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27. November 2009

Mehr Moral durch Mitbestimmung

"Ist christliche Sozialethik marktfähig?" lautete die Frage an Sozialethiker Friedhelm Hengsbach bei einer Diskussion in Waldkirch

  1. Projektmanager Tim Kaiser, Gesprächsleiter Herbert Schweizer und der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach (von links) diskutierten über die Marktfähigkeit christlicher Sozialethik. Foto: Nora Scholz

WALDKIRCH. Eine neue Verteilungsgerechtigkeit in Unternehmen forderte der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach, Professor aus Ludwigshafen, jüngst bei einer Diskussion im Rahmen der Sozialtage Südbaden zu der Frage "Ist christliche Sozialethik marktfähig?" im katholischen Gemeindezentrum Waldkirch. Herbert Schweizer aus Waldkirch leitete das Gespräch, zu dem außer Hengsbach als Vertreter der Wirtschaft der Projektmanager Tim Kaiser aus Freiburg eingeladen war.

Hengsbach rief dazu auf, mit der "Vorstellung des Teilens" ernst zu machen. Konkret schlägt er eine größere Mitbestimmung von Beschäftigten in Unternehmen vor. Aus Sicht der christlichen Soziallehre sei dies eine notwendige Reaktion auf die derzeitige Krise. Auf der Basis sozialethischer Prinzipien wie der Gerechtigkeit, des Gemeinwohls und der Solidarität müsse ein umfassender Dialog entstehen, in dem politisch engagierte Christen eng mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie Attac zusammen arbeiten. In der Erkenntnis, dass der Markt nicht über Selbstheilungskräfte verfüge, sondern durch den Staat und alle Beteiligten der Gesellschaft geheilt wird, liege die Chance, die "Systemfehler" zu beheben.

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Mehr Moral in der Wirtschaft sei deshalb das hochaktuelle Thema – gerade in Zeiten der großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Forderungen nach ethischem Handeln in Unternehmen zur Eindämmung hemmungsloser Gier und unverantwortlichem Agieren sind in aller Munde – mit hoch emotionalen Themen wie vor allem überhöhte Managergehälter. Hengsbach betont, diese Löhne müssten sich vor den Menschen am unteren Ende der Einkommensverteilung rechtfertigen lassen. "Nicht Herr Ackermann, sondern die Putzfrau", müsse über die Differenz zwischen der Entlohnung bestimmen.

Für den Sozialethiker ist klar: Es gibt keinen Widerspruch zwischen Wirtschaft und Moral. Im Gegenteil: Was moralisch geboten ist, sei wirtschaftlich vernünftig. Und deshalb müsse Moral im Unternehmen einen Preis bekommen. Genau so wie Ökologie mit der Ökosteuer oder Emissionsrechten in die Bilanz der Unternehmen einfließt. Vom Vertreter der Wirtschaft, Tim Kaiser, war in der Diskussion eher wenig zu hören. Er blieb zurückhaltend und vorsichtig in seinen Aussagen. Auf Nachfrage der BZ erklärte er lediglich, dass er sich nicht vorstellen könne, wie die christliche Sozialethik für die Wirtschaft kompatibel zu machen sei. So lieferte die Diskussion insgesamt keine befriedigende Antwort auf die Frage, inwieweit christliche Sozialethik in der Wirtschaft praxisfähig ist.

Die meist sehr emotionalen Stimmen aus dem Publikum indes zeigten deutlich: Der Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit, besseren Bedingungen und Chancen für alle herrscht vor.

Autor: Nora Scholz