Politik im Streifenwagen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 12. September 2018

Waldkirch

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle begleitete eine Nachtschicht der Polizei Waldkirch.

WALDKIRCH (BZ). Die Polizeistruktur und -ausstattung gehört zu den Aufgaben der Landesregierungen. Um sich hier genauer über die Bedingungen und Auswirkungen von Neuregelungen zu informieren, besuchte die Waldkircher SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle das hiesige Polizeirevier.

Es ist 20 Uhr, als die Dienstbesprechung für die Nachtschicht an diesem Samstagabend im Revier Waldkirch beginnt. Fünf Beamte auf zwei Streifen verantworten an diesem Wochenende die Sicherheit im Elztal. "Wir sprechen in vielen Plenardebatten über die öffentliche Sicherheit und meinen zu wissen, was die im Einsatz befindlichen Polizistinnen und Polizisten brauchen. Ich möchte jedoch von den Beamtinnen und Beamten vor Ort erfahren, was sie benötigen und was konkret verbessert werden kann", so Wölfle.

Neben der Besprechung der aktuellen Einsatzschicht nutzte die Landtagsabgeordnete die Gelegenheit für Nachfragen, auch zum Thema Polizeistrukturreform. In der vergangenen Legislaturperiode wurde unter dem damaligen SPD-Innenminister Reinhold Gall mit der Polizeistrukturreform eine der umfangreichsten Reformen in der Geschichte der Polizei in Baden-Württemberg durchgeführt. Statt einer Vielzahl unüberschaubarer Direktionen wurden zentrale und regionale Polizeipräsidien eingerichtet. In Waldkirch sei man mit der aktuellen Zuschneidung zufrieden, so die Beamten.

Nach der umfangreichen Dienstbesprechung zeigten die Beamtinnen und Beamten Sabine Wölfle ihre Einsatzausrüstung und die damit verbundenen Schwierigkeiten – zum Bespiel die neue Anti-Terror-Schutzausrüstung, mit welcher alle baden-württembergischen Streifenwagen in Reaktion auf die Attentate in Paris ausgestattet wurden. Bei so viel Material wird es im Fahrzeug eng.

Neben Gesprächen über die Ausbildung, die Laufbahnen und die Ausstattung interessierte sich Sabine Wölfle vor allem auch für das Thema Arbeitsbelastung. Wie sehen die Schichtmodelle aus? Welche Teilzeitmodelle stehen zur Verfügung? Wie verhält es sich mit der Familienfreundlichkeit? Themen, über die die Polizisten im Streifenwagen ausführlich berichteten. Die Erfahrungsberichte seien für Wölfle neben Impulsen für die politische Arbeit in Stuttgart auch für die Wahlkreisarbeit essentiell. "Sicherheitspolitik ist bis zu einem gewissen Grad auch Sozialpolitik. Einen schwachen Staat können sich nur Reiche leisten", so die Sozialpolitikerin.

Neben zahlreichen Fällen von leichter Ruhestörung mussten die Beamten in dieser Nacht auch Fällen häuslicher Gewalt nachgehen. Diese Einsätze seien nicht immer einfach und, gerade wenn Kinder involviert sind, emotional belastend. "Diese Fälle bringen jeden Menschen an seine Grenzen der Belastbarkeit. Ich bin überwältigt und überrascht, wie viel soziale Arbeit die Beamtinnen und Beamten im Einsatz leisten müssen", so Wölfle, die versprach, sich im Rahmen einer parlamentarischen Initiative mit dem Thema Kinderschutz zu beschäftigen. Oft fehle es am Wochenende an geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für verwahrloste oder traumatisierte Kinder.

Mit großem Respekt für die Arbeit der Polizisten aus dem Polizeirevier Waldkirch endete der Einsatz für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sabine Wölfle um 3 Uhr nachts. "Es war eine sehr prägende Erfahrung für mich. Ich bin sehr beeindruckt von der Arbeit der Frauen und Männer, die sich für unsere Sicherheit einsetzen. Die Vorschläge und Kritikpunkte werde ich parlamentarisch bearbeiten und entsprechende Ideen auch in meine Fraktion tragen."