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20. April 2017

Schutzmaßnahmen gegen Diebstahl

Drei Fachleute referierten bei der Werbegemeinschaft über Einbrüche, Ladendiebstahl und Vorbeugung wie etwa Videoüberwachung.

  1. 2014: Der Tresor der Gutacher Gemeinde ist wieder da. Foto: Gemeinde

  2. Klare Ansage: Ein Laden in Titisee-Neustadt. Foto: Amandine Cornier

WALDKIRCH. Die Zahl der Einbrüche nehmen auch abseits der Autobahn A5 zu. Ein beliebtes Objekt bei Tätern sind unter anderem 300 Kilogramm schwere, nicht verschraubte Tresore mit Geldbeständen. Und im Einzelhandelsbereich ist der gewerbsmäßige Diebstahl ein Problem. Wie die Sicherheit im Betrieb erhöht werden kann, referierten auf Einladung der Werbegemeinschaft Waldkirch Frank Erny und Rolf Geckle von den Polizeipräsidien Freiburg und Karlsruhe sowie Dieter Perin, Inhaber der Firma click4time.

Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sagte Uwe Klos, der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Deshalb fordere der Hauptverband des Einzelhandels konsequente Bestrafung von Ladendiebstahl.

Schwerpunkt der Einbrüche in der Region sei entlang der Autobahn A5, sagte Frank Erny, vom Referat Prävention im Polizeipräsidium Freiburg; Waldkirch und das Elztal seien nicht sehr stark betroffen, jedoch nähmen in den letzten Jahren auch abseits der A5 die Einbrüche zu. Im Gegensatz zu Einbrüchen in Wohngebieten habe der Täter in Gewerbegebieten mehr Zeit, dort gebe es keine soziale Kontrolle. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort ein Täter gesehen wird, sei gering. Als vorbeugende Maßnahmen hätten sich eine mechanische Grundsicherung in Kombination mit Einbruchmeldeanlage und Videoüberwachung bewährt. Zunehmend, so Erny, lassen sich Täter auch von einer Einbruchmeldeanlage nicht abschrecken und machen einen "Blitzeinbruch": Das heißt, die Täter versuchen, schneller zu sein, denn es dauere immer eine gewisse Zeit, bis der alarmierte Sicherheitsdienst vor Ort ist. Während im privaten Bereich Stemmeisen oder Ähnliches zum Öffnen von Tür oder Fenster zur Anwendung kämen, komme im gewerblichen Bereich schweres Gerät wie Flex und Schweißgerät zum Einsatz. Erny empfahl, Werkzeuge, die Tätern den Einbruch erleichtern könnten, unzugänglich aufzubewahren. Gestohlen würden entweder spezielle Produkte oder der Tresor. Dessen Gewicht stelle kein Hindernis dar. Erny empfahl deshalb dringend, den Tresor, "auch wenn er 1,5 Tonnen wiegt", an Boden und Wand festzuschrauben. Immer interessant sei Bargeld, da es nicht einem Einbruch zugeordnet werden kann. Erny legte den Geschäftsleuten nahe, das Bargeld immer zu unterschiedlichen Zeiten und ohne erkennbares Muster abzuschöpfen. Wird ein Objekt videoüberwacht, sei die Hemmung groß, es auszuspionieren. Auch Anwesenheit vorzutäuschen, erhöhe das Risiko für den Täter.

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Rolf Gelke, Leiter der Koordinierungsstelle Ladendiebstahl im Polizeipräsidium Karlsruhe, erklärte, wie gewerbsmäßiger Ladendiebstahl funktioniert: "Es gibt Leute, die davon leben, Waren im Laden zu stehlen und zu verhökern." Oft komme ein Täter mehrfach, irgendwann erwische man ihn. Dies sei aber nur der erste Schritt. Hinter dem Täter gebe es noch den Residenten, der dem Täter sagt, was er zu machen hat, ihm Kost und Logis gewährt. Gewerbsmäßiger Ladendiebstahl könne mit wenig Personal nicht aufgedeckt werden. Die Mitarbeiter müssten die Möglichkeit haben, den Verkaufsraum zu überwachen. Im ersten Schritt könne man auf verdächtige Kunden zugehen und fragen, ob man helfen kann. Aber oft werde es den Tätern leicht gemacht. Wenn Mitarbeiter einen Verdacht haben, solle man den Täter beobachten, bis er klaut. Eine Warensicherung schütze nicht vor Diebstahl. Gelke zeigte, wie sie entfernt oder unwirksam gemacht werden kann. Wenn jemand beim Diebstahl beobachtet wurde, ist die beste Möglichkeit ihn festzunehmen, wenn er den Kassenbereich passiert hat. Ohne ihm den Fluchtweg zu verstellen, soll er dann im Abstand von 1,5 Metern von hinten angesprochen und aufgefordert werden, mit ins Büro zu kommen. "Bitte begeben Sie sich nicht in Gefahr", sagte Gelke und empfahl, den Täter zu beobachten. Denn manchmal werfe der das Geklaute weg. Die Ware sollte gesichert werden, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen – was der Täter in der Hand hatte, sei von polizeilicher Relevanz. Zum Schluss wies Gelke darauf hin, dass laut einer Studie Mitarbeiter genauso viel stehlen wie Kunden.

Wie mit Videoüberwachung Täter von Diebstahl und Einbruch abgehalten werden können, berichtete Dieter Perin, Inhaber der Firma click4time in Waldkirch. Netzwerklösungen erreichten ein neues qualitatives Niveau bei der Schärfe der aufgenommenen Sequenzen. Perin zeigte viele Situationen, in denen eine effiziente Videoüberwachung geholfen habe, den Schwund zu minimieren. Dabei gebe es für jeden Einsatzbereich einen anderen Kameratyp. Gespeichert werden die aufgenommenen Videosequenzen in der Regel zentral auf einem Rekorder oder PC. Für den Inhaber ist auch Fernzugriff auf die Daten möglich. Bei Bedarf kann eine Datei exportiert und durch die Polizei überprüft werden. Perin wies darauf hin, dass in Deutschland Videoüberwachung streng reglementiert ist. So dürfen beispielsweise Passanten nicht gefilmt werden. Die vorgestellte Netzwerklösung biete aber eine Lösung des Problems an. "Die abschreckende Wirkung einer Videoüberwachung ist ganz groß", fasste Perin seine Erfahrungen zusammen.

Autor: Gabriele Zahn