Jazz trifft Orient

hjk

Von hjk

Mi, 04. Juli 2012

Waldkirch

Hochkarätiges Konzert im Elztalmuseum / Nicht nur Stilmix, sondern eine echte Synthese.

WALDKIRCH. Manchmal bedarf es nur eines kleinen Anstoßes, um langfristig etwas ins Rollen zu bringen. Als der türkische Schlagzeuger Shakir Ertek in der Freiburger Wiehre einmal dem amerikanischen Trompeter Gary Barone begegnete, nahm er sich ein Herz und fragte ihn kurzerhand, ob er nicht Lust habe, mit ihm zusammen ein paar Stücke auszuprobieren. Der Ex-Zappa-Musiker hatte.

Das war vor sechs Jahren. Seither spielen die beiden in wechselnden Formationen regelmäßig zusammen und mischen die Jazzszene mit einer einzigartigen Melange aus vertrackten orientalischen Rhythmen, ebenso diffiziler Melodik und ungewöhnlichen Harmonien ordentlich auf. Mit dem Deutschen Mike Schweizer am Saxophon, dem Franzosen Daniel Verdier am Bass und dem Niederländer Ro Kuijpers an den Congas bildeten die Musiker ein internationales Ensemble, das im Gewölbekeller des Elztalmuseums auf eine musikalische Kulturreise nach Ost und West gehen sollte.

Vor der stimmungsvollen Kulisse prachtvoller historischer Jahrmarktorgeln und eines ausgewachsenen Karussellpferdes wurde aus dem internationalen Quintett an diesem Abend spontan noch ein Sextett. Der türkische Hornist Yavuz Duman war gerade auf Durchreise und legte bei seinen Kollegen aus der Formation Grand Orientet gern einen Zwischenstopp ein.

Gleich das erste Stück vermittelte einen guten Eindruck davon, was die Zuhörer an diesem Abend erwartete. Ein sanfter 5er-Beat gibt den Rhythmus vor, weich und geschmeidig schmiegt sich Mike Schweizers Sopransaxophon in den wiegenden Rhythmus, Trompete und Horn treten hinzu. Getragen von einer meditativen Grundhaltung verschmelzen die verschiedenen musikalischen Einflüsse zu einem homogenen Ganzen.

Die Besonderheiten ihrer internationalen Spielweise demonstriert Shakir anschaulich, indem er den Völkern augenzwinkernd verschiedene Taktarten zuordnet: Da ist der straighte Amerikaner, der im geradlinigen 4/4-Takt zielstrebig drauflosspielt. Der Türke hingegen "hinkt" kunstvoll im "getürkten" 7/8- oder 5/4-Takt durch die Partitur, während die "krummen" Rhythmen der Bulgaren noch das nötige Pfeffer dazugeben. Der Türke Shakir Ertek muss es wissen, schließlich ist er mit einer Bulgarin glücklich verheiratet.

Ihre Vorliebe für die "krummen" Taktarten und verschobene Rhythmen demonstrieren die Musiker immer wieder mit Titeln wie "Break a leg", im halsbrecherischen 7/4-Takt, oder in "The wild Ride", das Garys offenbar traumatische Erfahrungen mit dem Fahrrad "in einer richtigen Großstadt (Freiburg) mit richtigem Verkehr" zum Thema hat. Aus Schweizers Saxophon ließ sich da des Öfteren das unverkennbare Signal eines Martinshorns heraushören.

Das ausgereifte Ensemblespiel und die Spielfreude der Akteure zeigten sich nicht nur in den virtuosen Solopassagen, sondern auch in dem musikalischen Entfaltungsraum, den man einander lässt: Das Sopransax eröffnet beispielsweise mit einem melancholischen Intro, dem ein gemessener orientalischer Rhythmus unterlegt wird.

Sparsame Melismen würzen eine ansonsten elegische, ausgesprochen kantable Melodielinie; auf einzigartige Weise finden die drei Blasinstrumente zu einem komplexen polyphonen Zusammenspiel. Das alles erschöpfte sich nicht in einem bloßen Stilmix, die exzellenten Musiker boten vielmehr eine gelungene Synthese aus komplexer orientalischer Rhythmik, westlich geprägter Melodik und jazzigen Harmonien.

Das begeisterte Publikum wurde im Elztalmuseum noch mit einem exzessiven Schlagzeug/Percussion-Duell von Shakir Ertek und Ro Kuijpers als Zugabe belohnt.