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05. Mai 2010

Nichts für die Schublade

Die Bilder der iranischen Malerin Azam Mashadi zeigen in der Art-Praxis in Waldkirch eine "Reise ins Licht".

WALDKIRCH. Viel Grün ist zu sehen, Blau und Gelb. Gesichter erscheinen nur auf den älteren Arbeiten von Azam Mashadi, die gerade in der Art-Praxis von Günter Henning ihre erste Waldkircher Ausstellung "Eine Reise ins Licht" vorbereitet. Der Titel ist treffend: In dunkle, angedeutete Räume fällt Licht, oft als Schatten, immer aber zurückgenommen und vorsichtig, nie allzu sehr Optimismus verbreitend. Konkretes ist selten zu sehen: Manchmal sind Häuser angedeutet, Tauben, Figuren. Noch im Iran entstandene Gemälde wirken beklemmend, fast dramatisch – wenn auch nicht auf die von manchen vielleicht erwartete Weise.

Die Vermutung, es könnte um eine Auseinandersetzung zweier Kulturen, zweier Lebenswelten gehen, schiebt Azam Mashadi im Gespräch beiseite. Kunst brauche Freiheit, stellt sie klar. Ihre Bilder befassten sich nicht mit Politik. Hausherr Günter Henning wirft ein, mit diesen Farben würde eine Frau aus unserem Kulturkreis nie malen – Azam Mashadi ergänzt, weil es im Iran viel wärmer sei als hier, "ist Gelb wirklich gelb und Blau wirklich blau". Die immer wieder erscheinende Taube – und das ist eine der ganz wenigen, konkreten Erläuterungen – ist als Symbol für Freiheit gemeint. Doch es geht um einen viel umfassenderen Begriff von Freiheit. Schnell wird klar: Azam Mashadi hat in ihrer Arbeit die Auseinandersetzung mit dem Iran, das Hier-oder-Dort, längst hinter sich gelassen: "Ich will in Deutschland bleiben", sagt sie. Der Iran sei dennoch ihre Heimat, sie reist zu Besuchen ihrer Familie dorthin, seit zwei Jahren lebt sie nun im Waldkircher Ortsteil Siensbach.

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Azam Mashadi findet, alle Menschen wollten Freiheit, Hoffnung, hätten Wünsche. Dafür stehe das Licht in ihren Bildern, erklärt sie. Die Figuren seien oft im Dunkeln, strebten ins Licht, in die Farbe. Während ihres Studiums in Teheran wurde sie kritisiert, weil sie in ihren Bildern viel Rot verwendete – das versteht sie bis heute nicht. Mashadi erinnert sich daran, dass in ihrer Heimat die Frage, welches Bild in einer Ausstellung gezeigt wurde, von der Politik entschieden wurde. Freiheit sei für eine Künstlerin die absolute Voraussetzung, arbeiten zu können. Azam Mashadi unterrichtete im Iran Kunst an einer Grundschule, ging aber dann nach Brüssel, um Bildhauerei zu studieren. 2001 kam sie nach Deutschland. Der Iran versteht sich als islamische Republik – welche Rolle spielt Religion für die Künstlerin? "Wir sind Muslime", sagt Mashadi, aber religiös sei ihre Kunst nicht. Um so interessanter ist, dass manche Bilder an das Innere von Kirchen erinnern. Günter Henning sieht orientalische Momente, angedeutete Städte. Sicher ist: Mashadi passt in keine Schublade, sie bedient keine oberflächlichen Erwartungen. Die Kunst der Iranerin ist weit entfernt vom – meist nur angerissenen – "Konflikt" zwischen Islam und westlicher Welt; die Auseinandersetzung um die derzeitige Politik in ihrem Heimatland lässt sie ohnehin links liegen; was gewiss keine falsche Entscheidung ist.

Azam Mashadi spricht eine eigene, einnehmende und interessante Sprache in ihrer Kunst, mit der man sich häufiger befassen möchte. – "Eine Reise ins Licht" wird am 8. Mai um 19 Uhr eröffnet und ist bis 13. Juni zu sehen.

Info: Azam Mashadi, Eine Reise ins Licht,

Art-Praxis Waldkirch, Lange Straße 51/Ecke Schusterstraße; geöffnet Sa/So 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung unter 0174/387725.

Autor: Frank Berno Timm