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30. April 2009
Lust an Christian Morgensterns Sprachwitz
Trotz Sommerwetters und Konkurrenz kam nicht wenig Publikum zu Wolff-Ulrich Fenske in die "Art-Praxis" Waldkirch.
WALDKIRCH. Wolff-Ulrich Fenske gehört zum kulturellen Inventar des Elztals. Die Güterhalle Bleibach oder das Georg-Scholz-Haus sind nur einige seiner Bühnen – erst vor kurzem half er Lothar Beckmann bei seinem Autorendebüt als Rezitationspartner auf der Bühne der "Art-Praxis", auf die er am Samstag, gemeinsam mit seinen Musikpartnern Fridolin Steiert (Klarinette) und Wolfgang Ochsenhirt (Gitarre) zurückkehrte. Fenske gab Christian Morgenstern: Gründlich vorbereitet, mit sichtlicher Lust an leiser Ironie und klug dosierter Theatralik.
Fenske las Teile aus Morgensterns Galgenliedern und andere Texte – gab Palmström und Korf, zwei immer wiederkehrenden Namen, schön übertriebene Gestalten. Von den Aphorismen ("resignieren ist eine Gewohnheit geworden und deshalb so gemein") gab es nur wenig. Schön war die Vorausschau auf die sowieso praktischeren, künstlichen Köpfe, die über den eigenen Schädel zu ziehen und durch "Annoncen" finanziert werden. Immer wieder blitzte Morgensterns Sprachwitz auf: Ob es um den Lattenzaun ging, dem seine Zwischenräume abhanden gekommen waren oder die schwierige Frage, wie das Perlhuhn zu seinem Namen kam. Der Mensch, wusste Morgenstern nur zu gut, solle vor sich selbst auf der Lauer liegen, um nicht ein Mops zu werden, der die Mauerecke auf der Lauer liegend bewohnt. Auch die Frage, warum das Wiesel auf dem Kiesel hockt, ist von Morgenstern geklärt worden: Natürlich um des Reimes willen. Hübsch auch die Idee, sich der eigenen Schulzeit zu erinnern und freimütig einzuräumen, für eine Gedichtinterpretation eine entsprechend kapitale Note kassiert zu haben. Auch die Doppelrezitation von "Das Huhn" sorgte für Heiterkeit – Fenske führte den angsthasigen Schüler genauso wie den Ex-Berufssoldat-Pädagogen vor – weder der eine noch der andere hatten etwas vom Kern des Textes verstanden.
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Es ist angenehm, dass in Zeiten der mühelosen Verfügbarkeit von Literatur im und durch das Internet Fenske (und andere) die alte Tradition des (Vor-)Lesens hochhalten. Abende mit ihm sind nie vertan – wenn auch der Gag mit "Fisches Nachtgesang", das Fenske in zwei Sprachfassungen "vortrug", nicht mehr neu war. Ein Büchertisch wäre wünschenswert.
Autor: Frank Berno Timm
