So viele Zuhörer wie noch nie

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Do, 26. Oktober 2017

Waldkirch

Das Jahreskonzert des Akkordeon-Clubs Waldkirch war zugleich Anlass für die Übergabe des Dirigentenstabs an Viktor Trippel.

WALDKIRCH. In der voll besetzten Festhalle Siensbach präsentierte der Akkordeon-Club Waldkirch ein fulminantes Konzert. Hauptorchester, Jugend- und Seniorenensemble brannten unter dem Motto "Spirit of Life" ein Feuerwerk an Gefühlen wie Liebe, Leidenschaft und Lebensfreude ab. Das Konzert war das Abschiedskonzert von Dirigentin Ines Weber, die seit Mai letzten Jahres beim Hauptorchester den Takt angab.

"Es ist bombastisch", begrüßte Vorsitzender Reiner Ringwald, "so viele Zuhörer haben wir noch nie gehabt". Wegen der vielen Besucher wurden weitere Stühle aufgestellt und so die noch wenigen freien Stellen am Sonntagnachmittag in der Festhalle Siensbach ebenfalls gefüllt.

Unter der Leitung von Ines Weber startete das Hauptorchester mit "Spirit of Life" von Johan Nijs. Der Titel des Werkes war auch das Motto des Abends, musikalisch das Leben mit seinen vielen verschiedenen Facetten und Gefühlen wie Niedergeschlagenheit, Freude, Trauer, Melancholie und Liebe darzustellen. Bei "Spirit of Life" hat Komponist Nijs diese Vielfalt und den ständigen Wechsel wie einen Tanz mit allen seinen Tiefen und Höhen lebensbejahend eingefangen.

Dass die Jugendlichen Miriam Häfner, Wim Schaper und Lena Eichmeier fähig sind, im Hauptorchester mitzuspielen, zeigten sie bei "Samba Negra" von Ernst Thilo Kalke. "Man muss das Leben tanzen", zitierte Moderatorin Susanne Weber den Philosophen Friedrich Nietzsche, Tanzen bedeute Ausgelassenheit und Lebensfreude. Der Samba symbolisiere dies am treffendsten, meinte Weber, er verbinde Leichtigkeit mit Melancholie. Das Orchester spielte die südamerikanischen Rhythmen markant und ließ so die Lebensfreude greifbar werden. Die drei jugendlichen Akkordeonspieler traten aber auch als Trio ohne das Hauptorchester auf. Sie präsentierten einen Auszug aus "Erste Musik für Akkordeon-Ensemble" von Alexander Flory. Das Werk hatten sie unter Leitung von Karin Fleck einstudiert. Hierbei zeigten die Jugendlichen ihr Können und ihre Professionalität.

Wie das Jugendensemble und das Hauptorchester löste auch das Seniorenensemble unter Leitung von Wolfgang Kanstinger bei den Zuhörern Begeisterung aus. Zürcher Jugendmarsch, Sommernacht am See, Resi und Hirtenlied symbolisierten Liebe und Leidenschaft, die beiden Hauptthemen der Volksmusik. Unterstützt wurde das Seniorenensemble von Manuel Kanstinger, der virtuos auf seiner Klarinette spielte und besonders beim Hirtenlied die Zuhörer begeisterte. Als Zugabe sang Erich Cordes zusammen mit dem Publikum "Heideröschen".

Das Hauptorchester präsentierte mehrere Highlights. Eindrucksvoll war "Montanas del Fuego" von Markus Götz. Tanzend, feurig und dramatisch beschreiben die kontrastreichen Klangfarben den schlummernden Vulkan. Die Spannung steigt bis zum Finale, bei dem die Natur auf dem fruchtbaren Boden lebensbejahend zu explodieren scheint.

Musikalisch verbindet man feurig und leidenschaftlich mit Tango. Pablo Ziegler gehört zu den wichtigsten Musikern des zeitgenössischen Tango nuovo. Im "Rojo Tango" hat Ziegler viele verschiedene Emotionen und Stile vereint. Die schnellen Wechsel der musikalischen Elemente mündeten in einem dramatischen Finale. Das Hauptorchester komplettierte seinen Auftritt mit den emotionalen Werken "Concerto d’amore", "Desafinado" und "Mazury Rhapsody".

Der verstimmte Bossa nova "Desafinado" ist eine Antwort des Komponisten Carlos Antonio auf Musikkritiker. Mit rauer Stimme sang Susanne Weber den Text über eine verstimmte Liebe. Ein Feuerwerk an Gefühlen zündete das Hauptorchester schließlich beim letzten Werk des Konzertprogramms, der "Mazurka Rhapsody". Das Werk ist eine Hommage an Polens Nationaltänze. Ohne Zugabe ließ das Publikum die Musiker nicht von der Bühne. Die letzte Melodie des Abends beschrieb sodann eine gescheiterte Liebe. Die bekannteste Interpretation des französischen Chansons "Comme d’habitude" sang Frank Sinatra.

Beim Akkordeon-Club Waldkirch sang Susanne Weber den Song "My way", wechselnd mal mit heller, mal mit dunkel-rauchiger Stimme. Unterstützt wurde das Orchester von den Schlagzeugern Felix Meybrunn und Yannick Österle sowie – neu – Peter Ritter.

Das Konzert war das letzte unter Leitung von Dirigentin Ines Weber, die in ihre Heimat Waldshut zurückkehrt. Reiner Ringwald würdigte ihre Verdienste. Es sei eine schöne und intensive Zeit mit einer tollen Dirigentin und einem liebenswürdigen Menschen gewesen. Er freute sich auch, bereits den neuen Dirigenten vorstellen zu dürfen. Viktor Trippel wird ab November im Akkordeonclub den Takt angeben.