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11. Dezember 2008

Satte Klangfülle und die Tiefe der Taiga

Der russische Männerchor "Anima" begeistert Publikum in der evangelischen Kirche Waldkirch

  1. Das russische Männersextett Anima in Waldkirch. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Viele Zuhörer lauschten in der evangelischen Kirche am Rand der Stadt dem Petersburger Männer-Sextett "Anima". Was die sechs Sänger unter Leitung von Victor Smirnow boten, war exzellent und nahezu makellos. Allenfalls Victor Smirnows Stimme wirkte in wenigen Passagen leicht belegt. Schade, dass das ausgedruckte Programm mit dem gebotenen nur teilweise übereinstimmte und die weiteren Mitwirkenden (Innokenti Jaroslawski, Maxim Mostovoy, Alexej Buzakin, Petr Samoylin und Sergej Pleschak) am Schluss von Smirnow, der mit Charme und  viel Kompetenz durchs Programm führte, nur kurz genannt wurden.

Das Publikum folgte dem Programm aus knapp 20 Nummern mit wachsender Begeisterung. Das ist insofern bemerkenswert, als die sechs sich allen Klischees á la russischer Seele und Schmelz recht konsequent verweigerten. Schließlich sind rund 500 Jahre alte liturgische Gesänge, mit denen "Anima" das Konzert eröffnete, in ihrer scheinbar schlichten Pentatonik durchaus  anspruchsvoll.

Beeindruckend die stimmliche Weite des Sextetts vom Countertenor bis zum tiefen Oktavbass – so entsteht eine selten gehörte, satte Klangfülle. Das Programm war ein Weg durch die russische (Kirchen-)Musikgeschichte mit Ausflügen in die serbisch-orthodoxe Kirche und zurück bis zu den Byzantinern. Doch nie wurde das Programm allzu überschwänglich, selbst wenn Harmonien bis in den Jazz reichten. "Anima" verfügt über alle handwerklichen Fähigkeiten, die der Zuhörer von einem solchen Ensemble erwartet – Gespür für Details, Stimmkraft, Volumen und beneidenswerte Präzision.

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In der zweiten Hälfte wurden zuweilen die Noten aus der Hand gelegt, hübsch, fast swingend, war ein jiddisches Lied, absolut authentisch die in Musik gesetzte Weite der Taiga; beeindruckend die Solis. Dass "Anima" eine Hand für gute, immer wieder auch ausgezeichnete Arrangements hat, zeigte die Zugabe: "Guten Abend, gute Nacht" war im besten Sinn romantisch. Man müsse in Deutschland lange suchen, um ein Ensemble dieser Qualität zu finden, meinte Professor Rolf Schweizer, über den die Organisation gelaufen war. Am Freitag ist "Anima" in der evangelischen Kirche Sexau nochmals zu hören.

Autor: Frank Berno Timm