genug Platz für die zahlreichen Zuschauer, die sich erwartungsvoll einfanden. Klang doch der Titel ebenso mysteriös wie vielversprechend: Heldenhaftes in H-Dur. Was passt auch besser zu epischen Kämpfen und Siegen, wenn nicht Trommeln und Fanfaren. Mit Beidem ist das symphonische Orchester hervorragend ausgestattet.

Mehr als 60 Musikerinnen und Musiker strömten auf die kühlblau beleuchtete Bühne und starteten gleich fulminant mit flirrenden Trompeten und mächtig Tempo: "Esprit de Corps" von Robert Jager. Durch den Abend führten zwei Damen und ein Herr: Teresa Hoch und Pia Schuler würzten ihre Ankündigungen mit einer gehörigen Portion Ironie, ob des testosterongeschwängerten Programms: "Der Mann steht im Mittelpunkt", kündigte Teresa Hoch an. Zunächst allerdings ein Ausflug in die Natur: "Rapsodia Borealis" von Soren Hyldgaard. Das Besondere: die Solo-Posaune dargeboten von Achim Hoch. Das Stück betont "die lyrische Seite der Konzertposaune", so Teresa Hoch. Posaune und Querflöten klingen wie Schwester und Bruder: Hell und dunkel. Heroisch kraftvoll erinnert es an amerikanische Filmmusik – wovon später noch mehr kommen sollte.

Erste Hochrufe und begeistertes Klatschen belohnen diesen ersten von vielen Höhepunkten. Thierry Abramovici beweist, dass Helden nicht groß und breit sein müssen. Mit deutlichen Gesten gibt der Dirigent souverän Zeichen für den Glockenschlag oder signalisiert der Trompete Zurückhaltung.

Nach dem Ausflug in skandinavische Weiten geht es aufs Meer und wer könnte heldenhafter sein als Kapitän Ahab auf der Jagd nach Moby Dick. Wie schon des Öfteren unterstützt Peter Ritter das Orchester mit der Geschichte vom weißen Wal, dieses Mal mit Kopftuch und verwegenem Bärtchen: "Of Sailors and Whales", Francis McBbeth. In fünf Sätzen erlebt der Zuhörer das Leben der Walfänger, das Rauschen der Wellen und des Windes, die wilde Verfolgung des Wales und das Chaos des Kampfes. Die Trompeten kreischen, der Trommler schlägt die Pauke schier entzwei. Und doch ist das eindeutige Highlight der fünf Sätze der ruhige Mittelteil. Eine besondere Herausforderung: Das Orchester singt einen Choral. Die Stimmung ist wunderbar andächtig und das Gänsehaut-Feeling ist da.

Exotisch geht es nach der Pause weiter: "Das Leben eines Samurai" von Satoshi Yagisawa steht auf dem Programm. Glockenspiel und Flöten verbreiten fernöstliche Stimmung. Bushido – das Leben als Krieger – wird plastisch gemacht: Kämpfen und Flucht, aber auch taumelnder Erfolg wird stark trommellastig veranschaulicht.

Die drei Finalstücke gehören amerikanischen Helden: Ein Nachruf auf John F. Kennedy – "Elegy for a young american" von Ronald LoPresti. Ohne den zu erwartenden Pathos führen Klarinette, Querflöte und Horn durch die Gefühlswelt von Schock, Wut und feierlicher Trauer.

Dafür kommt es anschließend richtig heroisch. Nun auch männlich anmoderiert von Oliver Schätzle. "Eine der 20 besten Filmmusiken aller Zeiten" – Ben Hur, gekürt mit einem Oscar für die beste Filmmusik wurde Miklós Rózsa. Sicher hat jeder der Zuhörer im Saal die Bilder vor sich: Die orientalisch klingende Liebe zu Esther, das peitschende Galeerenthema, das monumentale Wagenrennen. Die Dynamik ist mitreißend. Hollywood in der Stadthalle.

Dies ist nur noch mit einem Helden zu toppen: "Superman", wiederum Filmmusik von John Williams. Jubel, Sieg, Erfolg – Musik, die "vor Männlichkeit nur so strotzt", so Pia Schuler leicht abschätzig.

Langanhaltender Beifall lockte zwei Zugaben hervor, die ein erneuter Beweis für das hervorragendes Zusammenspiel und die sich steigernde und sinkende Dynamik im Orchester bieten: "Entry March of the Boyars", Johan Halvorsen und "Nimrod", Edward Elgar.

Ein erhebender Abend mit lokalen und globalen Helden.