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17. Juni 2014

Konzentration statt Gehabe

Überzeugendes Abschlusskonzert der Meisterklasse im Barocksaal des Elztalmuseums.

  1. Robert Bärwald eröffnete das Abschlusskonzert. Foto: H. Karig

WALDKIRCH. Am Freitagabend herrschte im Barocksaal des Elztalmuseums eine Atmosphäre, die immer wieder changierte von der eines Schülervorspiels zu der eines virtuosen Klaviervortrags. So unterschiedlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem 15. Meisterkurs von Peter Feuchtwanger in Vorbildung und Alter, in Erfahrung im Konzertieren und Auftreten waren, so unterschiedlich präsentierten sie sich an diesem Abschlussabend.

Einige agierten eher vorsichtig und schienen von ihrem eigenen Auftritt überrascht, einige spielten nach Noten, andere auswendig und trugen mit viel Verve und Ausdruckswillen die vorbereiteten Stücke vor. Wieder andere ließen meisterhafte Virtuosität und eigenständige Interpretation aufblitzen.

Allen Auftretenden war gemeinsam, dass sie mit höchster Konzentration am Werk waren, dass sie auf fundiert Erarbeitetes zurückgreifen konnten und damit eine gewisse Sicherheit auszustrahlen wussten. Das kam dem individuellen Auftreten zugute und machte Unsicherheiten oder Verspieler nebensächlich.

Die ruhige Körperhaltung und die von Peter Feuchtwanger entwickelte Spieltechnik, die konzentriert auf die Federung des Handgelenks und frei von jedem klavieristischen Gehabe ist, beeindruckte. Es war von allen Spielern umgesetzt, dass für Feuchtwanger eine natürliche Spieltechnik wichtig ist, keine große Arm- oder Ellbogenbeteiligung. Die Alexander-Technik, die zum ersten Mal in den Kurs miteinbezogen war, unterstreicht seine Forderung nach einem "funktionell-natürlichen Verhalten am Klavier" (Feuchtwanger).

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Der Vielfalt der Spielarten entsprach die Vielfalt des Programms. Sie ergab sich aus der Vorliebe des Pädagogen für wenig bekannte und gespielte Klavierliteratur. Neben Mozart, Brahms, Schubert und Debussy waren mit Christian Friedrich Gottlob Schwencke (ein Hamburger Pianist, Komponist, Kirchenmusiker), Friedrich Nietzsche, Adolf von Henselt, Cécile Chaminade und Giacinto Scelsi wenig bekannte Komponisten aufgenommen. Sie alle hatten in ihrer Zeit auch als Pianisten einen Namen oder spielten zumindest selbst wie Nietzsche und Scelsi, die französische Pianistin Chaminade hatte auch als Komponistin große Erfolge, Adolf von Henselt wirkte über 40 Jahre als Pianist und Pädagoge am Zarenhof in St. Petersburg. Mit Giacinto Scelsi verbindet den Komponisten Peter Feuchtwanger die musikalische Auseinandersetzung mit fernöstlichen Philosophien. Ihre Stücke, mal sphärisch, mal in die Nähe der "minimal music" gerückt, forderten neben aller ausgeklügelten Technik für die vielen Tonwiederholungen von den Spielern vor allem die Fähigkeit, aus wenigen Tönen, aus unendlich scheinenden Tonwiederholungen heraus etwas zu entdecken und dem Zuhörer zugänglich zu machen. Dass dies passagenweise sehr gut gelang, verdiente neben aller Anerkennung fürs Konzertieren Applaus.

Autor: kar