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08. Dezember 2015

Kunst als Weg zur Selbsterkenntnis

Nach sieben Jahren endet das "Kontraste"-Projekt der Wabe für Langzeitarbeitslose mit einer großen Ausstellung im Scholz-Haus.

WALDKIRCH. Elf Mal hatten seit dem Jahr 2008 Langzeitarbeitslose in Waldkirch Gelegenheit, im Kunstprojekt "Kontraste" ihre eigenen kreativen und handwerklichen Fähigkeiten zu erkunden und dabei auch ein Stück weit sich selbst neu zu entdecken. Mehr als 100 Menschen nahmen in dieser Zeit an den Projekten teil. Ergebnisse davon sind jetzt – wo die endgültig letzte "Kontraste"-Runde zu Ende geht – im Georg-Scholz-Haus zu sehen.

Einsam fährt ein Einradfahrer über die Hochspannungsleitung: So ist es auf einem der Bilder zu sehen, das Dominik Weinreich, einer der Kontraste-Teilnehmer, als Hommage an Quint Buchholz gezeichnet hat. Es mag die Besucher daran erinnern, dass Arbeitslosigkeit, vor allem lang anhaltende, eine enorme, fast nicht zu bewältigende Herausforderung für jeden Betroffenen ist – ebenso wie das Einradfahren auf einer Stromleitung.

Dieses und mehrere Dutzend weitere Bilder, in ganz unterschiedlichen Maltechniken oder als Holz- und Linolschnitt, sowie auch einige Skulpturen waren am vergangenen Wochenende im Georg-Scholz-Haus zu sehen. Am kommenden Wochenende öffnet die Ausstellung nochmals ihre Türen. Damit hat das "Kontraste"-Projekt jetzt zu seinem Abschluss den Sprung geschafft an einen Ort, der auch sonst für die Ausstellung von Kunst – oft Berufskünstlern – reserviert ist. Ob das "Kontraste"-Projekt den Teilnehmern sogar solch eine berufliche Perspektive bieten wird, bleibt abzuwarten, aber angesichts der teils hohen Qualität der ausgestellten Bilder kann man es sich bei dem einen oder anderen sicher vorstellen.

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Die Schlussrunde des Projektes bot Gelegenheit für die Organisatoren und Beteiligten vor großem Publikum im Georg-Scholz-Haus das "Kontraste"-Projekt zu reflektieren. Frank Dehring von der Waldkircher Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft erinnerte daran, dass das Projekt elf Mal für Menschen mit einem erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt angeboten wurde. Er dankte dem Jobcenter Emmendingen für die jahrelange Unterstützung des "Kontraste"-Projekts, zumal es bei Arbeitsmarktprogrammen eher ungewöhnlich ist, dass diese über so viele Jahre – in dem Falle seit 2009 – immer wieder Zuschüsse erhalten. Gerade die Projekte zur Unterstützung und Aktivierung von Langzeitarbeitslosen seien oft sehr schnelllebig. Insofern bedankte Gehring sich auch jetzt schon für die Bewilligung von Mitteln für das Nachfolgeprojekt "Wertvoll". Sein Dank galt aber auch Wabe-Projektleiter Alexander Steck und allen Kursleitern, namhaften Künstlern aus dem Elztal. Heinz Disch vom Jobcenter gab das Lob zurück: Die Wabe sei ein verlässlicher Partner, und die brauche man, um erfolgreich gegen Arbeitslosigkeit zu kämpfen und Menschen zu aktivieren, um ihnen wieder Selbstbewusstsein zu geben.

Ulrike Schräder, eine der beteiligten Künstler, die die Anleitung der Projektteilnehmer übernahmen, berichtete, wie sie alle halbe Jahre für vier bis sechs Wochen mit den Menschen arbeitete, in ihrem Falle vor allem an Radierungen und Drucken. Dabei hätten die Teilnehmer viele für sie ungewohnte handwerkliche Dinge kennengelernt, aber das Wichtigere, Schwierigere und Spannendere sei die Ideenfindung gewesen. Diese habe immer mit der Persönlichkeit zu tun, mit einem Blick in sich selbst. Die Beschäftigung mit berühmten Malern, aber auch mit der Zeitung, Religion, Natur und anderen Themen habe die Teilnehmer für ihre Arbeiten inspiriert.

Richard Leibinger, der als früherer Oberbürgermeister von Waldkirch im Wabe-Verein und als Kunstfreund das Projekt von Anfang an begleitete, freute sich über die zahlreichen Besucher der Vernissage und deutete sie als ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber dem "Kontraste"-Projekt, dessen Begleitern und Teilnehmern. Viele der letzteren hätten durch das Projekt einen positiven Schub erhalten, die Ausstellung jetzt sei eine "der schönsten und denkwürdigsten", die er gesehen habe. Da die Arbeiten auch zum Verkauf stehen, gestand er auch gleich seine Begeisterung für den "Zeitungsträger", den einer der Teilnehmer, inspiriert durch Georg Scholz, schuf und reservierte das Bild für sich. Auch andere Besucher erkundigten sich später bei anwesenden Projektteilnehmern nach den Preisen. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch Bernd Zimmermann.

Info: Die Kontraste-Ausstellung im Georg-Scholz-Haus ist noch am kommenden Wochenende, am Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 12 Uhr zu sehen.

Autor: Sylvia Timm