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28. Juni 2016

Grenzüberschreitende Kunst

Verein "Régiocréativ" zeigt im Elztalmuseum Arbeiten von 21 Künstlern

Unter dem Titel „Begegnungen“ sind bis zum 10. Juli die Werke von 21 Künstlerinnen und Künstlern aus Waldkirch, Sélestat und weiteren Orten dies- und jenseits des Rheins im Elztalmuseum ausgestellt. In die Eröffnung mischten sich angesichts des Brexit-Referendums in Großbritannien auch nachdenkliche Töne.

Manche Kunstwerke schienen das Ergebnis der Abstimmung geradezu vorweggenommen zu haben: Direkt neben dem Waldkircher Oberbürgermeister, der zusammen mit Museumschef Gregor Swierczyna und dem Vorsitzenden des Vereins Régiocréativ, Freddy Kempf, die Ausstellung eröffnete, hingen Barbara Armbrusters Bilder "Wo ist ein Ausweg?", "Stimmungswechsel", "Ausblick in eine unsichere Zukunft" und "Fenster in die Zukunft". An einem anderen Platz in der Ausstellung standen Schuhe aus Stein, von Fernand Uhl: So schwer scheint manchem jetzt der nächste Schritt in die Zukunft geworden zu sein.

Um so mehr betonte die große Schar der erschienenen Künstler, sowohl der ausstellenden als auch befreundeter, aus Südbaden und dem Elsass, wie sehr sie ihre grenzüberschreitenden Begegnungen genießen und sich dabei anerkennen. Régiocréativ stellt seit Jahren mindestens einmal im Jahr in Sélestat und einer Stadt in Südbaden aus. In Waldkirch stand die Eröffnung der Ausstellung jetzt ganz im Zeichen der seit 50 Jahren währenden Städtepartnerschaft zwischen Waldkirch und Sélestat.

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Zu sehen ist unter dem Titel "Begegnungen" eine große, über zwei Etagen des Elztalmuseums laufende Ausstellung mit einer großen Bandbreite: Unter den Teilnehmern sind sowohl Hobbykünstler und Kunsthandwerker als auch langjährige Profis der bildenden Kunst, die diese als Hauptberuf ausüben. Die Stile der Arbeiten sind dabei so breit gefächert wie die verwendeten Materialien. Zu sehen sind gegenständliche und abstrakte Malereien, Collagen, Holz- und Stein-Skulpturen, Glaskunst, Kunst auf Seide, Fotografien, fotorealistische Arbeiten, Kalligraphien und Holzintarsien. Da ist einiges an Konzentration vom Ausstellungsbesucher gefordert, um die Fülle der Ausstellungsobjekte eingehend wahrzunehmen und so auch entsprechend zu würdigen. Aber bis zum 10. Juli ist ja noch etwas Zeit, so dass vielleicht der eine oder andere Besucher auch mehrfach kommt.

Aus Waldkirch beteiligt sind Stephanie Burlefinger (Collagen und Objektkästen), Nora Jacobi (Malerei und Grafik), Ulrike Kaltenbach (Glasarbeiten), Roland Krieg (Fotodesign), Helga Bauer (Malerei), Günther Henning (Malerei) und Barbara Armbruster (Malerei). Aus Sélestat und Umgebung kommen Freddy Kempf (Seidenmalerei), Marcel Buecheler (Intarsien), Liliane Hoechstetter (Fotos), Alain Kauss (Hinterglasmalerei), Michèle Balmisse (Aquarelle), Fernand Uhl (Steinskulpturen), Fernand Steib (Malerei) und Suzy Graas (Acrylmalerei).

Je nach Geschmack und Laune werden sich die einen eher an den abstrakteren Werken der Nora Jacobi oder des Günter Henning erfreuen oder an den Fotodesignarbeiten von Roland Krieg, der auf seine besondere Weise unter anderem das alte Waldkircher Schwimmbad festgehalten hat.

Andere finden bestimmt Freude an den vielen Katzen, die Bettina Frey-Bruzzone auf Leinwand oder Steinen verewigt, oder an den Holzskulpturen von Hans Georg Rosenstiel aus Emmendingen. Rudi Östreicher aus Teningen hat Vögel und Wölfe aquarelliert, Annette Graef aus Sasbach eine fröhliche Schar Kinder auf einer Wasserrutsche gemalt. Kerstin Weinzierl aus Jechtingen zeigt unter anderem das fast madonnenartige Frauenporträt "Die Stille". Hans-Jürgen van Akkeren aus Kenzingen beeindruckt in der Ausstellung mit täuschend echt aussehenden alten Urkunden, die er von Dokumenten aus dem Mittelalter abgeschrieben und mit Siegel versehen hat. Freddy Kempf, der den Verein Régiocréativ leitet, zeigt Bilder (und auch Lampenschirme), die in Seidenmalerei gestaltet wurden.

Bei manchen Werken ist der Übergang von Kunst und Kunsthandwerk fließend und stellt einmal mehr die Frage, wo da eigentlich die Grenzen verlaufen. Aber wichtiger als die Antwort darauf zu suchen, ist an dieser Ausstellung ohnehin die Begegnung mit der Kunst und der Künstler untereinander. Man wolle damit ein "Gefühl der Brüderlichkeit stärken", sagt Freddy Kempf. Die Brexit-Wahl zeige einmal mehr, wie wichtig Austausch und Begegnung sind, betonte auch Oberbürgermeister Roman Götzmann. Frieden in Europa sei keine Selbstverständlichkeit, ein Brexit ein schwerer Rückschlag für das Miteinander. Götzmann dankte um so mehr den Ausstellungsorganisatoren, aber auch Hildegard Neulen-Hüttemann und dem Deutsch-Französischen Kreis Waldkirch-Sélestat für sein Engagement, alte Grenzen zu überwinden. Gregor Swierczyna hatte für die Ausstellungseröffnung extra ein paar Worte auf Französisch bereit gelegt, als Geste seiner Freude über diese Begegnungen im Museum. Das kam gut an.

Info: Deutsch-Französische Gemeinschaftsausstellung "Begegnungen", bis 10. Juli im Elztalmuseum Waldkirch (Kirchplatz 14). Geöffnet: Dienstag bis Samstag 15 bis 17 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr. Die nächste Gemeinschaftsausstellung ist dann für den 6. bis 8. Mai 2017 in Sélestat geplant.

Autor: Sylvia Sredniawa