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29. September 2009

Schwarzer Humor auf rotem Plüsch

Ab 9. Oktober bringt das "Theater in der Kantine" mit "King Kongs Töchter" ein neues Stück auf die Bühne / Ein Probenbesuch.

WALDKIRCH. Eine niedrige Decke, ein düsterer und kahler Raum. Aus einer längst vergangenen Zeit scheinen die Luftschlangen zu stammen, die vereinzelt von der Decke hängen. Fenster geben den Blick frei auf die Landschaft draußen. Irgendwie trostlos erscheint alles und so still. Dann sind zwei alte Damen auf der Bühne und die Stimmung schlägt um. Das Tempo zieht an. Kurios sind die beiden allemal: Die jugendlich naiv wirkende Frau Greti (Helga Fehrenbach) spricht von ihren "jungfräulichen Schlupfwinkeln" – denn, so ist sie überzeugt, den Männern hat sie noch allerhand zu bieten. Nur so einen alten, gebrechlichen will sie nicht mehr. Frau Albert (Ruth Sander) ist dement, ziemlich von der Rolle, etwas hypochondrisch und hört ihrer Freundin kaum zu. Denn sie hat einen Glücks-Kettenbrief erhalten, der sie auf Wolke Sieben schweben lässt. Dann fällt ihr doch noch etwas ein: Von der Hinrichtung der Frau Greti habe sie geträumt, erzählt sie. "Da haben wir einen Elektriker geholt und deine jungfräulichen Schlupfwinkel waren futsch, futsch, futsch." Bitterböse geht es in diesem Altenheim manchmal zu.

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Die drei Pflegerinnen, von den Alten nur als "Kellnerinnen" bezeichnet, nehmen buchstäblich das Leben ihrer Schützlinge in die Hand. Sie bestimmen den Zeitpunkt ihres Todes und inszenieren ihr Sterben in den Todesszenen großer Stars: Clark Gable auf der Badematte, Fred Astaire auf der Treppe, Mae West schließlich auf dem roten Plüschsofa. Der Tod ist faszinierend, er ist erotisch, er ist der groteske Höhepunkt ihrer langweiligen Heim- routine. "Chefdisponentinnen" nennen sich die Pflegerinnen und gebärden sich als Schicksalsgöttinnen, um der Hilflosigkeit, die sie in ihrem Beruf empfinden, wenigstens kurz zu entkommen.

"King Kongs Töchter. Schauspiel in 13 Szenen" heißt dieses Stück. Geschrieben hat es Theresia Walser, Tochter des Schriftstellers Martin Walser, und sie liefert schwarzen Humor höchster Güte. Das Altersheim ist voller skurriler Bewohner, welche die Nerven ihrer Pflegerinnen keineswegs schonen – bis diese sich schließlich aufschwingen zu Herrschern über Leben und Tod. Es geht ums Altsein, ums Sterben und um Missstände im Pflegeheim – ohne erhobenen Zeigefinger. Am 9. Oktober hat das "Theater in der Kantine" Premiere mit diesem originellen Stück.

Das Thema ist aktuell wie kaum ein anderes: Die Gesellschaft wird immer älter, die Zahl der Demenzkranken steigt. Angehörige bringen sie in Heimen unter, weil sie selbst die Betreuung nicht übernehmen können. Die Pflegerinnen und Pfleger dort sind unterbezahlt und allein gelassen. Ohne moralisierend zu sein, wirft Walser in dem Stück Fragen auf: Wie gehen wir um mit den Alten unserer Gesellschaft? Wie können wir ihnen ein menschenwürdiges Leben und einen ebenso würdigen Tod ermöglichen?

Es sei ihm wichtig, neue Perspektiven auf die alten Menschen zu eröffnen, sagt Stefan Wiemers, der gemeinsam mit seiner Frau Margit Wierer Regie führt – wie auch bei der letzten Produktion "Hysterikon" 2008. Ganz gleich, wie schrullig und dement die Figuren in dem Stück auch seien – sie würden nie der Lächerlichkeit preisgegeben.

Es ist ein schwieriges Thema, dem Theresia Walser und das seit 1985 bestehende "Theater in der Kantine" sich annehmen. Eine Gratwanderung zwischen bitterem Ernst und schwarzem Humor. Die Bühne ist ein Ort scheinbar außerhalb dieser Welt – oder ist er doch unheimlich real? Man darf sehr gespannt sein, was dort am 9. Oktober noch so alles passiert.

TERMINE UND KARTEN

Premiere ist am 9. Oktober um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen gibt es bis zum 14. November jeweils freitags und samstags auch um 20 Uhr. Einlass ist um 19.30. Die Vorstellungen finden statt im "Theater in der Kantine" in der Freiburger Straße 20. Karten sind erhältlich in der Buchhandlung Augustiniok oder über das Kartentelefon: 0761/473663. Weitere Informationen unter www.tik-waldkirch.de.tl  

Autor: bz

Autor: Nora F. Scholz