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18. Januar 2016

Reparieren statt Wegwerfen

Am Dienstag findet ein Infoabend zum geplanten Repair-Café in Waldkirch statt / Bastler und Hobby-Handwerker willkommen.

  1. Alles Schrott? Mit der Eröffnung des Repair Cafés in Waldkirch müssen nicht mehr alle kaputten Haushaltsgegenstände auf dem Müllplatz landen. Vieles davon kann mit ehrenamtlichen Engagement wieder repariert werden. Foto: Judith Burchard

WALDKIRCH. Die Waldkircher Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft und die Arbeiterwohlfahrt Waldkirch sind unter anderem für die Integration von Langzeitarbeitslosen, ihre Seniorenveranstaltungen und eine umfangreiche Sozialbetreuung bekannt. Jetzt eröffnen sie gemeinsam ein Repair-Café in Waldkirch. Interessierte Handwerker, Handarbeiter und Bastler sind am 19. Januar zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Ob Föhn, Schürze, Spielzeug oder Kaffeemaschine: Nichts hält dem Lauf der Zeit stand und versagt früher oder später seinen Dienst. Dann ist es meistens ein Fall für den Müll und wird entsorgt. Vielen Besitzern ist eine Reparatur zu teuer und so wird Altes einfach durch Neues ersetzt, obwohl man es noch reparieren könnte. Im Schnitt produziert so jeder Deutsche fast 22 Kilogramm Elektroschrott jährlich. Doch nicht nur kaputte Gegenstände sollen im Repair-Café in Waldkirch ab März für den weiteren Gebrauch wiederhergestellt werden. Die Waldkircher Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wabe) und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Waldkirch möchten außerdem einen Raum des sozialen Zusammenkommens für Alt und Jung schaffen.

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Die Idee des Repair-Cafés stammt von der Niederländerin Martine Postma. Im Jahr 2009 hat sie das erste Repair-Café in Amsterdam ins Leben gerufen. Mittlerweile erfreut sich dieses Konzept großer Beliebtheit: Beinahe 1000 offizielle Repair-Cafés gibt es weltweit, in welchen sich jedermann unter der Anleitung von ehrenamtlichen Fachmännern und Hobbyhandwerkern um die Reparatur seiner elektrischen Kleingeräte und Haushaltsgegenstände bemühen kann. Auch in unserer Region sind diese Einrichtungen nicht neu: In Offenburg, Freiburg und Emmendingen haben sich die Selbsthilfewerkstätte bereits bewährt und finden großen Zuspruch. Im Repair-Café der 48° Süd GmbH in Emmendingen ist der Andrang sogar so groß, dass während der Veranstaltungen, die in einem mehrwöchigen Turnus stattfindenden, gar nicht alle Reparaturen durchgeführt werden können, berichtet Martin Schamotzki, stellvertretender Vorsitzender der Awo Waldkirch, nach einem seiner Besuche. Vielleicht wird die Waldkircher Variante hier bald Abhilfe schaffen.

Doch nur um die Kultur des Reparierens geht es den Waldkircher Initiatoren Wabe und Awo bei der Umsetzung dieses zukunftsweisenden Projekts nicht. Es soll ein Ort des sozialen Zusammenkommens entstehen, welcher die Möglichkeit bietet sich fachlich auszutauschen und gemütlich beisammen zu sein, erklärt Klaus Laxander, Vorsitzender der Awo Waldkirch. Zusätzlich stellt das Repair-Café im Zuge des Projektes "Wertvoll" eine Chance für Langzeitarbeitslose dar, ohne großen Druck wieder ins Arbeitsleben einzusteigen sowie Mut und Selbstbewusstsein zu gewinnen. Um dies zu ermöglichen, arbeitet die Wabe mit dem Jobcenter in Emmendingen zusammen. Interessierte Kandidaten werden an die Wabe vermittelt, so Heinz Disch, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Emmendingen.

Neben einer sozialpädagogischen Betreuung wird ganz individuell auf die Talente und Probleme der Teilnehmer eingegangen und unter Anleitung an verschiedenen Projekten – etwa "urban gardening", "upcycling" (der Aufwertung von Nutzlosem und Abfallprodukten) und eben auch recyceln – mitgewirkt, erläutert der Leiter des Sozialen Dienstes, Alexander Steck. Frank Dehring, Geschäftsführer der Wabe strebt an, dass sich mit ihren entdeckten und versteckten Talenten optimalerweise auch einige dieser Arbeitslosen im Repair-Café einbringen und einen wichtigen Teil gemeinnütziger und wertvoller Arbeit leisten. So wird nicht nur der nachhaltige und bewusste Umgang mit Ressourcen gefördert, sondern auch eine sinnvolle und wertvolle Tätigkeit geschaffen, die zu Zufriedenheit und Erfolgserlebnissen führen kann.

Zum größten Teil soll das Repair-Café aber von engagierten Ehrenamtlichen getragen werden, die gerne miteinander und füreinander werkeln möchten. Ein Teil der notwendigen Werkzeuge wird dabei bereitgestellt, aber auch die eigene Werkzeugausstattung oder Nähmaschine sind willkommen, erklärt Laxander das geplante Vorgehen. Vom Schlosser und Tischler bis zum Elektriker oder Schneider wird jeder begrüßt, der ein Repair-Talent mitbringt und Lust hat mit anderen in Kontakt zu treten und sein Wissen weiterzugeben. Denn ein anonymes "Drop-n-Go" soll das Waldkircher Repair-Café nicht darstellen, sondern einen Ort, der sozialen Mehrwert schafft.

Natürlich wird das Repair-Café seinem Namen gerecht auch Kaffee und selbstgebackenen Kuchen anbieten und somit all diejenigen, die auch ohne Reparaturanliegen an der Repair-Atmosphäre teilhaben möchten, willkommen heißen. Ab März soll das Café alle vier bis acht Wochen von 10 bis 14 Uhr im Awo-Stüble in der Schlettstadtallee 9 geöffnet sein.

Info: Für interessierte Ehrenamtliche, die gerne am Repair-Café mitwirken möchten, findet am Dienstag, 19. Januar, um 19 Uhr im Awo-Stüble eine Infoveranstaltung statt.

Autor: Judith Burchard