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06. Juni 2010 15:14 Uhr

Postfiliale schließt

Postpaket trifft Schokoladentafel

Postkunden müssen sich demnächst an neue Wege gewöhnen: Vesna Müller, Einzelhändlerin des Ladens "Dius Vita", übernimmt die Serviceleistungen der Waldkircher Post. Letztmalig geöffnet ist die bisherige Postfiliale am Montag, 14. Juni.

  1. Vesna Müller zieht ein Haus weiter, vergrößert ihr Geschäft und übernimmt die Aufgaben der Post. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Gute Schokolade, Gewürze, Postkarten. Taschen, Geschirr und Uhren. Kräuter und Tee. Essenzen für die Badewanne, die nötige Wäsche dazu, alles für den Espresso danach: Seit Januar wird der Kunde bei Vesna Müller, die über "Dius Vita" in der einstigen BZ-Geschäftsstelle an der Lange Straße herrscht, auch seine Briefe los und bekommt den passenden Briefumschlag dazu, falls gewünscht. Demnächst wird die Geschäftsfrau einpacken und umziehen – ein Haus weiter (früher Drogeriemarkt Schlecker).

Postfächer, Schalter, Briefmarkenautomat

Dort ist noch eine Menge zu erledigen. Mit Klebestreifen und Tapeten hat Vesna Müller markiert, wie sie den Raum einrichten will: Vorne links soll die Ladentheke von "Dius Vita" entstehen, am hinteren Ende des Raums werden zwei Postschalter installiert. Postkunden bekommen einen Tisch, um ihre Sendungen herzurichten - im Laden wird es dazu verschiedene Regale für das passende Sortiment geben. Auch Postfächer werden ihren Platz finden. "Die Kunden können dann hier durch den Laden – und hier wieder herausgehen", beschreibt Vesna Müller durchaus lebhaft, wie sie sich den Betrieb in ihrem neuen Geschäft vorstellt. Am 15. Juni soll es losgehen.

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Privatisierung der Post soll 2011 beendet sein

Im bisherigen Geschäft hat Vesna Müller bis zu 150 Postkunden am Tag: "Das hat sich so eingependelt." Wie sich das auf ihr Geschäft auswirkt, kann sie noch nicht sagen. Momentan betreibt sie die kleinstmögliche Form einer Postagentur, im neuen Laden wird sie dagegen das komplette Postangebot haben mit Ausnahme von Postbank-Leistungen. Auch Briefkasten und -markenautomat werden vor dem Haus angebracht. "Dius Vita" übernimmt also die Aufgaben der bisherigen Post im Ort. Vor mehr als zehn Jahren, sagt Müller, habe die Post angefangen, alle Filialen zu privatisieren – dieser Prozess solle bis Ende 2011 abgeschlossen sein, "das ist der eigentliche Grund dafür, dass die Post zumacht".

Letzter Post-Tag ist am 14. Juni

Vesna Müller wird in ihrem neuen Geschäft nach jetzigem Stand "drei bis vier Leute" beschäftigen. Bisher hat sie 50 Quadratmeter Ladenfläche, dann werden es 140 Quadratmeter sein. Von jetzt 800 bis 1000 Artikeln will sie auf 1300 bis 1500 ausbauen. "Ich bin offen, auf die Wünsche meiner Kunden einzugehen", sagt die Geschäftsfrau, auch an den Bedürfnissen in der Innenstadt wolle sie sich orientieren. Die Stadt habe ihr signalisiert, dass die drei Lieferantenparkplätze vor dem Geschäft von Paketkunden kurz und kostenlos genutzt werden dürften. Der Eingang in den Laden ist barrierefrei: "Eigentlich ist das Geschäft ideal". Jetzt muss noch etwas renoviert und eingerichtet werden. Letzter Posttag im "Dius Vita" ist am 8. Juni, das komplette "Dius Vita" macht am 10. Juni zu. Die Post an der Lange/Freien Straße bleibt bis einschließlich 14. Juni geöffnet. So geht der Postbetrieb nahtlos weiter, denn am 15. Juni öffnet das neue "Dius Vita" wieder.

Zweiter Standort möglich

Damit geht in Waldkirch eine Ära zu Ende. Laut Postsprecher Hugo Gimber werden die Postbeschäftigten auf anderen Arbeitsplätzen weiter eingesetzt. "Für die Deutsche Post ist es wirtschaftlicher, ihre Produkte und Dienstleistungen über Partner anzubieten", sagt auch Gimber. Inzwischen würden bundesweit mehr als 13 000 Filialen in dieser Form betrieben. "Die Kunden profitieren so von längeren Öffnungszeiten und der Möglichkeit, mehrere Dinge auf einmal zu erledigen", sagt der Sprecher. Gegenüber der Stadtverwaltung erklärte die Deutsche Post AG, dass sie einer weiteren Agentur in Waldkirch, lieber außerhalb der Innenstadt, offen gegenüber stehe, aber noch keinen Partner habe.

Info: Lesen Sie dazu auch unseren historischen Rückblick in der gedruckten Montagausgabe im Elztal.

Autor: Frank Berno Timm